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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 11 Okt 2010, 08:54

Lekh Lekha (Geh aus)
Für die Woche 16. Oktober 2010 / 16 Heshvan 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 12:1-17:27
Haftarah: Jesaja 40:27 - 41:16


Der Schlüssel zu einer biblischen Weltanschauung

“Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ (Bereschit / 1. Moshe 15:6)

In den Torahbytes der vergangenen Woche habe ich erläutert, wie die Art und Weise unserer Sicht auf das Leben und auf die Welt insgesamt auch uns selbst stark beeinflusst und verändert. Selbst wir, die unser Weltbild aus einer objektiven Quelle wie der Bibel ableiten, sind mitunter dadurch gekennzeichnet, oftmals unbewusst unsere Überzeugungen zu relativieren oder durch eine „gefilterte Brille“ zu sehen. Wir bemerken dabei nicht, dass diese „Brille“ bzw. diese verschobene Sichtweise schon fast eine Garantie dafür ist, dass wir zu einem falschen Verständnis des Lebens und der Weltanschauung kommen.

Einige sagen, weil wir das Leben nur auf der Grundlage unserer eigenen Wahrnehmungen betrachten, können wir nie an den Punkt gelangen, die Welt oder auch Gott so zu sehen, wie er wirklich sind. Jeder, der auch nur einen Funken Demut in sich trägt muss zugeben, dass, egal wie genau oder intellektuell gegründet ein Mensch etwas versteht, unsere menschlichen Grenzen uns dennoch daran hindern, jemals wirklich die Gesamtheit des Lebens, oder auch nur die Gesamtheit eines einzigen Bereiches des Lebens zu erfassen.

Es gibt eine berühmte Geschichte mit dem Titel "Die blinden Männer und ein Elefant", in der eine Gruppe von Blinden die verschiedene Teilen eines Elefanten ertasten, und dabei zu sehr unterschiedlichen Schlussfolgerungen hinsichtlich seiner Art kommen. Sie stützen ihre ungenauen Rückschlüsse auf die einzelnen Körperteile, die jeder von ihnen ertastet hat. Die Geschichte macht deutlich, wie töricht es ist, ungenaue Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen zu treffen auf der Grundlage unserer eigenen sehr begrenzten Erfahrungen. Die unterschiedliche Art und Weise, wie die Menschen die Welt und das Leben betrachten, ist nichts anderes als der schwache Versuch der Menschen, das Leben zu verstehen. Wir sollten daher aufhören, unsere Unterschiede zu bestreiten, drum herum zu reden oder Wortklauberei zu betreiben.

Es gibt einige interessante Aspekte in dieser Geschichte, und die Lehre für uns besteht darin, die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung zu akzeptieren. Aber es gibt auch erhebliche Mängel und Grenzen in dieser Gleichnisgeschichte, denn sie offenbart letztlich die unbiblische Weltanschauung. Zum einen fühlt oder tastet jede Person nur ein Körperteil des Elefanten. Es hätte nicht viel gebraucht um zu erkennen, dass es mehr gibt an diesem Elefanten, als nur ein Körperteil. Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Menschen beim Hören der unterschiedlichen Ansichten der anderen, anstatt zu streiten oder zu diskutieren, zunächst innehalten würden, bevor sie voreilige Schlüsse ziehen. Ja, es gibt aber wohl etliche Menschen, die so sind wie die Blinden in der Geschichte, aber die daraus resultierende Annahme, dass jeder so ist wie sie, und dass wir deshalb alle Hoffnung aufgeben müssten, die wahre Art des Elefanten zu erkennen- oder die Sicht des Leben - oder das Wesen Gottes, ist ganz sicher unbiblisch.

Was wirklich biblisch ist, sehen wir vielmehr in einer anderen Geschichte - eine Geschichte, die wirklich geschehen ist. Es ist die Geschichte von Abraham. Durch Abraham sehen wir, dass wir das Wesen Gott durchaus erfassen und erkennen können. Wir können ihn erkennen, nicht deshalb, weil Menschen wie Abraham irgendwie eine gute Auffassungsgabe oder Intelligenz hätten, sondern weil Gott selbst sich uns offenbart. Ebenso wichtig ist zu wissen, wie wir Gott erkennen können. Im Gegensatz zu den Dingen, nach denen viele Menschen streben, wie intellektuelle Fähigkeiten, moralische Einstellung, asketische Lebensweise oder rituelle Bräuche kann Gott nur durch den Glauben erkannt werden.

Der biblische Glaube ist kein unangemessenes Wunschdenken oder eine unbegründete Hoffnung auf ein gewisses Maß an Güte und Erbarmen, sondern eine Antwort und Reaktion aus dem Vertrauen heraus gegenüber dem Gott, der sich selbst bekannt gemacht hat. Dies ist es, was Abraham als Vorbild des wahren biblischen Glaubens auszeichnet. Als Gott ihn konfrontiert mit seinen vorgefassten Denkweisen – mit seinem vom menschlichen Denken beeinflussten Weltbild – vertraute Abraham ganz auf Gott und nahm damit gleichzeitig Gottes Weltsicht in sich auf.

Gott im Glauben zu erkennen bedeutet, dass die Art und Weise, wie wir die Welt, das Leben und Gott selbst sehen, ständig hinterfragt und an den Maßstäben Gottes ausgerichtet werden muss. Das bedeutet nicht, dass Gott nicht erfassbar oder erkennbar ist, sondern vielmehr, dass wir bereit sind, die Realität unserer eigenen begrenzten Wahrnehmung zu akzeptieren.

Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass wir wie die Blinden in der Geschichte mit dem Elefanten werden. Allerdings sollten wir deshalb nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Gott nicht erkannt werden kann. Wir können ihn allerdings nur erkennen, wenn wir unser Vertrauen und unseren Glauben ganz in Ihn gründen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 18 Okt 2010, 08:14

Va-Yera (Und er erschien)
Für die Woche 23. Oktober 2010 / 15 Heshvan 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 18:1 - 22:24
Haftarah: 2 Melachim / 2. Könige 4:1-37

Akedah
„Nach diesen Geschichten erprobte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.“
(Bereshit / 1. Moshe 22:1, 2)

Die "Akedah" oder die "Opferung" von Isaac ist eine der schwierigsten, mühsamsten, zugleich aber auch wunderbarsten Geschichten in der ganzen Bibel. Wenn ich zu Beginn dieses neuen Jahres wieder neu über diese Schriftstelle nachdenke, kämpfte ich innerlich mit der Frage, ob es wirklich die Anweisung von Gott war, Abraham zu befehlen, seinen Sohn zu opfern, oder ob Er ihm nur sagte, es nicht zu tun. Ich weiß, dass Gott natürlich in gewisser Hinsicht beides sagte, aber wenn Gott Abraham nicht gestoppt hätte, dann würden wir heute darüber wohl nicht sprechen. Wenn Abraham einfach nur geglaubt hätte, dass er seinen Sohn opfern sollte und es auch ausgeführt hätte, dann würde die Geschichte wohl in der Versenkung verschwunden sein, inmitten all der anderen unzähligen, schrecklichen Dinge, die Menschen gemacht haben. Nur weil Gott ihn im letzten Moment stoppte, blieb Abraham nicht ein unbedeutendes Rädchen in der Geschichte, sondern er wurde vielmehr zum herausragenden Modell der Bibel für wahren Glauben und Treue gegenüber Gott.

Wenn wir jedoch über seine Treue und seinen Gehorsam sprechen, räumen wir dann nicht auch ein, dass Abraham bereit war, im Namen Gottes seinen Sohn zu töten, wie Gott ihm befahl (siehe 1. Moshe 22:12)? Das stimmt natürlich, aber Gott befahl ihm nicht, Isaak zu ermorden, was er ja auch nicht tat, sondern er befahl, Ihm Isaak nicht vorzuenthalten. Bedenken sie bitte, dass es niemals die Absicht Gottes gegenüber Abraham war, Isaak im wirklichen Sinne zu opfern bzw. auf dem Opferaltar zu schlachten. Was Gott vielmehr bei Abraham suchte, war ein Herz, das Ihm in Treue und Gehorsam völlig ergeben war.

Man mag vielleicht über das anscheinende Fehlen der inneren moralischen Kämpfe und der inneren Zerrissenheit auf Seiten von Abraham verwundert sein. Viele von uns mögen vielleicht einen Monolog aus dem Munde von Abraham wie bei Shakespeare als Ausdruck seines moralischen Dilemma erwarten: "Töten oder nicht töten, das ist hier die Frage!" Aber stattdessen findet sein Kampf sich eher in der Nüchternheit und Sachlichkeit dieser Geschichte wieder. Wir finden dies in der nüchternen Aufforderung Gottes: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebhast, Isaak..." (1. Moshe 22:2) und dann in dem äußerst langsamen Tempo, mit dem sich die Geschichte entfaltet hin zum Höhepunkt. Dass Abraham innere Kämpfe hatte, dürfte wohl klar sein, aber seine Gedanken bleiben uns verborgen. Nur Gott weiß, was im Herzen von Abraham geschah. Ebenso weiß auch nur Gott allein, was in ihrem und in meinem Herzen geschieht.

Abraham gründete sein Leben allein auf Gott und seine Verheißungen ihm gegenüber. Derselbe Gott, der Abraham in Bereiche führte, die eigentlich unmöglich und unerreichbar waren, indem er ihm und seiner unfruchtbaren Frau in hohem Alter einen Sohn schenkte - mehr als nur einen Sohn, sondern vielmehr der Ursprung einer großen Nation, wodurch die ganze Welt gesegnet werden sollte - genau dieser Gott schien nun seinen eigenen Plan zu untergraben, indem er Isaak zu sich zurückrief. Abraham war zum völligen Vertrauen gegenüber Gott bereit, auch wenn es so schien, als würde Gott seinen eigenen Plan untergraben oder umstoßen.

Der Lebensweg im echten, wahren Glauben und in der Nachfolge ist nicht in jedem Fall der Weg, der uns logisch oder sinnvoll erscheint. Den Höchsten und Schöpfer des Universums zu kennen bedeutet nicht, dass wir philosophische Experten und theologische Alleswisser werden. Gott wirklich aufrichtig zu kennen, bedeutet vielmehr, oftmals auch in eine schmerzhafte, anscheinend widersprechende Spannung hineingezogen zu werden, bei der wir in innere Kämpfe kommen über der Frage, was dies für uns bedeutet. Der Grund dafür liegt auch darin, dass Gott dabei ist, unsere natürlichen Neigungen und Vorlieben, irgendwelchen Dingen nachzulaufen oder zu vertrauen, umzugestalten in einen Zustand, der Ihm und Seinem Wort allein vertraut.

Das bedeutet nicht, dass das Ziel des Glaubens darin besteht, nichts zu wissen, unseren eigenen Verstand auszuschalten und nur noch blind der geistlichen Stimme zu folgen, auch wenn sie nicht sinnvoll erscheint. Wenn dies so wäre, dann würde Isaak wohl getötet worden sein. Im Gegenteil, nichts ist vergleichbar mit der Tiefe und Qualität der Erkenntnis, wenn wir es zulassen, umgestaltet und geformt zu werden durch die Vielschichtigkeit des Wortes Gottes. Entscheidend ist, was wir mit dieser Erkenntnis anfangen.

Gott will uns formen und lehren, damit er uns mit Seinen Gaben segnen kann, mit denen wir wiederum anderen zum Segen werden können. Aber es kann so leicht geschehen, den Segen Gottes in Abgötterei zu verwandeln. Wenn wir uns gegenüber dem Segen Gottes verweigern, den Er uns gab, dann kann sein Segen sogar zum Werkzeug der Zerstörung für uns selbst und für andere werden. Nur, wenn wir wirklich dem Beispiel von Abraham folgen und absolut nichts, was von Gott kommt, verweigern, sondern Ihm allein vertrauen und nicht auf unseren eigenen Verstand, nur dann können wir zu Kindern Gottes werden, zu denen Er uns berufen hat.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Di 26 Okt 2010, 07:47

Hayyei Sarah (Sarah lebte)
Für die Woche 30. Oktober 2010 / 22 Heshvan 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 23:1 - 25:18
Haftarah: 1 Melachim / 1. Könige 1:1-31


Vergiss nicht die Verheißung

“Und Abraham gab all sein Gut Isaak.“ (Bereschit / 1. Moshe 25:5)

Als Gott Abraham in seinem Alter dazu berief, sich aufzumachen und in ein unbekanntes Land zu gehen, gab Gott ihm die Verheißung einer großen Nation, die ein Segen für alle anderen Nationen der Welt sein würde. Es sollte jedoch noch weitere 25 Jahre dauern, bis Gott ihm und seiner Frau Sarah auf wundersame Weise ein Baby namens Isaak schenken würde. Sarahs Unfähigkeit, Kinder zu bekommen, bestimmt einen Großteil des dramatischen Hintergrundes in ihrem Glaubensweg. Vor der Geburt Isaaks erdachte sie sich eine eigene Lösung des Problems, wonach Abraham ein Kind von einer ihrer Dienerinnen bekommen könnte, aber Gott hat diese so genannte Lösung des Problems zurückgewiesen. Das Kind der Verheißung sollte durch Sarah kommen, was dann ja auch geschah.

Nach Sarahs Tod lebte Abraham noch viele weitere Jahre. Er heiratete erneut und hatte mehrere Kinder von seiner zweiten Frau. Wenn man schnell über diese Kapitel der Bibel hinweg liest, könnte man zu dem Schluss kommen, dass dies direkt eine Erfüllung der Verheißung Gottes war. Nachdem Abraham Gott vertraut hatte, dass er ihm auf wundersame Weise das Baby schenke würde, trotz dieser eigenen und menschlichen Lösung , die Ismael zur Welt brachte, war Gott nun offensichtlich bereit, Abraham auch weiterhin zu segnen auf ganz natürliche und legitime Weise durch eine zweite Ehefrau.

Natürlich hat Gott Abraham mit diesen zusätzlichen Kindern gesegnet. Aber trotz allem hat Abraham Gottes Pläne und Absichten für Isaak keineswegs vergessen. Denn obwohl er durchaus großzügig gegenüber allen seinen Nachkommen war (siehe 1. Moshe 25:6), so übergab er sein Vermögen und alles, was ihn repräsentierte, an Isaak, wie Gott es bestimmt hatte.

Wir lesen eigentlich kaum etwas über sehr dramatische Lebensumstände im Leben von Abraham in der Zeit zwischen seiner Bereitschaft, Isaak Gott zu opfern, und dem Ende seines Lebens. Während dieser Zeit berichtet die Torah nur über seine Verhandlungen mit dem Volk des Landes um eine Grabstelle für Sarah und die Aussendung seines Knechtes zurück in seine Heimat, um eine Frau für Isaak zu finden.

Seine Lebensgeschichte endet mit der Heirat seiner zweiten Frau und den Namen seiner Kinder sowie der Verteilung seines Vermögens. In all dieser Zeit erfahren wir nichts davon, dass Gott zu ihm sprach oder ihn in irgendeiner außergewöhnlichen Weise geführt und geleitet hat. Er lebte einfach nur sein normales Leben. Aber in all dieser Zeit hat er niemals seine Verantwortung vergessen, sicherzustellen, dass Isaak und nur Isaak allein der Empfänger und Träger der Verheißung Gottes war.

Ich frage mich, wie viele Menschen es gibt, die plötzlich irgendwann inmitten vielleicht dramatischer Umstände besondere Verheißungen oder Weisungen von Gott bekommen, sie dann aber aus den Augen verlieren, sobald die dramatischen Lebensumstände sich entschärfen. Damals war Sein Wort an diese Menschen vielleicht so deutlich und klar, seine Verheißungen so sicher.

Aber nun, wo die dramatischen Lebensumstände vorbei sind und das Leben wieder zur normalen Routine wurde, ist all das, von dem sie dachten, dass sie es nie wieder vergessen würden, verblichen. Aber Gott hat es nicht vergessen. Was Gott verheißen hat, in und durch unser Leben zu tun, egal, wie normal oder weniger dramatisch unser Leben geworden ist, ist immer noch in Seinem Herzen, um es in und durch uns zur Erfüllung zu bringen. Es mag ein bisschen Mühe machen, zuzulassen, dass Gottes Wort zu dir wieder den angemessenen Platz in deinem Herzen bekommt bzw. in dir wieder neu hergestellt wird, aber es lohnt sich.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Di 02 Nov 2010, 06:50

Toledot – (Geschlechterfolge)
Für die Woche 6. November 2010 / 29 Heshvan 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 25:19 - 28:9
Haftarah: 1. Samuel 20:18-42


Eine langfristige Perspektive


“Einst kochte Jakob ein Gericht. Da kam Esau vom Feld, und er war erschöpft. Und Esau sagte zu Jakob: Lass mich doch schnell essen von dem Roten, dem Roten da, denn ich bin erschöpft! Darum gab man ihm den Namen Edom. Da sagte Jakob: Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht! Esau sagte: Siehe, ich gehe [ja doch] dem Sterben entgegen. Was soll mir da das Erstgeburtsrecht? Jakob aber sagte: Schwöre mir heute! Da schwor er ihm und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob. Und Jakob gab Esau Brot und ein Gericht Linsen; und er aß und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.“
(Bereschit / 1. Moshe 25:29-34).

Ich war seinerzeit sehr betroffen, als ich aus dem Buch Mishlei las (Deutsch: Sprüche), in dem der Leser wiederholt vor den Verlockungen der sexuellen Sünde gewarnt wird. Was meine besondere Aufmerksamkeit hervorrief, war etwa die Tatsache, dass solche Handlungen als schlecht bezeichnet werden, sondern dass man die Folgen davon nicht sofort spürt:

“Und du stöhnst am Ende deines Lebens, wenn dein Fleisch und dein Leib dahinschwinden.“ (Mishlei / Sprüche 5,11)

Einer der Gründe für das Niederschreiben des Buches Mishlei war, uns in Weisheit zu lehren, damit wir das Leben so führen, wie es dem Willen Gottes gemäß ist. Überall in der Bibel lehrt uns Gott seinen Willen und seine Wege, damit wir in die Bestimmung hineinkommen, mit der Er uns als Menschen geschaffen hat. Aber viele von uns werden feststellen, ob unsere Taten gut oder schlecht, richtig oder falsch sind, zeigt sich oft nicht sofort durch die unmittelbaren Auswirkungen, sondern eher durch eine langfristige Sicht.

Wir leben in einer Zeit wie kaum jemals zuvor, wo wir davon ausgehen, dass unsere Handlungen auch zu unmittelbaren Ergebnissen führen. Es ist vielleicht auch schwierig, sich darauf zu besinnen, weil wir in einer „Druckknopf“- Kultur leben. Es dauerte seinerzeit etwa drei Mal so lange, eine 7-stellige Rufnummer auf einem Telefon mit Drehscheibe einzugeben, als heutzutage eine 10-stellige Nummer auf einem Nummernfeld. Als ich noch ein Teenager war, gab es mir einen Nervenkitzel, einen Brief an einen Freund zu schreiben, und eine Antwort vielleicht schon in weniger als einer Woche zu erhalten. Heute hingegen, wenn meine SMS nicht binnen Sekunden beantwortet wird, werde ich nervös (ich übertreibe natürlich, aber ich denke sie merken, worauf ich hinaus will).

Unsere „Druckknopf“- Gesellschaft macht es uns möglicherweise schwieriger zu erkennen, dass wir eine langfristige Perspektive unseres Handelns brauchen, weil wir eine Tendenz zur Kurzsichtigkeit und Schnelllebigkeit haben. Wir erkennen oftmals nicht, dass die Konsequenzen unseres Handelns möglicherweise über viele Jahre hinweg nicht voll sichtbar werden müssen, wobei dies natürlich keine neue Erkenntnis ist. Der Torah- Abschnitt dieser Woche gibt uns ein anschauliches Beispiel dafür.

Abrahams Sohn und seine Schwiegertochter, Isaak und Rebekka, hatten zwei Söhne, Esau und Jakob. Esau als Erstgeborener hatte nach dem geltenden Recht eine besondere Stellung in der Familie. Diese irdischen Vorteile würden erst nach dem Tod des Vaters Isaak wirksam werden, und auch der besondere Segen der Verheißungen Gottes konnte sich erst über den Tod des Vaters hinaus manifestieren. Esau fehlte offensichtlich eine langfristige Perspektive. Das einzige, was ihn interessierte, war das hier und jetzt. Er nahm keine Rücksicht auf die langfristigen Vorteile des Festhaltens an seinem Erstgeburtsrecht. Er wusste nur, dass er jetzt sehr hungrig war, und alles, was er denken konnte, war sein unmittelbares Bedürfnis, seinen Hunger zu stillen.

Seien wir fair zu Esau. Er war wirklich nicht in guter Verfassung, als er an diesem Tag nach Hause kam. Das Wort "erschöpft" bedeutet sehr schwach und kraftlos. Ob seine Aussage über das Sterben wirklich real oder eher dahergesagt war, können wir nicht nachvollziehen. Dennoch wissen wir, wie verzweifelt und unvernünftig auch wir selbst sein können, wenn wir übermäßig erschöpft sind. Das macht jedoch diese Lektion umso wichtiger. Eine langfristige Sicht auf die Folgen oder auch den Nutzen unseres Handelns ist so wichtig, wenn wir ein Leben nach dem Willen Gottes führen wollen, auch und gerade wenn wir meinen, dass wir kurz davor stehen zu sterben.

Der einzige Weg, eine langfristige Perspektive des Lebens zu bekommen, ist unser Blick auf den Einen, der das A und das O, der Anfang und das Ende zugleich ist. Gott hat uns in seiner Weisheit Seine Wege und Seinen Willen durch die Schrift offenbart. Seine Weisheit steht oftmals im Widerspruch zu den populären Richtungen, die wir oftmals in unserem Leben versuchen einzuschlagen. Die Verlockung, das zu tun, was die schnellstmöglichste Zufriedenheit und Erfüllung bringt, kann sehr stark sein. Jedoch nur dann, wenn wir bereit, der Versuchung unserer eigenen Pläne und Wünsche zu widerstehen, und vielmehr bereit sind, das langfristige Bild zu sehen, das Gott für uns malt in seinem geschriebenen Wort, kann unser Leben auch wirklich ein Teil dieses herrlichen Bildes werden.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 08 Nov 2010, 10:47

Va-Yeze (Und er zog aus)
Für die Woche 13. November 2010 / 6 Kislev 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 28:10 - 32:3
Haftarah: Hosea 12:13 - 13:24 (12:13 - 14:10)

Eine biblische Sicht vom Leben

„Und als Rahel sah, dass sie dem Jakob nicht gebar, da war Rahel auf ihre Schwester eifersüchtig und sagte zu Jakob: Gib mir Kinder! Und wenn nicht, dann sterbe ich. Da entbrannte Jakobs Zorn gegen Rahel, und er sagte: Bin ich an Gottes Stelle, der dir Leibesfrucht vorenthalten hat?“ (Bereshit / 1. Moshe 30:1, 2)

Als Jakobs Frau Rachel nicht schwanger werden konnte, forderte sie Kinder von ihm, als ob er es irgendwie hätte geschehen lassen können. Die Antwort von Jacob beinhaltete auch die Feststellung, dass Gott derjenige war, der verhindert hatte, dass sie schwanger wurde.

Wenn wir Statements wie diese von Menschen in der Bibel lesen, dann meinen wir gleich zu wissen, wie die Menschen über das Leben dachten. Aber nur weil ein Statement in der Bibel niedergeschrieben ist, bedeutet dies nicht, dass es absolut wahr sein muss. Es gibt viele Beispiele von Menschen, auch von Gläubigen, die Dinge sagten oder taten, die falsch waren.

Nehmen wir zum Beispiel König David, der beschrieben wird als "ein Mann nach dem Herzen Gottes" (1. Samuel 13:14). Er war ein Mensch, dem wir in den meisten Punkten nacheifern sollten. Und doch tat er nicht immer das, was richtig war. Die Geschichte seiner Sünde mit Bathsheba ist jedoch nicht deshalb in die Bibel aufgenommen worden, um den Ehebruch zu rechtfertigen, sondern sie gilt vielmehr als Warnung, dass sogar gläubige Menschen nicht immun sind gegenüber Versuchungen, Sünde und Vertuschungen. Trotzdem, sogar in diesem Fall lehrt uns die Bibel über die Wege bzw. die Art und Weise Gottes, in diesem Fall eben durch ein schlechtes Beispiel, anstatt durch ein gutes.

Jakob selbst ist auch ein Beispiel dafür. Ich denke nicht, dass wir seine Bemühung und List damit rechtfertigen sollten, dass er einer der Erzväter war. Ich kann jeden verstehen, der im Hinblick auf die Sichtweise von Jakob vorsichtig ist. Es geschah ja bekanntlich erst eine ganze Weile nach dieser Behauptung gegenüber Rachel, dass Jakob Gott wirklich und wahrhaftig erkannte. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht etwas als wahr, allgemein gültig und richtig akzeptieren, es sei denn, die Bibel stellt dies unmissverständlich auch an anderer Stelle so dar.

Unabhängig davon, ob Jakob uns eine biblischen Sicht von Gottes Beteiligung oder Verwicklung in dieser Sache mitteilt oder nicht, so sollten wir auf jeden Fall entschlossen sein zu erfahren, was der Rest der Bibel uns in diesem Zusammenhang lehrt. So, wie die Geschichte weitergeht, scheint der biblische Schreiber die Sicht von Jakob zu teilen:

„Und Gott dachte an Rahel, und Gott hörte auf sie und öffnete ihren Mutterleib. Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat meine Schmach weggenommen.“ (1. Moshe 30:22,23)

Hier haben wir eine klare Behauptung bezüglich der Beteiligung Gottes an der Fähigkeit von Rachel, zu gebären. Wenn wir andere Schriftstellen im Zusammenhang mit dem Verschluss des Mutterleibes heranziehen (Bereshit / 1. Moshe 20:18; 1. Samuel 1:5,6), so decken sie sich mit der Sicht, die hier von Jakob vertreten wird.

Die Beteiligung Gottes an diesem entscheidenden und sehr persönlichen Aspekt menschlicher Lebenserfahrung widerspricht grundlegend der vorherrschenden Meinung der weltlichen Menschen, wonach solche Dinge einfach nur eine Sache des natürlichen Fortpflanzungsprozesses sind. Diese Sicht wird teilweise sogar von denjenigen vertreten, die für sich in Anspruch nehmen, an die Bibel zu glauben. Irgendwie haben sich die meisten darauf festgelegt zu glauben, dass die Empfängnis allein das Ergebnis der menschlichen Aktivität ist – eben ein natürlicher Fortpflanzungsprozess, den Gott durch die Schöpfung in Gang setzte, um dann seinem eigenen Kurs zu folgen.

Wenn wir die Geschichte von Jakob und Rachel, sowie andere ähnliche Geschichten von Paaren lesen, die Schwierigkeiten mit der Empfängnis hatten (Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Elkanah und Hannah), dann stellt dies unsere Sichtweise über einen rein natürlichen Prozess in Frage. Aber ich könnte mir vorstellen, dass viele dieser Beispiele des Eingreifens Gottes als ganz spezielle Fälle angesehen werden, während normalerweise der natürliche Prozess einfach nur geschieht.

Aber ist es wirklich das, was die Bibeln über Gott und die Empfängnis lehrt? König Salomo stellte fest, dass Kinder ein Geschenk von Gott sind (siehe Tehilim / Psalm 127:3). Hier ist nicht von einigen ganz speziellen Kindern die Rede, sondern von Kindern im Allgemeinen. Bedeutet das, dass jedes individuelle Kind ein Geschenk direkt von Gott ist, oder ist dies einfach nur eine poetische Möglichkeit, die Tatsache in Worte zu fassen, dass Gott das Leben erschaffen hat?

Die Bibel versucht nicht, die theologischen Verlautbarungen durch eine wissenschaftliche Analyse zu untermauern. Die Bibeln interessiert sich viel weniger dafür, wie die Dinge geschehen, sondern vielmehr geht es darum, wie man Gott gefallen und ihn erfreuen kann, also wie man ein Leben nach Seinem Willen und Seinen Vorstellungen führen kann. Wenn wir die Empfängnis von einem wissenschaftlichen Standpunkt heraus betrachten, dann hilft uns das nicht, zu entdecken, wie man das Leben in seiner ganzen Fülle ergreifen kann. Die Bibel ist hier ganz klar und eindeutig, wenn sie feststellt, dass Gott der Schöpfer und der Geber des Lebens ist, und dass wir die Empfänger und Verwalter Seines Geschenks des Lebens sind. Das kommt an keiner anderen Stelle besser zum Ausdruck, als durch das Wunder, Kinder zu haben.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass diejenigen unter uns, die für sich in Anspruch nehmen, an die Bibel zu glauben, beginnen zu erkennen, wie stark wir vielleicht bereits eine nichtbiblische Sichtweise angenommen haben durch den Einfluss der Welt, die uns umgibt. Wenn wir wirklich unser Leben so führen wollen, wie Gott es für uns erdacht hat, dann müssen wir uns wieder neu bewusst machen, welche Sicht Gott selbst im Hinblick auf das Leben hat.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Di 16 Nov 2010, 16:45

Va-Yishlah (Und er sandte)
Für die Woche 20. November 2010 / 13 Kislev 5771
Torah: Bereshit / Genesis 32:4 - 36:43
Haftarah: Hosea 11:7 - 12:12

Gott in den Griff bekommen?

“Und Jakob blieb allein übrig; und es rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte
aufging. Und als er sah, dass er nicht obsiegen konnte gegen ihn, da rührte er
sein Hüftgelenk an; und das Hüftgelenk Jakobs ward verrenkt, indem er mit ihm
rang. Da sprach er: Lass mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen; und er
sprach: Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet.“ (Bereschit / 1.
Moshe 32: 24-26)


Wir können nicht dem Gott Israels begegnen, ohne dabei umgewandelt und verändert
zu werden. Dies war sicherlich Jacobs Erfahrung, aber nicht nur die von Jakob
allein. In der Torah und letztlich in der gesamten Heiligen Schrift finden
wir zahlreiche Beispiele von Menschen, deren Leben radikal verändert wurde als
Ergebnis der Begegnung mit Gott. Interessant dabei ist, dass die persönliche
Geschichte eines jeden Menschen einzigartig ist, was gleichzeitig auch einer
der vielen Hinweise darauf ist, dass diese Erfahrungen wirklich authentisch und
echt sind.


Ein weiterer Aspekt ist, dass solche Begegnungen meist sehr ungewöhnlich und
unerwartet sind. Es gibt eigentlich kein gemeinsames Muster, wie sie ablaufen.
Der Bericht darüber, wie Gott mit Jakob in einem Ringkampf steht, ist ein
typisches Beispiel dafür. Wer könnte sich eine solche Geschichte wohl
ausdenken, in der der Meister des Universums einen Ringkampf führt mit diesem
schwierigen Typen Jakob, der voller Angst war vor dem Zorn seines
Zwillingsbruders? Aber nicht nur das, Jakob bringt Gott auch an den Punkt, wo
Gott bittet, ihn loszulassen (Gott bittet, ihn loszulassen?) und auch erst,
nachdem Gott Jakobs Hüftgelenk verrenkt hatte. Jakob weiß, dass dies eine sehr
außergewöhnliche Begegnung war, denn er sagt: "…..denn ich habe Gott von
Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden." (1. Moshe 32:30).


Eine der Fragen, die sich aus dieser Geschichte ergeben ist, wen hat er da
während des Kampfes wirklich festgehalten? Einerseits bittet Gott, ihn
loszulassen und Jakob sagt: „Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn
gesegnet.“ Andererseits, wie konnte es sein, dass Jakob in der Lage war, Gott
in dieser Weise festzuhalten? Jakob selbst ist überrascht, dass er diese
Begegnung überhaupt überlebt hat, abgesehen davon, wie ungewöhnlich es war, dass
er Gott in dieser Weise festhalten konnte.


Ich mag es, über theologische Fragen nachzudenken. Ich liebe es, mich mit den
Wahrheiten der Heiligen Schrift zu beschäftigen, um Gott besser kennen zu lernen
und zu erfahren, wie ich ein Leben nach den Maßstäben Gottes führen kann. Doch
wenn ich mich mit solchen theologischen Fragen beschäftige, dann entdecke ich
mitunter einen Widerspruch zwischen der Art und Weise, wie einige Leute
versuchen, krampfhaft irgendwelche Erklärungen für die Wahrheiten zu finden,
die sie angeblich ableiten aus der Heiligen Schrift und der Realität Gottes in
der Bibel. Was ich bei dem Versuch, den unendlichen Gott des Universums zu
erklären, immer wieder vermisse, ist das überwältigende Gefühl des Staunens
und der Ehrfurcht. Wie könnten wir Geschichten wie diese hier lesen und dann
ernsthaft behaupten, dass wir die Lehre der Heiligen Schrift in nette kleine
Schubladen einsortieren könnten, oder wie könnten wir für uns in Anspruch
nehmen zu wissen, wie all diese Teile zusammen passen in ein sorgsam
abgestimmtes System.


Wenn ich das Ergebnis der Einstellung einiger Lehrer und Dozenten, die meinen
alles zu wissen, vergleiche mit dem, was wir tatsächlich in der Schrift finden,
bin ich geneigt zu glauben, dass das, was diese Menschen vorwärts treibt nicht
nur ein Mangel an Feingefühl und Gespür ist, sondern in der ganzen Art und
Weise ihrer Lehre begründet liegt. Mit anderen Worten, sie stellen Gott und
sein niedergeschriebenes Wort völlig falsch dar.


Eine Lehre, die im Einklang steht mit der Realität Gottes, versucht die
Beispiele für die wirklichen Begegnungen mit Gott zu reflektieren, die wir in
der Bibel finden. Diese Art von Lehre führt uns zu immer größerer Demut vor
Gott und Menschen. Sie geht ehrlich um mit unserem menschlichen Versagen und
mit unserer Sünde, während sie gleichzeitig klarstellt, dass Gott unser Retter
ist durch den Messias. Sie stärkt unser Verlangen, uns allein auf Gott zu
verlassen sowie Gott und seinen Willen an die erste Stelle zu setzen. Diese Art
von Lehre führt uns niemals an den Punkt zu meinen, dass wir bereits alles
wissen oder bereits alles über Gott und das Leben herausgefunden haben (das ist
auch der Grund, warum ich zögerlich bin gegenüber „Dogmatismus“ oder einer
angeblich verbindlichen „Glaubenslehre“, wenn Sie wissen was ich meine).

Vielmehr ist es so, je mehr wir uns wirklich ernsthaft mit der Bibel
beschäftigen, erkennen wir, wie viel mehr es immer wieder zu entdecken und zu
erkennen gibt über Gott und die Fragen des Lebens.

Damit ist nicht gesagt, dass das, was wir auf dem Weg dorthin lernen und
erkennen keine Berechtigung hat. Weit gefehlt! Was wir heute über Gott und sein
Wort lernen und erkennen ist entscheidend für das, was wir in der Zukunft
lernen. Aber wir sollten niemals meinen, dass wir Gott in den Griff bekommen
könnten. Wie Jakob müssen wir lernen, dass je mehr wir meinen, Gott zu erfassen
oder in den Griff zu bekommen, es tatsächlich Gott selbst ist, der uns in den
Griff bekommt bzw. Besitz von uns ergreift, egal, was auch immer geschieht.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 22 Nov 2010, 08:08

Va-Yeshev (Und er wohnte)
Für die Woche 27. November 2010 / 20 Kislev 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 37:1 - 40:23
Haftarah: Amos 2:6-3:8


Gott hat alles unter Kontrolle

„Israel aber hatte Joseph lieber als alle seine Kinder, darum dass er ihn im Alter gezeugt hatte; und machte ihm einen bunten Rock. Da nun seine Brüder sahen, dass ihn ihr Vater lieber hatte als alle seine Brüder, waren sie ihm feind und konnten ihm kein freundliches Wort zusprechen. Dazu hatte Joseph einmal einen Traum und sagte zu seinen Brüdern davon; da wurden sie ihm noch feinder." (Bereschit / 1. Moshe 37:3-5)


Die Geschichte von Joseph ist eine der atemberaubendsten Geschichten in der ganzen Bibel. Es ist die Geschichte, wie Gott eine absolut zerrüttete Familie gebraucht für seinen Plan und Seine Ziele. Er benutzt in diesem Fall nicht nur die Eifersucht und den Hass, um das Volk Israel zu bewahren, sondern sein Plan erstreckt sich auch bis nach Ägypten und die umliegende Region. Josephs Verständnis davon, wie Gott in seiner schwierigen Lage am Wirken war, wird zusammengefasst in seinen späteren Worten gegenüber seinen Brüdern, nachdem die ganze Familie nach Ägypten gezogen war:

"Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen; aber Gott gedachte es gut zu machen, dass er täte, wie es jetzt am Tage ist, zu erhalten viel Volks." (Bereschit / 1. Moshe 50:20).

Joseph hatte keinen Zweifel daran, dass Gottes gute Pläne und Ziele für Israel, Ägypten und viele andere unter anderem durch die bösen Absichten seiner Brüder ausgeführt wurden.

Schauen wir uns konkret einige der Dinge an, die geschehen sind. Joseph, der elfte von zwölf Söhnen, war seines Vaters Liebling. Jakob hatte keine Bedenken, seine Gefühle gegenüber Joseph auch ganz offen zu zeigen, indem er Joseph ein ganz besonderes Obergewand schenkte. Joseph wiederum hatte auch keine Bedenken, gegenüber dem Vater herablassend über seine Brüder zu sprechen. Dies alles sollte ausreichen, um erhebliche Probleme zwischen Joseph und seinen Brüdern zu verursachen, wie wir es ja auch lesen:

"Da nun seine Brüder sahen, dass ihn ihr Vater lieber hatte als alle seine Brüder, waren sie ihm feind und konnten ihm kein freundliches Wort zusprechen." (Bereschit / 1. Moshe 37 : 4).

Dann lesen wir, dass Joseph zwei Träume hatte, in denen die Herrschaft über seine Eltern und seine Brüder vorhergesagt wurde. Wir wissen nicht, was Joseph dazu bewogen hat, seine Träume gegenüber seiner Familie offenzulegen, weil die Torah uns diesbezüglich keine Hintergrundinformationen gibt, was in diesem Zusammenhang wohl seine Gedanken oder seine Motive waren. Alles, was wir wissen ist, dass seine älteren Brüder ihn umso mehr hassten bis zu dem Punkt, dass sie danach trachteten, ihn zu töten. Eines Tages, als Jakob Joseph aussandte, um nach den Brüdern zu schauen, kamen sie überein, ihn zu ermorden. Der älteste Bruder Ruben überzeugte jedoch die anderen zu warten, in der Hoffnung, ihn damit zu retten. Während Ruben sich kurz entfernt hatte, verkauften die neun Brüder ihn an Sklavenhändler, die auf dem Weg nach Ägypten waren. Dann versuchten sie ihren Vater dahingehend zu täuschen, dass Joseph angeblich von wilden Tieren getötet worden wäre. Man bedenke, wenn Ruben zuvor nicht interveniert hätte, dann wäre Joseph wohl getötet worden.

Joseph diente als Sklave in Ägypten. Doch Gott schenkte ihm Erfolg und Segen bei seiner Arbeit. Auch, als er den Verführungen durch die Frau seines Herrn widerstand, was ihn letztlich ins Gefängnis brachte, war Gott auch dort mit ihm, und er wurde zum Führer über die anderen Gefangenen gesetzt. Es war wegen seiner genauen Auslegung einiger Träume seiner Mitgefangenen, dass er schließlich berufen wurde, einige der Träume des Pharao auszulegen, weswegen er letztlich freigelassen und befördert wurde zum zweiten Mann im Staate Ägypten. Dies war der erste Schritt zur Erfüllung der früheren Träume Josephs, ihn und seine Familie betreffend.

Inmitten all dieser menschlichen Intrigen, Eifersucht, Hass und Gier war Gottes dabei, alles zum Guten zu wenden. Die Torah rechtfertigt in diesem Zusammenhang keineswegs das Böse, nur weil Gott es unter anderem für Seine Ziele und Pläne benutzt. Auch sollte nicht der Eindruck entstehen, dass Gott diese Dinge einfach geschehen lässt. Es sind die Menschen, die diese schlechten Dinge tun. Doch auch diese bösen Dinge müssen hier den allumfassenden Plänen und Bestimmungen Gottes dienen.

Die Menschen haben hier natürlich auch gute Dinge getan. Joseph war Gott treu inmitten dieser schrecklichen Umstände. Es war durchaus nicht so, dass er einfach nur ein passiver Zuschauer war, als Gott die Situation für seine Zwecke und Ziele veränderte. Er vertraute Gott ganz bewusst, und er arbeitete hart.

Gleichzeitig war es keineswegs so, dass Joseph die Kraft und die Fähigkeit in sich selbst hatte, die Dinge so auszuführen, wie er es getan hatte. Es war Gottes Werk. Die Torah stellt die Dinge jedoch nicht so dar, als würden die Menschen mechanisch gesteuert und kontrolliert durch geistliche Kräfte. Neben dem Wirken Gottes ist die menschliche Verantwortung in den verschiedenen Situationen des Lebens keine Illusion, sondern Realität. Aber was auch immer unsere Taten für Auswirkungen haben; letztlich können Gottes Pläne und Absichten dadurch nicht durchkreuzt werden. Deshalb können und dürfen wir Ihm vertrauen, egal was um uns herum geschieht. Wir mögen zwar nicht immer verstehen, wie das funktioniert, aber es ist beruhigend zu wissen, dass Gott alles unter Kontrolle hat.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Di 30 Nov 2010, 17:49

Miketz (Am Ende) / Chanukka
Für die Woche 4. Dezember 2010 / 27 Kislev 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 41:1 - 44:17 &
Bemidbar / 4. Moshe 7:24-35
Haftarah: Sacharja 2:14 - 4:7

Warten

"Und nach zwei ganzen Jahren hatte der Pharao einen Traum, wie er stünde am
Nil
." (Bereschit / 1. Moshe 41:1)

Die Torah, wie auch die ganze Bibel, ist nicht langatmig und weitschweifend.
Vielleicht war ein Grund der Mangel an Schreibmaterialien und deren Kosten,
jedoch beschneidet das Fehlen von langatmigen Beschreibungen in keiner Weise
die Tiefe der Worte. Man kann so viel mitteilen mit erstaunlich wenigen Worten.
Ein Beispiel hierfür findet sich in dem kurzen Vers zu Beginn dieser
Ausführungen: "Und nach zwei ganzen Jahren.." Im Hebräischen liest es
sich so: "Va-Yehi miketz shenatayim Yamim", wörtlich übersetzt: "Und es war
am Ende der Tage von zwei Jahren
". Die Wahl der Worte in dieser Weise macht es
für uns deutlich, wie lange die Zeit wirklich dauerte.

Die deutsche Übersetzung versucht dies rüberzubringen mit den Worten "nach
zwei ganzen Jahren", aber es scheint mir, dass Leser von deutschen oder
englischen Bibeln dazu neigen, Angaben der Zeit einfach nur in Bezug auf den
Kalender zu sehen. Doch es passiert hier ja noch mehr, als nur die Tatsache,
dass die Zeit verstreicht: "Und nach zwei ganzen Jahren hatte der Pharao einen
Traum." Indem uns gesagt wird, dass "zwei ganze Jahre" vergingen, sind wir
unweigerlich hineingenommen in das Schicksal des Joseph, der im Kerker die
Träume seiner Mitgefangenen richtig auslegte. Er musste als Gefangener und
Knecht des Pharao mehr als 700 Tage an diesem schrecklichen Ort verbringen.

Überall in der Bibel lesen wir Geschichten von Menschen, die über längere
Zeit hinweg große Not zu ertragen hatten. Wenn wir nur über diese Berichte
hinweg lesen, dann mögen uns diese Wartezeiten wie ein Augenblick erscheinen,
es sei denn, dass wir innehalten und etwas mehr darüber nachdenken. Im
besonderen Fall von Joseph lenkt die Formulierung, zumindest im hebräischen
Original, unseren Blick auf das, was Joseph im Laufe der Zeit alles hat
durchmachen müssen. Es begann damit, dass er von seinen eigenen Brüdern
gehasst wurde, die ihn verkauften in die Sklaverei nach Ägypten. Dann ging
es weiter, dass er unschuldig inhaftiert wurde in einem ägyptischen Kerker.
Obwohl Gott natürlich all die Zeit mit ihm war und ihn hindurchgetragen hat
in diesen schwierigen Umständen, so sollten wir doch nicht unterschätzen, wie
schwierig all das für ihn trotzdem gewesen sein muss.

Gott wirkt nicht entsprechend unseres Zeitempfindens oder unserer Erwartungen.
Wenn es nach uns gehen würde, dann müsste alles sofort geschehen, bzw. alle
unsere Bitten und Anliegen müssten sich umgehend erfüllen. Es ist, als wenn
wir davon ausgehen, dass wenn eine Sache schneller geschieht, dies auch immer
besser sei. Aber das ist durchaus nicht immer Gottes Weg. Gute Nahrungsmittel
brauchen ausreichend Zeit, um zu wachsen und zu gedeihen. Eine gute Mahlzeit
braucht ausreichend Zeit für die Zubereitung. Es braucht Zeit, um hochwertige
Produkte herzustellen. Alle Lebewesen brauchen Zeit für ihre Entwicklung. Ein
guter Charakter im Leben eines Menschen braucht sogar ein Leben lang, um zu
reifen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Joseph noch nicht bereit war für die Art von
Herrschaft, für die Gott ihn bestimmt hatte. Ich glaube nicht, dass eine Person
wie Joseph, der kein Problem damit hatte, gegenüber seinen Brüdern jene
Träume auszubreiten, die von seiner hervorgehobenen Stellung unter ihnen
handelten, seine Brüder nun ohne eine Charakterschulung mit dem Maß an Güte
und Vergebung behandeln würde, die er ihnen dann schließlich entgegengebracht
hat.

Es ist möglich, dass diese zeitliche Verzögerung teilweise auch dazu bestimmt
war, um ein tiefes Werk in seinem Herzen zu tun, damit er gegenüber seiner
Familie zu dem werden und sein konnte, was sie in ihm brauchten, trotz des
Missbrauchs und des Hasses ihm gegenüber in der Vergangenheit. Ich bin mir
dessen bewusst, dass die Torah keinen spezifischen Kommentar abgibt zu dem
Werk Gottes im Leben von Joseph während dieser schwierigen Umstände, aber
was wir wissen ist, dass er diese schlimmen Lebensumstände über eine relativ
lange Zeitspanne ertragen musste, was ganz besonders für diese letzten
beiden Jahre galt, die für ihn wohl besonders lang wurden.

Unabhängig von dem, was Gott im Herzen und im Leben von Joseph während
dieser Zeit getan hat, ist es nicht genau das, was viele von uns auch
durchleben? Es gibt ein Wort in den Sprüchen, wo es heißt: "Lang hingezogenes
Harren macht das Herz krank, aber ein eingetroffener Wunsch ist ein Baum des
Lebens.
" (Mishlei / Sprüche 13.12/ Elb.05).

Das Warten auf die Erfüllung von Gottes Zusagen kann mitunter schier
unerträglich sein. Diejenigen unter uns, die diese Erfahrung schon gemacht
haben, mögen vielleicht manchmal denken, wir wären besser dran, keine solche
Hoffnungen oder Erwartungen zu haben, auf die wir warten müssen, bzw.
überhaupt Offenbarungen darüber zu bekommen, welche unserer Erwartungen oder
Hoffnungen in der Zukunft erfüllt werden, nur um dann wieder darauf zu warten.

Aber Gott weiß genau, was er tut. Sein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt
ist absolut perfekt. Wir werden vielleicht nie alles wissen oder erkennen von
dem, was er tut, während wir warten. Wir können jedoch sicher sein: Wenn
wir wirklich Gott lieben, dann tut er alles, um seine Absichten und Ziele, die
er mit uns und durch uns hat, auch auszuführen.

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Allen Lesern ein frohes und segensreiches Chanukka!!


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 06 Dez 2010, 10:23

Va-Yiggash (Und es nahte sich)
Für die Woche 11. Dezember 11, 2010 / 4 Tevet 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 44:18 - 47:27
Haftarah: Hesekiel 37:15-28


Gott hat die Oberhand

Doch Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung. Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott;“ (Bereschit / 1. Moshe 45:7, 8 )

Joseph war zum Opfer von Verrat und Missbrauch durch seine unmittelbaren Familienangehörigen geworden, indem sie ihn in die Sklaverei nach Ägypten verkauft hatten, woraufhin der schließlich jahrelang in einem Kerkerverlies verbringen musste. Doch der Tag sollte kommen, wo er die Täter des Missbrauches mit der Tatsache konfrontieren sollte, dass letztlich nicht sie es waren, die ihn nach Ägypten brachten, sondern Gott.

Hat Joseph das nur deshalb gesagt, weil er jetzt der zweitmächtigste Mann in Ägypten war? Wenn wir bedeutsame Veränderungen der Lebensumstände zum Besseren hin erfahren, dann fällt es sicher leicht, diese positive Veränderung Gott zuzuschreiben. Aber hätte Joseph es genauso in dieser Weise gesagt, wenn er bis zu seinem Lebensende im Kerker geblieben wäre? Hier kann man nur vermuten, denn bekanntlich ist es nicht das, was damals geschehen ist.

Trotzdem ist es eine berechtigte Frage: Geben wir Gott nur dann die Ehre, wenn unsere Lebensumstände und Erfahrungen sich positiv entwickeln, oder ist er ganz persönlich Teil unseres Lebens, sowohl in guten wie in schweren Zeiten? Eine dritte Möglichkeit ist die Frage, ob Gott nur gelegentlich, von Fall zu Fall, persönlich einbezogen wird? Kann das alltägliche Leben normal weitergehen, ohne Sein direktes Eingreifen und Handeln? Wäre dies der Fall, dann wäre es wohl die meiste Zeit in unserem Leben unangemessen, eine Aussage wie hier bei Joseph zu machen, wo die Geschichte gut ausgegangen ist, außer wenn wir irgendwie ganz sicher wissen, dass Gott involviert war.

Mein Eindruck ist, dass die meisten Menschen das Leben nach dieser dritten Möglichkeit zu leben. Wenn Gott überhaupt existiert, wird seine Verwicklung im Leben der Menschen eher als unberechenbar, nicht planbar und somit nur als sporadisch gesehen. Sicher, es gibt Geschichten wie hier bei Joseph, aber auch wenn dieserart Geschichten wirklich wahr sind, so werden sie zumeist als besonders und ganz speziell angesehen.

Selbstverständlich gibt es Aspekte in der Josephsgeschichte, die ungewöhnlich und ganz speziell sind. Zum einen erleben wir hier die Entfaltung des besonderen Planes Gottes für die Welt durch die Entwicklung seines auserwählten Volkes Israel. Zweitens hatte Gott Josephs Aufstieg zur Macht bereits durch seine Träume vorausgesagt, als er noch mit seiner Familie in Kanaan lebte. Ist die Geschichte mit Joseph vielleicht doch nur zu erklären mit der besonderen Rolle Gottes in seinen besonderen Lebensumständen, ohne dass damit bewusst suggeriert wird, dass dies auch ein allgemeiner Grundsatz ist, der für alle Gläubigen zu allen Zeiten Gültigkeit hat?

Während Joseph wahrscheinlich nicht solch eine allgemeine Aussage über Gottes Wirken in allen Bereichen des Lebens gemacht hätte, bleibt die Frage, ob er diese Aussage hier ohne ein solches Verständnis hätte machen können! Wenn wir den Text unter diesem Gesichtspunkt genau betrachten, dann finden wir hier bei Joseph ein Maß von innerer Gelassenheit und Treue zu Gott, die uns die wirkliche Tiefe des Glaubens in seinem Leben zeigt. Das Statement über Gottes Wirken und Eingreifen in seinem Leben war eben nicht allein der Tatsache geschuldet, dass die Ereignisse sich letztlich so positiv für ihn entwickelt haben, sondern es basierte wirklich auf dem Wissen und der Erkenntnis, dass Gott letztlich immer und bei allen Dingen die Oberhand hat.

Dass Gott letztlich immer die Oberhand hat, zeigt sich in unseren Lebensumständen nicht immer gleich so deutlich. Aber diejenigen, die Gott wirklich lieben und in Gemeinschaft mit Ihm leben, wissen ganz sicher, dass er letztlich die Oberhand hat, und das ist ein großer Trost. Wir lesen dazu in den Schriften des Neuen Bundes:

"Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind." (Römer 8:28).

Das hat nichts mit einem planmäßigen und berechenbaren Fatalismus bzw. mit einer blinden Schicksalsergebenheit zu tun. Weit gefehlt! Das beispielhafte Vertrauen von Joseph entspringt nicht einer philosophischen Überzeugung darüber, wie das Universum oder das Schicksal funktioniert, sondern es basiert auf einer ganz engen, persönlichen Beziehung mit dem Schöpfer und Herr des Universums. Wie tröstlich zu wissen, dass unser Vater im Himmel die Oberhand hat!

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 13 Dez 2010, 13:12

Va-Yehi (Und er lebte)
Für die Woche 18. Dezember 2010 / 11 Tevet 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 47:28 - 50:26
Haftarah: 2 Melachim / 2. Könige 2:1-12




Falsche Gefühle auf der Grundlage falscher Annahmen und Sichtweisen


Und als Josephs Brüder sahen, dass ihr Vater gestorben war, sagten sie: Wenn nun Joseph uns anfeindet und uns gar all das Böse vergilt, das wir ihm angetan haben! So entboten sie dem Joseph und ließen sagen: Dein Vater hat vor seinem Tod befohlen und gesagt: So sollt ihr zu Joseph sagen: Ach, vergib doch das Verbrechen deiner Brüder und ihre Sünde, dass sie dir Böses angetan haben! Und nun vergib doch das Verbrechen der Knechte des Gottes deines Vaters! Da weinte Joseph, als sie zu ihm redeten.“ (Bereschit / 1. Moshe 50:15-17)

So wie es Gott Joseph einst vor Jahren im Traum offenbarte, stellte Gott ihn in eine Position der Macht und Herrschaft über seine Familie. Niemand konnte den Zusammenhang, in dem dies geschehen würde, erahnen. Joseph half nur dem Pharao in Ägypten, indem er ein grundlegendes Lebensmittel-Programm plante und durchführte, das nicht nur Ägypten während einer schweren Hungersnot nachhaltig half, sondern auch der umliegenden Region. Josephs Brüder hatte keine Ahnung davon, dass sie einst genau den Menschen versucht hatten zu vernichten, den Gott benutzen wollte, um sie und die ganze Familie zu retten. In einer Art und Weise, die nur Gott allein tun kann, gebraucht er den "gewalttätigen Hass“ der Brüder von Joseph als ein Mittel, um Joseph letztlich in diese Stellung zu versetzen, damit er nicht nur sein eigenes Leben bewahren kann, sondern letztlich die ganze Nation.

Stellen Sie sich vor, wie es wohl für die Brüder gewesen sein muss, den Rest ihres Lebens in Ägypten zu verbringen, unter der Gunst von Joseph. Ich bin sicher, sie waren sich der Tatsache bewusst, wie gesegnet sie im materiellen Sinne waren, nachdem sie die ersten Jahre Hunger erleiden mussten. Gleichzeitig muss es emotional sehr schwierig für sie gewesen sein. Das können wir aus der oben zitierten Bibelstelle herauslesen. Die Brüder gingen davon aus, dass Joseph nur ihrem Vater zuliebe freundlich zu ihnen war. Sie dachten, dass sie nach dem Tode ihres Vaters Jacob nun wohl das Ziel der Rache von Joseph sein würden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Botschaft, die sie Joseph übersandten über die Bitte des Vaters Jacob um Vergebung, frei erfunden war. Aber sie waren verständlicherweise voller Angst im Hinblick auf das, was Joseph ihnen möglicherweise antun könnte. Immerhin hätten sie Vergeltung für ihre bösen Taten verdient, und Joseph hatte ja inzwischen die Macht, diese Vergeltung auch zu vollstrecken.



Schauen sie jedoch auf die Reaktion von Joseph. Er weinte. Joseph wurde übermannt von seinen Gefühlen über der Tatsache, dass seine Brüder in dieser Weise dachten. Wie wir letzte Woche gesehen haben, betrachtet Joseph Gott als denjenigen, der trotz aller Leiden und Umwege in seinem Leben die Oberhand hat. Er wusste, dass Gott mit ihm war, um seine Familie zu bewahren. Er empfand keine Feindseligkeit ihnen gegenüber. Sein Verhalten der Gnade und des Erbarmens gegenüber seinen Brüdern war fest gegründet in seinem Vertrauen gegenüber Gott.

Ich möchte nicht richten über die Brüder oder ihnen vorwerfen, dass sie nicht sofort akzeptieren konnten, wie Joseph sich verhielt. Sie hatten sicher ihr eigenes Leben nicht in dieser Weise geführt. Wenn die Rollen vertauscht gewesen wären, dann hätten sie wohl ihre Machtposition benutzt, um Vergeltung zu üben. Sie konnten es einfach nicht begreifen, dass jemand ihnen vergeben, sie akzeptieren und sie lieben konnte, wie Joseph es tat.

Ich frage mich, ob Gott nicht auch manchmal über uns weint, so wie Joseph es im Blick auf seine Brüder getan hat.

Wie oft verhalten wir uns Gott gegenüber nicht auf der Grundlage der Realität, sondern auf der Grundlage falscher Gefühle oder falscher Annahmen? Er hat alles Notwendige getan, damit wir in eine persönliche Beziehung mit ihm eintreten können. Durch den Messias hat er uns Seine Vergebung, Annahme und Liebe unter Beweis gestellt. Es ist sicher verständlich, dass diejenigen, die sich weigern, in Buße und Vertrauen umzukehren zu ihm, sich entfremdet und getrennt von ihm fühlen, aber diejenigen, die mit ihm versöhnt sind, haben eigentlich absolut keinen Grund, seine Ablehnung zu fürchten.

Ein Grund dafür, dass wir mitunter unsicher sind bei der Frage, wie Gott zu uns steht, könnte darin bestehen, dass es noch schwerwiegende, ungelöste Fragen in unserem Leben gibt. Das Gefühl der Trennung von Gott, wenn wir wirklich falsche Dinge getan bzw. Schuld auf uns geladen haben, ist natürlich der Situation angemessen und auch wichtig für unser Leben. Dieses Gefühl des Getrenntseins von Gott ist ja auch ein Zeichen für Gottes Wirken in unserem Leben und soll uns ja an den Punkt bringen, dass wir wieder reinen Tisch machen und neu hineinkommen in die Gemeinschaft mit Ihm.



Aber es gibt auch andere Zeiten in unserem Leben, wo wir auf Grund falscher oder unbegründeter Gefühle nicht sicher sind oder zweifeln, was unsere persönliche Beziehung zu Gott betrifft. Dies geschieht dann, wenn sich unsere Sicht von Gott mehr darauf gründet, wie wir uns selbst sehen, als darauf, wie Gott selbst sich uns offenbart hat. Gott ist traurig über uns, genau wie Joseph, wenn wir unsere Gefühle aufbauen auf falschen Annahmen bzw. eigenen Einschätzungen und Empfindungen. Wenn wir damit beginnen, unsere Sicht von Gott auf seine eigene Offenbarung über sich selbst zu gründen, anstatt auf der falschen Basis unserer eigenen Gefühle und Empfindungen, dann werden wir mehr und mehr die Art und Weise erkennen, wie er sich sehnt nach einer persönlichen Beziehung zu uns.




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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 20 Dez 2010, 14:29

Shemot (Namen)
Für die Woche 25. Dezember 2010 / 18 Tevet 5771
Torah: Shemot / 2. Moshe 1:1 - 6:1
Haftarah: Jesaja 27:6 - 28:13; 29:22, 23

Ein Volk im Wandlungs- und Entwicklungsprozess

„Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und
sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine
Schmerzen. Darum bin ich herabgekommen, um es aus der Gewalt der Ägypter zu
erretten und es aus diesem Land hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land,
in ein Land, das von Milch und Honig überfließt, an den Ort der Kanaaniter,
Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter.“(Shemot / 2. Moshe 3:7, 8 )

Es gibt viele einzigartige Besonderheiten in Bezug auf die Nation Israel. In
erster Linie ist es die Tatsache, dass, obwohl letztlich jede Nation das
Ergebnis der Vorsehung und des Planes Gottes ist, Israel dennoch ganz
besonders von Gott für einen bestimmten Zweck geschaffen und auserwählt wurde,
nämlich Gottes besonderes Medium zu sein, wodurch er sich der ganzen Welt
bekannt machen wollte. Von daher ist es kein Wunder, dass die Geschichte des
Volkes Israels so komplex und interessant ist, wie sie uns überliefert ist.


Ein sehr interessanter Aspekt in der Geschichte Israels ist die Tatsache, wie
die Nation von Ort zu Ort zog unter Gottes Führung, und das aus ganz
bestimmten Gründen. Diese Phase begann bereits mit Abraham und seinem Ruf,
seine Heimat Mesopotamien, dem späteren Land Kanaan, zu verlassen. Obwohl
alles, was er zu seinen Lebzeiten dauerhaft an Land besaß, aus einer
Grabstätte bestand, gab Gott die Verheißung, dass seine Nachkommen eines Tages
die gesamte Region in Besitz nehmen würden. Aber Gott sagte zu Abraham auch,
dass seine Nachkommen zuvor durch eine Phase gehen müssten, in der sie Diener
bzw. Knechte sein würden in einem fremden Land über 400 Jahre (Bereschit / 1.
Moshe 15.13, 14): „Und er sprach zu Abram: Ganz gewiss sollst du wissen, dass
deine Nachkommenschaft Fremdling sein wird in einem Land, das ihnen nicht
gehört; und sie werden ihnen dienen, und man wird sie unterdrücken vierhundert
Jahre lang. Aber ich werde die Nation auch richten, der sie dienen; und danach
werden sie ausziehen mit großer Habe.“

Später kam es bekanntermaßen durch eine ganze Reihe von Umständen dazu,
dass Abrahams Enkel Jakob und seine ganze Sippe nach Ägypten übersiedelte, wo
sie zunächst wohlwollend behandelt wurden, später dann jedoch unter eine
schlimme und bedrückende Knechtschaft kamen. Das ist der Hintergrund des
Erlösungswerkes Gottes für sein Volk unter der Führung von Moshe und seinem
Bruder Aaron.

Die Befreiung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten war für sich genommen
ebenso ein Prozess, durch den Gott seine Macht und Herrschaft demonstrierte. Es
war für Israel notwendig, die mächtige Hand Gottes in dieser Weise als Zeugnis
zu erfahren, um sie für ihren Dienst und Auftrag in den kommenden Jahren
vorzubereiten. Sie sollten noch viele wichtige Lektionen lernen über diese
Erfahrung hinaus während der Jahre ihrer Wanderung durch die Wüste und im
Zuge der Einnahme Kanaans unter Moshes Nachfolger Joshua.


Als sie das Land eingenommen hatten, war Gott auch weiterhin dabei, sie zu
unterweisen und zu erziehen gemäß Seinen Wegen und Seinem Willen. Weil die
Menschen und ihre Führer immer wieder daran scheiterten, nach Gottes Willen
und seinen Weisungen zu leben, sandte Gott die Propheten, seine Sprecher, um
Sein Wort an das Volk weiterzugeben in der Hoffnung, dass sie Gott vertrauen
und ein Leben nach Seinem Willen führen würden. Doch die menschliche Natur ist
halt wie sie ist. Israel lebte nicht nach den Maßstäben Gottes, was
Vertreibung und Zerstreuung nach sich zog. Die meisten Nationen aus dieser
Zeit sollten irgendwann aufhören zu existieren, aber mit Israel hatte Gott
nicht abgeschlossen. Sie mussten noch weitere Lektionen lernen, die ihnen
offenbart würden über Gott, über Seine Wege und Seinen Willen. Während dieser
Zeit manifestierte sich die Erwartung auf einen großen Erlöser, den Messias.
Diese Hoffnung und Erwartung wurde Teil der Seele der ganzen Nation.

Schließlich kehrten einige aus dem Volk Israel zurück, um das verheißene
Land wieder herzustellen. Die Erwartung und Hoffnung auf den Messias wuchs,
bis Jeschua auf die Erde kam. Er repräsentierte und vollbrachte all das, was
Gott für ihn vorgesehen hatte, einschließlich der Preisgabe seines Lebens als
ein vollkommenes und ewiges Opfer für die Sünde und die Überwindung des Todes
durch seine Auferstehung von den Toten. Während seiner Zeit auf der Erde
setzte er den Entwicklungs- und Erziehungsprozess mit Israel fort, indem er
einen kleinen Überrest zurüstete und aussandte in die Welt als Erfüllung
der Verheißung Gottes an Abraham, sich unter allen Völkern bekannt zu
machen.


Ich habe den Eindruck, dass das Volk sich nur widerwillig diesem Wandlungs- und
Entwicklungsprozess stellen wollte. Wir neigen dazu, die Dinge einfach und
schnell lernen zu wollen. Wir möchten einen Zustand in unserem Leben erreichen,
in dem wir fertig und abgeschlossen sind, wo wir nicht mehr lernen müssen und
nicht mehr in einem Entwicklungsprozess stehen, der ja mitunter auch
schmerzhaft sein kann.
Wir möchten alle Dinge ergründen. Dies gilt für Atheisten und für Gläubige
gleichermaßen. Wir machen unsere philosophischen und theologischen Bestimmungen
und Erkenntnisse, und wir verbringen dann den Rest des Lebens damit, unsere
Positionen und unsere Erkenntnisse zu verteidigen. Mitunter stehen wir dann
jedoch in der Gefahr, herausfordernde neue Gedanken zu ignorieren oder
zurückzudrängen. Der Skeptiker ist nicht anderes, als in seiner Sturheit zu
bleiben, indem er trotz bekanntgewordener bzw. offenbarter Wahrheit trotzdem
lieber festhält an der illusionären Bequemlichkeit der Unentschlossenheit.

Für diejenigen jedoch, die wirklich in Gemeinschaft mit Gott leben, gibt es
einen Entwicklungsprozess, durch den Gott uns führt. Gott bereitet uns vor für
die ewige Gemeinschaft mit Ihm. Diese Vor- und Zubereitung beinhaltet eine
lebenslange Erziehung und Zurüstung durch alle möglichen Mittel, die Gott zur
Verfügung stehen. Gott gibt sich nicht damit zufrieden, uns dort zu belassen, wo
wir im Leben stehen.


Damit Seine Pläne und Ziele in unserem Leben ausgeführt und umgesetzt werden
können, führt er uns oftmals an einen Punkt, wo unsere Lebensumstände
umgekrempelt werden, bzw. wo wir hineingeführt werden in Lebensumstände, die
uns zunächst fremd und unangenehm erscheinen. Wenn wir uns selbst jedoch
willig hineingeben in dieses Wirken Gottes in unserem Leben, dann werden wir
auch am besten in der Lage sein, die Lektionen zu lernen und seinen Willen zu
erkennen, den er versucht, in unserem Leben umzusetzen.


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