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Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Fr 16 Okt 2009, 10:57

das Eingangsposting lautete :

Bereshit (Am Anfang)
Für die Woche vom 17. Oktober 2009 / 29 Tishri 5770
Torah: Bereshit / 1. Moshe 1:1 - 6:8
Haftarah: 1. Samuel 20:18-42

Wissenschaft und Bibel
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (Bereshit / 1. Moshe 1:1)

In diesem Jahr haben wir den 200. Jahrestag des Geburtstages von Charles Darwin. Während Darwin die eigentliche Evolutionstheorie nicht selbst aufgestellt hat, so hat dennoch seine Arbeit im Zusammenhang mit der Theorie der natürlichen Auslese sehr stark dazu beigetragen, dass der philosophische und wissenschaftliche Naturalismus bis heute zur vorherrschenden Weltsicht geworden ist. Der philosophische und wissenschaftliche Naturalismus behauptet, dass das Leben nur aus einer natürlichen Ursache heraus entstanden ist und sich daraus dann weiterentwickelt hat. Er bestreitet die Existenz einer geistlichen und übernatürlichen Ebene, einschließlich der absolut ersten Worte der Torah, die ich oben zitiert habe.

Es gibt viele Menschen, die an den grundlegenden Lehren des Naturalismus festhalten (egal ob sie sich selbst als Naturalisten bezeichnen, oder auch nicht), dennoch ist immer noch Platz in ihrem Leben für Religion und geistliche Dinge. Möglicherweise bekennen sie sich auch, zumindest mit Worten, zur Existenz von übernatürlichen Dingen, aber ihr grundlegendes Festhalten am Naturalismus äußert sich letztlich in ihren Zweifeln gegenüber dem klaren Wort der Torah, dass der Gott Israels der alleinige, persönliche und bewusste Schöpfer des Universums ist. Trauriger weise muss man feststellen, dass die Menschen sich nicht immer dementsprechend verhalten.


Sie mögen behaupten, an die Bibel zu glauben, dennoch weisen sie das Konzept einer sechstägigen Schöpfung zurück, indem sie behaupten, dass diese Worte etwas anderes bedeuten als das, was uns die Torah offenbart, bzw. dass man es im übertragenen Sinne verstehen muss. Einige sagen, dass die Ereignisreihenfolge in den sechs Tagen der Schöpfung symbolisch zu verstehen ist, bzw. das es irgendeine Art des Lobpreises für Elohim als Schöpfer des Universums ist. Das Problem bei dieser Sichtweise ist, dass Gott selbst dabei eigentlich gar nicht beteiligt ist. Im zweiten Buch der Torah verordnet Yahwe dem Volk Israel den Shabbat als Zeichen und Symbol, dass er die Welt in 6 Tagen erschaffen hat (siehe 2. Moshe 31:17).

Andere Menschen wiederum versuchen, an der Hingabe gegenüber der Bibel grundsätzlich festzuhalten und dennoch Zweifel an der Schöpfung zu haben, indem sie sagen, dass der Schöpfungsbericht auf einer primitiven, nicht wissenschaftlich untermauerten Weltsicht basiert. Sie meinen, wann immer das erste Kapitel der Bibel geschrieben wurde, sich die Wahrheit der Schöpfung durch das begrenzte Verständnis der Menschen ausdrückte, die keinen Zugang hatten zu modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auf Grund dieser Tatsache drückten sie die Wahrheit nach ihren Möglichkeiten und dem begrenzten Verständnis über das Universum aus. Weil sie nicht das Wissen zukünftiger Generationen hatten, können wir nicht erwarten, dass sie diese Dinge mit exakten wissenschaftlichen Beschreibungen ausdrückten.

Ich muss zugeben, dass die Torah normalerweise keine wissenschaftlich korrekten Ausdrücke verwendet. Ich muss auch einräumen, dass sich die Art und Weise der Betrachtung der Zusammenhänge in dieser Welt seit den biblischen Zeiten bis jetzt sehr stark verändert hat. Diese Änderungen beeinflussen ganz erheblich, wie wir uns selbst verstehen und darstellen. Aber wenn es an den Punkt kommt, die Wahrheit zu erkennen einschließlich der Wahrheit über den Ursprung des Universums, dann ist die Frage entscheidend: Was ist unsere Basis?
Unter welchen Bedingungen sollten wir versuchen, die Bibel mit der Wissenschaft in Einklang zu bringen?


Wissenschaft ist ein von Menschen gemachter Versuch, die äußere Welt zu verstehen und zu erklären. Die Bibel hat den Anspruch, die Offenbarung des einen wahren Gottes zu sein. Die Wissenschaft hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, während neue Entdeckungen geschahen und neue Möglichkeiten der Betrachtungsweise und Auslegung der alten Entdeckungen geschaffen wurden. Die Bibel jedoch ist unveränderlich. Von daher muss die Frage erlaubt sein: Warum sollten wir die Bibel mit den Mitteln der Wissenschaft verteidigen müssen?

Es ist sicher nicht hilfreich, dass diese Diskussion oftmals eben nicht zwischen der Bibel und der Wissenschaft gesehen wurde, sondern eher auf der Tagesordnung der Menschen im Namen der Bibel oder der Wissenschaft stand. Aber für jene, die sich echt danach sehnen, die Beziehung zwischen der Bibel und der Wissenschaft zu verstehen, ist es sehr wichtig damit zu beginnen, das anzunehmen und zu akzeptieren, was diese beiden Seiten wirklich sind und was sie ausmachen. Die Bibel ist die Offenbarung Yahwes für das ganze Leben, für die ganze Schöpfung, einschließlich aller wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Wissenschaft für sich ist jedoch nur die Analyse von der Schöpfung Yahwes. Die Annahme, dass jene Menschen, die an die willkürliche Selbsterschaffung bzw. Evolution des Menschen glauben, nun dadurch auch einen größeren Einblick in den Ursprung und den Entwurf dieser Schöpfung haben, unabhängig von Gottes eigener Offenbarung, ist mehr als arrogant. Allerdings sind auch bibelkundige Gläubige nicht automatisch immun gegen diese Arroganz. Wir müssen wachsam sein, dass wir uns nicht verwirren lassen und nicht Gefahr laufen, das klare Wort der Bibel zu vermischen mit unseren eigenen Annahmen und Traditionen.


Es gibt ein allgemeines Missverständnis dahingehend, dass nur, weil die Bibel unter einer alten Kultur geschrieben wurde, sie weit von uns selbst entfernt wurde, und dass sie unserer Kultur und unserem Verständnis dadurch irgendwie unterlegen ist. Warum gehen wir davon aus, dass die kulturellen Unterschiede bezüglich der Kulturen den Wert der biblischen Überlieferungen schmälern? Wenn sich unsere Weltsicht im Gegensatz zu den damaligen Menschen wirklich verändert hat, sollte dies wirklich gleichzeitig auch bedeuten, dass die Offenbarung Yahwes gegenüber diesen Menschen damals deshalb ungenau ist? Könnte es vielleicht sein, dass anstelle der Kultur zu biblischen Zeiten, es vielmehr unsere heutige Kultur ist, welche die Wahrheit vernebelt, die Yahwe vor langer Zeit offenbarte?

Um eine wirklich wahrhaftige Diskussion über das Verhältnis zwischen der Bibel und der Wissenschaft zu führen, müssen wir kompromisslos sein gegenüber dem, was die Torah uns lehrt und wie sei es uns lehrt. Die Manipulation der Bibel, um sie irgendwie annehmbar und bequem zu machen für die Wissenschaft, macht sie machtlos und kraftlos, und man beraubt damit letztlich die Wissenschaft und die Wissenschaftler der wesentlichen Korrekturen, die sie eigentlich benötigen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 07 Jun 2010, 06:55

Korah
Für die Woche 12. Juni 2010 / 30 Sivan 5770
Torah: Bemidbar / 4. Moshe 16:1 - 18:32; 28:9-15
Haftarah: Jesaja 66:1-24; 1.Samuel 20:18-42

Richtige Perspektive

Und sie versammelten sich gegen Moshe und gegen Aaron und sagten zu ihnen: Genug mit euch! Denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig, und der HERR ist in ihrer Mitte. Warum erhebt ihr euch über die Versammlung des HERRN?"
(Bemidbar / 4. Moshe 16:3)


Der Torahabschnitt dieser Woche beinhaltet unter anderem den Aufruhr durch mehrere Schlüsselfiguren im Volk Israel gegen die Führung von Moshe und Aaron. Obwohl diese Gruppe ganz genau wusste, dass die Rollen von Moshe und Aaron von Gott her ganz klar definiert waren, bot Moshe den Aufrührern die Gelegenheit, auf Gott zu schauen, wie er einmal mehr ihre Führung bestätigt. Das war für die Aufrührer jedoch nicht annehmbar. Ihre Meinungen waren bereits festgelegt. Gott bestrafte sie deshalb hart, indem er den Erdboden veranlasste, sich zu öffnen und sie lebendig zu verschlingen (siehe 4. Moshe 16:32).

Diese Katastrophe brachte die ganze Gemeinde gegen Moshe und Aaron auf. Die Antwort Gottes sollte eigentlich die ganze Nation zerstören,
es sei denn, dass Moshe und Aaron sich für sie einsetzten. Gott gab nach, aber dennoch mussten mehr als 14.000 Menschen sterben. (siehe 4. Moshe 17:7 ff.)


Dies ist eines der vielen Beispiele in der Bibel, welches uns vor Augen führt, was geschieht, wenn wir uns rebellisch gegen Gott auflehnen. Diese Auflehnung zerstörte nicht nur das Leben der Rebellen selbst, sondern sie zerstörte auch deren Familien und es gab
weitere Tausende vermeidbare Todesfälle. Die Auflehnung gegen Gott ist nicht nur eine persönliche Sache; vielmehr bringt sie
Zerstörung weit über unser eigenes persönliches Leben hinaus.


Aber wie kamen die Aufrührer an den Punkt, an dem sie eine so deutliche Haltung gegen den Willen Gottes einnahmen?
Wie kommt es, dass sie die Ziele und Pläne Gottes für ihr Volk so missverstehen konnten? Als die Aufrührer die Einladung durch Moshe ablehnten, Gott die Möglichkeit zu geben, die Führung wieder neu zu bestätigen, sagten sie:


Wir kommen nicht hinauf! Ist es zu wenig, dass du uns aus einem Land, das von Milch und Honig überfließt, heraufgeführt hast, um uns in der Wüste sterben zu lassen? Willst du dich auch noch zum Herrscher über uns aufwerfen? Du hast uns keineswegs in ein Land gebracht, das von Milch und Honig überfließt, noch uns Äcker und Weinberge als Erbteil gegeben! Willst du diesen Leuten etwa die Augen ausstechen? Wir kommen nicht hinauf!“ (4. Moshe 16:12-14)

Diese Menschen hatten seit dem Verlassen Ägyptens gekämpft. Das ist nicht das einzige Mal, dass darauf verwiesen wurde, dass sie dort gut zu Essen hatten, und vielleicht war es ja auch so, aber das dürfte wohl nur der einzige positive Aspekt in ihrem Leben als Sklaven gewesen sein. Irgendwie führte die Härte des Lebens in der Wüste seit ihrer Befreiung aus Ägypten dazu, dass sie begannen zu vergessen, wie schrecklich ihre Leben eigentlich war, und warum sie Gott ernsthaft um Hilfe und Eingreifen angefleht hatten.

Das Leben in der Wüste war nicht leicht. Unabhängig von der Tatsache, dass sie immer wieder ohne Nahrung und/oder Wasser waren, hatten auch viele von ihnen ihr Leben gelassen und konnten nicht ins verheißene Land einziehen. Aber es waren nicht die Nöte und Entbehrungen
selbst, welche die Auflehnung in ihren Herzen beförderten; vielmehr war es die Art und Weise, wie sie auf diese Nöte reagierten.


Anstatt das Leben von der Perspektive Gottes her zu sehen, und die Dinge zu lernen und anzunehmen, die er versuchte ihnen
nahezubringen und zu lehren, ergaben sie sich vielmehr in ihrer Niedergeschlagenheit und Entmutigung. Ihre Mutlosigkeit verdrehte die Sichtweise ihrer Situation. Sie glaubten tatsächlich daran, dass Moshe und Aaron ihre Grenzen überschritten hätten, indem sie die Führung übernahmen. Ihr verdrehtes Verständnis der Situation lag an ihrem Beschluss, ihr Leben von einem Ort der Niedergeschlagenheit und Entmutigung aus zu sehen. Sie waren absolut davon überzeugt, dass Moshe und Aaron das Problem waren, und so waren sie nicht in der Lage zu erkennen, was Gott versuchte, sie zu lehren.


Viele von uns neigen dazu zu denken, dass wir mit unserer eigenen Sicht im Hinblick auf unser Leben und unsere Lebensumstände die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind. Wir erkennen nicht immer, welch entscheidende Auswirkungen es hat, in welcher Art und Weise wir auf die Umstände antworten.


Das bedeutet nicht, dass unsere Sichtweise grundsätzlich realitätsfern ist, oder dass das Leben keine objektive Bedeutung hat. Vielmehr
geht es darum, wie wir auf unsere Lebensumstände antworten. Das macht den entscheidenden Unterschied im Hinblick darauf, wie wir unser eigenes Leben sehen. Dabei geht es nicht nur darum, eine positive Lebenseinstellung zu haben, obwohl eine positive Einstellung natürlich auch hilfreich sein kann. Aber eine positive Lebenseinstellung kann uns nur bis zu einem bestimmten Punkt weiterbringen. Um eine rechte Sichtweise unseres Lebens auch im Angesicht von Nöten und Bedrängnissen zu haben, müssen wir die Perspektive und Sichtweise Gottes haben.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 13 Jun 2010, 21:25

Hukkat (Ordnung, Satzung)


Für die Woche 19. Juni 2010 / 7 Tammuz 5770

Torah: Bemidbar / 4. Moshe 19:1 - 22:1

Haftarah: Shoftim / Richter 11:1-33

Der Tod ist nicht unser Freund

Jeder, der einen Toten berührt, die Leiche eines Menschen, der gestorben ist, und sich nicht
entsündigt, hat die Wohnung des HERRN unrein gemacht; und diese Seele soll
ausgerottet werden aus Israel. Weil das Wasser der Reinigung nicht auf ihn
gesprengt wurde, ist er unrein; seine Unreinheit ist noch an ihm.
(Bemidbar / 4. Moshe 19:13)


Im Torahabschnitt dieser Woche lesen wir über das Ritual der Reinigung, das nach
dem Kontakt mit Toten notwendig ist, wie auch beim Tod von
Miriam, der Schwester von Moshe, und seines Bruders Aaron. Die Art und Weise, wie die Menschen im Laufe der
Geschichte mit dem Tod umgegangen sind, hat sich geändert. In der heutigen Zeit
baut sich mehr und mehr eine Offenheit gegenüber der Euthanasie auf. Bei dem Wort Euthanasie denkt man
gemeinhin an Sterbehilfe, wobei das Herbeiführen des Todes oder die Hilfe beim Sterben einer leidenden Person als eine bessere Wahl
angesehen wird, als das Zulassen des andauernden Leidens.


Aber ist die Tötung wirklich die bessere Option, als das Leben? Dies hängt unter anderem auch von der Frage
ab, was der Tod wirklich ist. Wenn man einige der Argumente für die Euthanasie hört, dann könnte man meinen, dass der Tod ein willkommener Freund für den Leidenden ist, oder dass der Tod nur einer von vielen natürlichen
Elementen des Lebens ist. Für diejenigen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ist er ein Türöffner für einen besseren Ort oder die lang ersehnte Befreiung von unserer Knechtschaft in unserem Fleisch. Während diese Erklärungen über den Tod natürlich nicht die einzigen sind, die dem wachsenden Zuspruch der Euthanasie Nahrung geben, wäre es gleichwohl für die Gesellschaft schwieriger, eine solche
Sache zu akzeptieren, wenn der Tod selbst in einem negativen Licht gesehen würde.


Aber gemäß der Bibel ist der Tod nun einmal negativ. Tod ist nicht natürlich. Er ist ein Aspekt des Fluches Gottes
über die Menschheit wegen der Rebellion bzw. des Sündenfalls unserer Urahnen (Siehe Bereshit / 1. Moshe 2:15, 17; vgl. 3:17-19).
Wir wurden geschaffen, um zu leben, nicht um zu sterben. Tod ist keine Lösung, sondern ein Problem - unser
größtes Problem. Er ist nicht unser Freund; er ist ein Feind - ein Feind, den
Gott vorgesehen hat zu zerstören (Siehe 1. Korinther 15:26).


Für diejenigen, die Gerechtigkeit vor Gott erlangt haben durch ihren Glauben an den Messias, stellt der Tod keine Bedrohung mehr dar. Selbst wenn uns das Leben übel mitspielt, kann der Tod nicht das letzte Wort haben. Die Kinder Gottes sind
Seiner Fürsorge über den Tod hinaus sicher und sehen dem Zustand
von unsterblichen Leibern bzw. der Wiederauferweckung entgegen.


Während wir also keinen Grund haben, den Tod zu fürchten, bleibt der Tod für die Gesamtheit
der Menschen weiterhin ein Spiegelbild des Missfallens Gottes gegenüber der Menschheit
bzw. deren Abfalls von Gott, und er wird auch weiterhin Teil unserer Notlage bleiben,
bis der Messias wiederkommt. Dann werden wir nicht etwa mit dem Tod versöhnt; sondern er wird zerstört.


Das Wort Euthanasie ist aus dem Griechischen abgeleitet, und bedeutet "guter/ schöner Tod", aber so etwas gibt es im Zusammenhang mit dem Tod nicht. Der Tod ist nicht gut, und er ist alles andere als schön. Der Versuch, ihn in
ein positives Licht zu rücken, lenkt unseren Blick weg vom eigentlichen Ziel des
Todes im Erfahrungshorizont des Menschen. Wenn die Menschen vorgeben, er sei ein willkommener Freund, obwohl er in Wirklichkeit
unser Feind ist, dann untergräbt dies den von Gott bestimmten Wert des Lebens.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 21 Jun 2010, 16:45

Balak
Für die Woche 26. Juni 2010 / 14 Tammuz 5770
Torah: Bemidbar / 4. Moshe 22:2 - 25:9
Haftarah: Micha 5:6 - 6:8

Lass dich nicht von Äußerlichkeiten täuschen

“Da kam Gott des Nachts zu Bileam und sprach zu ihm: Sind die Männer gekommen, dich zu rufen,
so mache dich auf und zieh mit ihnen; doch was ich dir sagen werde, das
sollst du tun. Da stand Bileam des Morgens auf und sattelte seine Eselin
und zog mit den Fürsten der Moabiter. Aber der Zorn Gottes ergrimmte,
dass er hinzog. Und der Engel des HERRN trat ihm in den Weg, dass er ihm
widerstünde. Er aber ritt auf seiner Eselin, und zwei Knechte waren mit
ihm.“ (Bemidbar / 4. Moshe 22:20-22)

Der Torahabschnitt dieser Woche enthält die Geschichte von Balak, dem König von Moab. Wir
lesen darin, wie er versuchte, einen Wahrsager mit Namen Bileam
dahingehend zu verpflichten, das Volk Israel zu verfluchen. Die
Menschen in Moab, einem Land am Ostufer des Toten Meeres im heutigen
Jordanien, waren in großer Angst vor Israel. So wandte sich König Balak
an BILEAM, und bat in dieser Weise um Hilfe.

Das Wechselspiel zwischen Gott und BILEAM ist etwas verwirrend. BILEAM sagte den Dienern
von Balak, dass er sich wieder melden würde um mitzuteilen, was Gott
ihm sagen würde. Er ging davon aus, dass der Gott Israels entweder
wirklich zu ihm sprechen würde, oder dass er bewusst einen falschen
Eindruck geben würde. Egal auf welche Weise, Gott würde zu ihm sprechen
um ihm mitzuteilen, genau das nicht zu tun, worum Balak ihn gebeten
hatte.

Als Balak hörte, dass BILEAM sich weigerte zu kommen,
sandte er ein weiteres Gefolge mit Versprechungen, dass ihm große Ehre
zuteil würde, als Versuch, ihn umzustimmen, damit er auf die Bitte des
Königs eingehen möge. BILEAM antwortete ihnen mit Worten, die
tatsächlich wie die Antwort eines wahren Gläubigen erscheinen:

"Bileam antwortete und sprach zu den Dienern Balaks: Wenn mir Balak sein Haus
voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort
des HERRN, meines Gottes, Kleines oder Großes zu tun." (Bemidbar / 4.
Moshe 22:18).

Als BILEAM Gott jedoch ein zweites Mal fragte,
sagte Gott ihm, er solle mit den Abgesandten von Balak mitgehen, doch
er möge nur das tun, was Gott ihm gesagt hatte. Also ging er. Dann
jedoch lesen wir, dass Gott zornig auf ihn war, weil er mitging. Was ist
hier los?

Der Schlüssel zu diesem scheinbaren Widerspruch in
den Anweisungen Gottes an BILEAM liegt in der Tatsache, dass, obwohl
Gott ihm das erste Mal deutlich gesagt hatte, nicht zu gehen, fragte er
nun erneut Gott, um sich Anweisungen zu holen. BILEAM wusste
eigentlich bereits den Willen Gottes in dieser Situation. Es bestand
eigentlich keine Notwendigkeit für eine weitere Anfrage. Dennoch
beharrte er darauf, und Gott sandte ihn in eine Richtung, die Gott
selbst eigentlich nicht gutheißen konnte.

Das mag seltsam erscheinen, aber genauso ist es? Wie oft hat Gott es auch in unserem
Leben zugelassen, dass wir Dinge tun, von denen wir eigentlich wussten,
dass sie falsch sind? Wie oft haben wir vielleicht gebetet und
wussten ganz klar, was Gottes Wille war, aber wir waren dennoch nicht
mit seiner Antwort zufrieden und beteten weiter, bis Gott es schließlich
zuließ, dass wir das tun, was wir wollten?

Einige mögen auf BILEAM schauen und denken, dass er doch eigentlich ein guter Kerl war,
der Gott treu nachfolgte. Ist er nicht einfach nur losgegangen, als Gott
sagte, er möge gehen? Und hat er nicht über Israel nur die Worte
ausgesprochen, die Gott ihm in den Mund gelegt hatte? Scheint er nicht
wirklich ein Mann zu sein, der von Gott gesegnet wurde? Nicht, wenn wir
alles im Zusammenhang betrachten, was die Thora über ihn berichtet.

Wir haben bereits festgestellt, dass Gott ihm zürne, weil er so handelte.
Später nach diesem Ereignis, verfiel Israel in die Unzucht mit den
Frauen der Moabiter, sie verehrten ihre Götzen, was in einer Plage
endete, die 24.000 Israeliten dahinraffte. Erst einige Kapitel später
erfahren wir, dass dies durch Bileam angestiftet worden war (Bemidbar /
4. Moshe 31:16).

Oftmals meinen wir vielleicht, dass die Beweise von Gottes Macht
und Gegenwart im Leben eines Menschen ein Indiz
für Gottes Segen bei dieser Person sind. Wir setzen die Gnade Gottes
und sein Eingreifen mit seiner Zustimmung gleich, auch wenn wir sehr
fragliche Dinge im Leben des betreffenden Menschen feststellen. Jeschua
selbst sagte, dass es Menschen geben wird, die Anzeichen von Gottes
Macht und Gegenwart haben, und zu denen er eines Tages sagen würde:
"Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! "
(Matth. 7:23). Nur weil Gott bestimmte Verhaltensweisen zulässt oder
jemanden gebraucht, bedeutet dies nicht unbedingt, dass es auch Sein
Wille ist.

Die entsprechende Haftarah (Prophetenlesung) macht
dies auch sehr schön deutlich. Ich schließe mit einem Auszug aus dieser
Lesung:

"Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König in
Moab, vorhatte und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete, von
Sittim an bis gen Gilgal; daran ihr ja merken solltet, wie der HERR euch
alles Gute getan hat. Womit soll ich den HERRN versöhnen, mich beugen
vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn
versöhnen? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an
unzähligen Strömen Öl? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine
Übertretung geben, meines Leibes Frucht für die Sünde meiner Seele? Es
ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem
Gott.“
(Micha 6:5-8 )



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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 27 Jun 2010, 21:08







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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 05 Jul 2010, 09:05

Mattott (Stämme) & Masei (Wegstrecken)
Für die Woche 10. Juli 2010 / 28 Tammuz 5770
Torah: Bemidbar / 4. Moshe 30:2 - 36:13
Haftarah: Jeremia 2:4-28, 3:4

Die Suche nach Authentizität

Und nun, was hast du mit dem Wege nach Ägypten zu schaffen, um die Wasser des
Sichor (Nil) zu trinken? Und was hast du mit dem Wege nach Assyrien zu
schaffen, um die Wasser des Stromes (Euphrat) zu trinken?“
(Jeremia
2:18)

Einige ernsthafte Studierende der Bibel sind eifrig dabei festzustellen,
was sie selbst als einen authentischen Ausdruck des biblischen Glaubens
bezeichnen. Während dies sicher über fast alle ernsthaften Gläubigen gesagt
werden könnte, sind etliche mehr als andere besorgt darüber, dass die verschiedenen Ausdrucksformen des Glaubens in der heutigen Zeit ihre Wurzeln nicht mehr allein in der Bibel, sondern im Heidentum haben. Diese Herangehensweise geht davon aus, dass wenn man herausfindet, dass ein Brauchtum aus einer heidnischen Quelle abgeleitet werden kann, dann sei es automatisch für Gläubige an Jeschua unangemessen und abzulehnen.

Das scheint auch das zu sein, was Gott durch Jeremia in der Haftarah dieser Woche
zum Ausdruck bringt. Das Volk Israel stand unter dem Gericht Gottes wegen vieler
Jahre der Auflehnung gegen Gott. Wegen des Scheiterns daran, eine Warnung nach der anderen zu hören, waren sie
am Rande von Zerstörung und Verbannung. Eine der Dinge, mit denen Jeremia damals konfrontiert wurde, war die Tatsache,
dass die Menschen anstatt umzukehren zu Gott, sich allesamt von Ihm abkehrten
und sich anderen Völkern und deren Bräuchen zuwandten. Anstatt zu akzeptieren, dass genau dies der
Hauptgrund für ihre Probleme war, gingen sie vielmehr davon aus, dass ihr Gott sie verstoßen hatte.

Ich habe den Eindruck, dass einige bei ihrer Suche nach Authentizität sich selbst als Nachfolger von Jeremia sehen. Unabhängig
davon, ob Gläubige einem schweren Schicksal gegenüberstehen oder nicht, so werden wir uns zumindest so
einschätzen, das wir ein Leben weit unter den Erwartungen Gottes führen. Der Grund dafür liegt, gemäß den
Argumenten derjenigen, die nach immer mehr Authentizität suchen, darin, dass
wir uns selbst von der Authentizität abgewendet und diese durch Praktiken und Lehren
aus anderen Ländern ersetzt haben, wodurch wir bei Gott in Ungnade gefallen sind.

Ich stimme zumindest teilweise mit dieser Sichtweise überein. Gott hat uns in der Bibel seine Wege offenbart, und wir selbst sind
nicht in der Lage, dies noch zu verbessern oder gar zu vervollkommnen. Aber die Hingabe und Verbindlichkeit gegenüber
dem Wort der Bibel ist nicht in jedem Fall gleichzusetzen mit dem so genannten Streben oder der Suche
nach Authentizität bzw. Glaubwürdigkeit. Ich sage bewusst "so genannten", weil es einige grundlegende falsche Auffassungen über eine solche Suche nach Authentizität gibt. Ich werde versuchen, auf zwei Aspekte in diesem Zusammenhang einzugehen.

Der erste Punkt ist, dass diese Suche nach Authentizität davon ausgeht, dass wenn es sich bei einer Sache herausstellt, dass
sie aus einer heidnischen oder gottlosen Quelle stammt, sie dann automatisch schlecht sein muss. Es gibt viele Sitten und Bräuche, die von Nachfolgern Gottes unbedingt zu vermeiden sind, aber sie sind eben deswegen falsch, weil Gott sagt, dass sie falsch sind, nicht einfach nur allein wegen ihres heidnischen Ursprunges. Wenn ich beweisen könnte, dass Bücher mit Seiten im Gegensatz zu den Schriftrollen von Heiden erfunden wären, sollten Gläubige sie dann meiden? Wie steht's mit dem Papiergeld? Oder was ist mit Sprachen außer Hebräisch? Das eigentliche Problem muss nicht zwangsläufig der Ursprung sein, sondern es hat etwas damit zu tun, wie Gott es sieht.

Die zweite falsche Auffassung in diesem Zusammenhang ist, dass die authentischen Sitten und Gebräuche leicht erkannt werden können. Diejenigen, die nach Authentizität suchen, scheinen davon auszugehen, dass die biblischen Schriften des Neuen Bundes genügend Informationen geben bezüglich der Sitten und Gebräuche, innerhalb derer unser Glaube seinen Ausdruck finden soll. Ich glaube wirklich, dass die ganze Bibel, einschließlich der hebräischen Schriften und den Büchern des Neuen Bundes uns mit allem versorgt, was wir für unseren Glauben benötigen, sowohl für unseren persönlichen Glauben, als auch für das Glaubensleben der Gemeinde. Allerdings wird uns kein komplettes Bild darüber vermittelt, wie die Gläubigen an Jeschua im ersten Jahrhundert ihren Glauben ganz konkret praktizierten. Vor allem hat Gott hat uns relativ wenige Anweisungen gegeben bezüglich der Formen und Liturgien in unseren Versammlungen einschließlich vieler anderer ganz praktischer Aspekte des Glaubenslebens.

Damit will ich nicht andeuten, dass Gott etwa nichts zu sagen hätte über unsere Sitten, Gebräuche und Glaubenspraktiken. Die Bibel ist auf vielen Gebieten klar und eindeutig, aber wir sollten uns davor hüten, Gott bestimmte Worte in den Mund zu legen und sie als Dogma hinzustellen, die Gott selbst nie gesagt oder eingesetzt hat.

Ich stimme mit denjenigen, die nach Authentizität streben, zumindest dahingehend überein, dass es uns guttun würde, noch mehr bibeltreu zu sein und unser Glaubensleben sowie unseren Alltag danach auszurichten. Jedoch um noch mehr bibeltreu zu sein, müssen wir die Bibel sorgfältig und eifrig studieren und uns dabei auf die Führung und Leitung des Geistes Gottes einlassen, weil wir Ihm dadurch die Möglichkeit geben, uns Seinen Willen zu offenbaren. Wenn wir das tun, sind wir weitaus besser ausgerüstet und in der Lage, den Unterschied zwischen göttlichen und gottlosen Sitten und Gebräuchen zu erkennen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 11 Jul 2010, 14:43

Devarim (Worte)
Für die Woche 17. Juli 2010 / 6 Av 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 1:1 - 3:22
Haftarah: Jesaja 1:1-27

Die Torah ist gut für dich

"Und es geschah im vierzigsten Jahre, im elften Monat, am Ersten des Monats, da redete Mose zu den Kindern Israel nach allem, was Jahwe ihm an sie geboten hatte.“ (Devarim / 5. Moshe 1:3)

In den Messianischen Schriften des Neuen Bundes lesen wir:

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, (o. Belehrung) zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt“.(2. Tim. 3:16- 17)

Als Sha-ul diese Worte schrieb, "Alle Schrift" bezog er sich auf den Tenach, das ist der hebräische Name für das so genannte Alte Testament. Tenach ist ein Akronym für die Torah (die fünf Bücher von Moshe), Nevi'im (die Propheten), und K'tuvim (die Schriften).
Während dieser Hinweis natürlich auch auf die messianischen Schriften des Neuen Bundes auszuweiten ist, hatte Sha-ul damals sehr wahrscheinlich nur den Tenach im Blick, weil die Schriften des Neuen Bundes nur auf einer sehr frühen Stufe ihrer Entwicklung und
Zusammenstellung waren.

Gemäß Sha-ul ist der Tenach nicht nur in vollem Umfang von Gott inspiriert, sondern er ist für die Nachfolger von Jeschua auf dem Glaubensweg und in der Nachfolge auch gewinn- und nutzbringend. Die Schriften des so genannten Alten Bundes sollen
nicht wie ein Reliquienschrein behandelt werden, der nur außergewöhnliche Ereignisse in der Geschichte
beschreibt, und in dem wir nur lesen, um Erinnerungen auszulösen und nostalgische Gefühle hervorzurufen. Der Tenach ist für die Kinder Gottes auch heute auf jeden Fall gewinnbringend. Und man bedenke, dass Sha-ul hier nicht von einigen Schriften oder biblischen Büchern spricht, sondern er schreibt: „Alle Schrift der Bibel“. Der ganze Tenach ist gewinnbringend, nicht nur Teile davon.

Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Vers für jede einzelne Person in jeder konkreten Situation wichtig oder bedeutsam ist. So sind
zum Beispiel Verse, die exklusiv für Frauen gelten, für Männer natürlich nicht bedeutsam. Die Anweisungen Gottes, die Kanaaniter zu vernichten, gelten heute für uns nicht, selbst wenn Sie zufällig einem begegnen sollten. Jeder Teil der Bibel muss nicht nur isoliert
in seinem unmittelbaren Zusammenhang, sondern auch innerhalb des Gesamtzusammenhangs mit dem Rest der Bibel verstanden werden. Die Beschreibungen und Regelungen zum sehr vielschichtigen Opfersystem sind zum Beispiel auf vielerlei Weise bedeutungsvoll, auch wenn das
Opfersystem in dieser Form nicht mehr in Kraft ist. Anweisungen für die Könige waren zur Zeit der damaligen israelitischen Könige spezifisch, dennoch finden wir auch hier Aspekte, die für Führer oder Leiter im Allgemeinen aufschlussreich und wichtig sind.

Es gibt bestimmte Hinweise in den Messianischen Schriften des Neuen Bundes, die im ersten Moment sehr negativ klingen
bezüglich der Moshe-Bücher im Tenach. Aber diese Schriftstellen betreffen weniger spezielle Details der Torah, als vielmehr die Instrumentalisierung der Torah. Das strenge, verbissene Festhalten an der Torah und deren Instrumentalisierung durch die damaligen
religiösen Führer war als Grundlage für das Erlangen der Gerechtigkeit vor Gott so nie beabsichtigt. Dies wird nur durch den Glauben an den Messias vollbracht. Das galt auch für diejenigen, die vor der Ankunft von Jeschua lebten, denn auch hier war ihr Glaube die Bestimmung Gottes zur Erlösung und Rettung durch Ihn.

Verwirrung entsteht mitunter dadurch, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt, wie man die Torah verstehen und auslegen kann. Torah in einem allgemeinen Sinn bedeutet Gottes Lehre oder Wegweisung. Für das Volk Israel war das verknüpft mit dem
Bund, der am Berg Sinai durch Moshe geschlossen wurde, einschließlich der fünf Moshebücher, die durch Ihn inspiriert sind. Während der Zeit zwischen Moshe und dem Kommen von Jeschua war die Torah mit dem Sinai-Bund gleichbedeutend und eng damit verbunden. Aber tatsächlich sind sie nicht ein und dieselbe Sache. Als der Neue Bund durch Jeremia prophezeit wurde, lesen wir, dass während das Volk Israel den Sinai-Bund gebrochen hatte, Gott seine Torah in ihre Herzen schreiben würde. Der Neue Bund ist kein verinnerlichter Sinai-Bund. Er
schließt auch eine verinnerlichte Torah ein, was bedeutet, dass die Wegweisung Gottes für das Leben der Gläubigen nicht allein durch das geschieht, was äußerlich auf steinernen Tafeln steht. Stattdessen entspringt diese Wegweisung und Führung Gottes aus einer neuen
inneren Natur auf der Basis der Vergebung Sünden.


Jeremia 31:31-33: Siehe, Tage kommen, spricht Jahwe, da ich mit dem Hause
Israel und mit dem Hause Judah einen neuen Bund machen werde: nicht wie
der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, da ich sie bei der
Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund
sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht Jahwe.
Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen
Tagen, spricht Jahwe: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es
auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein“.


Seitdem für Anhänger von Jeschua die Torah zu einer innere Realität und zu einer Sache des Herzens geworden ist, bleibt die Frage, welche Bedeutung die Details der Torah für uns heute haben. Es gibt nirgendwo in der Bibel einen Hinweis darauf, dass der Glaube ganz automatisch und ohne Dazutun in ein göttliches Leben mündet. Dies geschieht vielmehr durch das Studium der kompletten Bibel und des gleichzeitigen
Vertrauens auf den Geist Gottes, damit wir erkennen, was Gottes Wille für unser Leben heute ist. Wenn wir uns darauf einlassen, dann werden wir das erfahren, was ich bereits erwähnt habe, nämlich dass bestimmte Anweisungen im messianischen Zeitalter nicht oder nicht mehr direkt Anwendung finden. Andererseits gibt es viele Anweisungen, die ewig gültig sind, wie etwa nicht zu morden, nicht zu stehlen bis hin zur Sicherheit beim Bau eines Hauses (siehe Devarim / 5. Moshe 22:8 ) oder ein faires Geschäftsgebaren (Devarim / 5. Moshe 25:15).
Wie man bestimmt, was für heute gilt, und vor allem wie es gilt, ist nicht immer ganz einfach, aber es ist ein großer Segen, sich intensiv mit dem niedergeschriebenen Wort Gottes zu befassen, um Seine Wege und Seinen Willen zu erkennen, insbesondere dann, wenn unser
Herz Freude daran hat, den Willen Gottes zu tun.

Natürlich enthalten weite Teile sowohl des Alten wie auch des Neuen Testamentes der Bibel nicht nur Anweisungen. Wir finden auch Geschichten, Lieder, Prophetien usw. Auch wenn nicht alles uneingeschränkt für uns heute relevant ist, so hilft es uns doch
alles, Gott besser kennen zu lernen. So können wir fest davon überzeugt sein, dass das nachfolgende Wort aus den Psalmen heute ebenso wahr ist wie damals, als es niedergeschrieben wurde:

„Dein Wort ist Leuchte meinem Fuße und Licht für meinen Pfad“.(Tehillim / Psalmen 119:105)

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 19 Jul 2010, 09:31

Va-Ethannan (Und ich flehte)
Für die Woche 24. Juli 24, 2010 / 13 Av 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe3:23 - 7:11
Haftarah: Jesaja40:1-26

Der Meinungsstreit um die Torah

“Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf dass ihr bewahren möget die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch gebiete“. (Devarim / 5. Moshe 4:2)

Die Missverständnisse im Zusammenhang mit der Torah unter den Gläubigen des Neuen Bundes resultieren teilweise aus einem Mangel an Bewusstsein über die Hintergründe und Probleme, mit denen die Schreiber der Messianischen Schriften zu tun hatten. Die Gläubigen des Neuen Bundes, insbesondere auf Seiten der Protestanten, sehen die Torah mit den Augen der Kontroverse, die auf dem Gebiet der Heilslehre im Mittelalter entstand. In jenen Tagen setzte sich die Denkweise fest, dass man, um von Gott angenommen zu werden, eine bestimmte Zahl von Werken oder Verdiensten vorweisen müsse. Die Heilslehre des Neuen Bundes, dass der Glaube an den Tod und die Auferstehung von Jeschua ausreichend war für das Heil, schien verloren gegangen zu sein. Offensichtlich waren viele der Glaubensbekenntnisse und theologischen Lehren in der Reformationszeit eine Antwort auf diese und andere unbiblische Lehren.

Wenn wir uns die Hinweise auf die Torah in den Messianischen Schriften (Neues Testament) anschauen, dann scheint es dort sehr klare Aussagen gegen eine Annäherung an Gott im Zusammenhang mit der Ansammlung von Werken oder Verdiensten zu geben. Beim Lesen dieser Schriftstellen ist man fast geneigt zu denken, dass die Schreiber der Messianischen Schriften ganz bewusst und direkt das mittelalterliche Denken kritisieren. Die biblische Gegenüberstellung von der Rechtfertigung durch Werke gegenüber der Rechtfertigung durch den Glauben ist sicherlich der Auslöser für diese Diskussion. Wenn ich diesen Aspekt der Reformation richtig verstehe, war das vorherrschende Denken zu jener Zeit, dass ein Mensch zwar Teil der Familie Gottes durch den Glauben an den Messias war, um aber vollständig von Gott angenommen zu sein, benötigte er moralische und religiöse Werke. Die Reformatoren haben zu Recht auf Grundlage der Schrift darauf hingewiesen, dass
die Annahme durch Gott niemals auf der Grundlage unserer eigenen Anstrengungen und Werke erreicht werden kann, sondern einzig und allein auf der Grundlage des Erlösungswerkes des Messias.

Die Aussagen über die Torah in der Apostelgeschichte, in den Briefen von Sha-ul und im Brief der Hebräer zeigen deutlich, dass die Gerechtigkeit vor Gott allein durch den Glauben geschieht. Was zu den bekannten Missverständnissen beigetragen hat ist die Tatsache, dass diese Aussagen nicht bei der Frage nach der Ansammlung von Werken und Verdiensten herangezogen und berücksichtigt wurden. Es ist heute üblich, den Menschen zu erklären, dass wir aus uns heraus nicht gut genug sind, um von Gott angenommen zu werden. Wir erklären, dass die Thora Gottes Anspruch ist, um gleichzeitig aufzuzeigen, dass alle Menschen nicht in der Lage sind, diesen Anspruch zu erfüllen. Als Folge davon stehen wir alle unter dem Gericht Gottes und können nur durch den Glauben an den Messias Vergebung empfangen. All dies ist wahr. Aber die Erkenntnis unseres eigenen Versagens, dem Anspruch der Torah gemäß zu leben, ist nur ein Aspekt der Torah. Die meisten
kritischen Aussagen bezüglich der Torah in den Schriften des Neuen Bundes beschäftigen sich nicht mit diesem Problem. Den Anhängern der Thora im ersten Jahrhundert - ebenso wie vielen in den jüdischen Kreisen heute – ging es nicht darum, gut genug zu sein, um von Gott angenommen zu werden.

Diejenigen, welche die Torah auf nichtjüdische Anhänger von Jeschua übertragen wollten, taten dies nicht mit dem Hintergedanken, dass diese Heiden dadurch gut genug würden. Sie gingen vielmehr davon aus, dass die Verinnerlichung und Befolgung der Torah selbst es war, die Gottes Annahme herbeiführen sollte.

Diejenigen, die nichts mit diesem Konzept anfangen können, sollten sich vielleicht jetzt eine Pause gönnen und tief durchatmen. An den Stellen, wo die Schreiber der Messianischen Schriften des Neuen Bundes sich mit der Torah befassen, konfrontierten sie die Menschen ihrer damaligen Zeit mit der falschen Vorstellung, dass ein Leben gemäß der Torah der Schlüssel zur Annahme und Gemeinschaft mit Gott sei. Das Geschenk dieser Offenbarung Gottes an das jüdische Volk wurde fast zu einem Kult. Anstatt zum Volk Gottes wurden die Menschen zum Volk der Thora.

Es ist wahr, dass dies nicht der einzige Aspekt im Zusammenhang mit der Torah ist, der von den Schreibern der Messianischen Schriften angesprochen wird. Nach Jeremias Prophezeiung (Jeremia 31:31-33), gibt es signifikante Unterschiede zwischen dem Alten und dem Neuen Bund. Einer dieser Unterschiede ist die Verinnerlichung der Tora (…ich will meine Torah in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben…), und eben nicht die komplette Abschaffung der Thora. Jede Lehre, die zum Inhalt hat, dass man die Thora komplett beiseite legen solle, ist ein Missverständnis dessen, was die Schreiber der messianischen Schriften meinten. Man beachte, dass damit nicht gesagt ist, dass die Torah immer noch als Sinai-Bund besteht. Das wird mehr als deutlich, sowohl beim Propheten Jeremia, als auch bei den Büchern der Schreiber des Neuen Bundes.


Die Torah ist Gottes Wegweisung und Lehre für unser Leben. Sie ist die Offenbarung Gottes sowie die Offenbarung dessen, wie wir mit Ihm Verbindung aufnehmen und Gemeinschaft mit ihm haben können. Aber es ist nicht unser eigenes Verständnis oder unsere eigene Erkenntnis und Umsetzung der Torah, die uns in die rechte Beziehung zu Gott stellt. Das geschieht nur durch den Glauben und das Vertrauen in seinen Sohn, Jeschua. Wenn wir Ihm ganz vertrauen, werden wir auch einen Hunger haben nach seinem Wort – nach Seiner Torah – als Orientierung für unser Leben.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 25 Jul 2010, 06:47

Ekev – weil (als Folge von)
Für die Woche 31. Juli 2010 / 20 Av 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 7:12 - 11:25
Haftarah: Jesaja 49:14 - 51:3


Dies ist eine Prüfung

Und du sollst gedenken des ganzen Weges, den
Jahwe, dein Gott, dich hat wandern lassen diese vierzig Jahre in der Wüste, um
dich zu demütigen, um dich zu versuchen, um zu erkennen, was in deinem Herzen
ist, ob du seine Gebote beobachten würdest oder nicht. Und er demütigte dich und
ließ dich hungern; und er speiste dich mit dem Manna, das du nicht kanntest und
das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot
allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Munde Jahwes
hervorgeht.“
(Devarim / 5. Moshe 8: 2-3)



Sicher kennen sie das Wunder des Messias, das allgemein bekannt ist als die Speisung der 5000 oder 4000. Was Ihnen jedoch vielleicht nicht bewusst sein dürfte, ist die Tatsache, welche Verbindungen dieses Wunder mit unserem Vers bzw. mit dem Bibelabschnitt
hat. Jeschua nahm Bezug auf das Manna, nicht lange nach dem Wunder, aber
es gibt noch mehr dazu zu sagen. Die Verbindung zu unserem Torahabschnitt findet
sich in einer eigentümlichen Frage, die Jeschua im Zusammenhang mit dem Wunder an einen seiner Jünger richtet.


Eine große Menge hatte sich versammelt, aber sie hatten nichts zu essen. So fragte
Jeschua seinen Jünger, Phillipus: Als nun Jeschua die Augen
aufhob und sah, dass eine große Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu
Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, auf dass diese essen?“

(Johannes 6:5). Eigentlich eine ziemlich normale Frage, bis wir den nächsten
Vers unmittelbar im Anschluss lesen. Dort heißt es: „Dies sagte er aber, ihn
zu prüfen, denn er selbst wusste, was er tun wollte.“
(Johannes 6:6).


Ihn prüfen? Welche Art von Test oder Prüfung ist das? Er prüfte
doch nicht seine Kenntnisse über Lebensmittelgeschäfte oder Fastfoodketten in der Region. Er und seine
Apostel wussten ohnehin, dass dort in diesem Gebiet nirgends Essen zu kaufen war, ganz zu schweigen davon, dass man
nicht genug Geld dafür hatte. Es wird im weiteren Verlauf klar, dass es von
Seiten der Jünger keine Vorahnung oder Erwartung gab, dass es ein Wunder geben
könnte. Und doch heißt es bei Johannes, dass die Frage von Jeschua eine Prüfung war.


Die Parallelen zwischen dieser Situation und dem Vers aus unserem Torahabschnitt sind
offensichtlich und bemerkenswert. In beiden Fällen wurden die Menschen von Gott absichtlich in eine Situation
geführt, wo sie keine Nahrung hatten. Jeschua wie auch Moshe hatten eine große
Volksmenge, die ihnen folgten. In beiden Fällen gab es eine akute Versorgungssituation. Bei Moshe heißt es, dass Gott die Menschen in die Wüste führte, um sie zu prüfen und herauszufinden, was in ihrem Herzen war. Der Zweck dieser Art
von Prüfung demonstriert die Qualität bzw. Bedeutung der zu prüfenden Sache.
Wenn unsere Herzen geprüft werden, dann wird offenbar, wie wir wirklich sind, und wo wir wirklich stehen, was
unsere Beziehung zu Gott angeht.


Genau wie das Volk Israel prüfte Jeschua auch seinen Jünger Phillipus in der Wüste. Das Herz
von Phillipus wurde vom Messias geprüft. Zu diesem Zeitpunkt hatte Phillipus,
wie auch die Volksmenge, bereits die Macht Gottes durch die Hand von Jeschua gesehen. Aber war Phillipus deshalb
wirklich schon an dem Punkt, Jeschua zu erkennen, wer er wirklich war? Offensichtlich nicht.


Sie könnten nun zur Verteidigung von Phillipus sagen; heute sind wir schlauer. Er konnte ja damals nicht wissen, was
Jeschua vorhatte. Und doch scheint es, dass Jeschua davon ausging, dass Phillipus ihm vertraute. Wenn Gott wirklich
real ist, würde Er uns jemals in Situationen führen, wo Er uns nicht bewahren
und versorgen könnte? Ist das nicht eine der wichtigsten Lektionen aus der
Versorgung mit dem Manna? Hatte Jeschua das nicht bereits oft genug demonstriert? Also warum sollten wir wie Philippus hier zu Jeschua sagen, was man aus eigener Kraft bzw. mit eigenen Mitteln nicht tun konnte? Sollte
die Tatsache, Ihn zu kennen und mit Ihm zu leben nicht eigentlich einen festen, fundierten Glauben bewirken?


Meine Sympathie für Phillipus in dieser Situation offenbart den Zustand meines eigenen Herzens. Wenn ich schwierigen Problemen gegenüberstehe, denke ich, wie Phillipus, zuerst an meinen eigenen Mangel, an meine eigene Unfähigkeit, das Problem zu
lösen. Ich verfalle leicht der Sorge und werde überwältigt von schwierigen Situationen.
Aber für diejenigen die Gott wirklich kennen, ist da Angst und Verzagtheit jemals eine passende Antwort gewesen? Mein
Herz ist geprüft worden, und es hat sich herausgestellt, dass ich auf diesem
Gebiet immer noch Mangel in mir habe.


Aber gottlob ist das nicht das Ende oder das letzte Wort. Gott weiß um unseren Mangel an Glauben, viel
besser als wir selbst. Er prüft uns, um uns zu veranlassen und zu motivieren,
den Tatsachen ins Auge zu sehen. Nur wenn wir bereit sind, ehrlich zu sein, was den Zustand unseres
Herzens und unseres Leben betrifft, können wir auch zu den Menschen werden, die
Er sich vorstellt und zu denen Er uns berufen hat.


Sowohl durch Moshe als auch durch Jeschua lehrt Gott uns, dass wir den Schwerpunkt nicht allein auf
unsere menschlichen Bedürfnisse und die Probleme des Alltags konzentrieren, ("Der
Mensch lebt nicht vom Brot allein…
“), sondern stattdessen darauf achten,
was er uns sagt ("sondern dass der Mensch von allem lebt, was
aus dem Munde Jahwes hervorgeht“
). Weil er uns prüft, haben wir die Möglichkeit, diese Lektion in unserem Leben zu lernen.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 02 Aug 2010, 16:55

Re'eh (Siehe)
Für die Woche 7.
August 2010 / 27 Av 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 11:26 - 16:17
Haftarah: Jesaja 54:11 - 55:5

Falsche Logik


Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, darum dass er euch von dem HERRN, eurem
Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich von dem Diensthause erlöst hat,
abzufallen gelehrt und dich aus dem Wege verführt hat, den der HERR, dein Gott,
geboten hat, darin zu wandeln, auf dass du das Böse von dir tust.“
(Devarim / 5. Moshe
13:6)


Meine erste Begegnung mit diesem Vers hatte ich vor vielen Jahren, kurz nachdem ich zum Glauben an Jeschua kam. Es geschah im Rahmen eines Gespräches mit einem so genannten ultra-orthodoxen Juden. In seinem Versuch, mich wieder von meinem Glauben abzubringen, hatte er mir diesen Vers vorgelesen. Er behauptete, dass Jeschua wegen seiner Hinrichtung offensichtlich ein falscher Prophet gewesen sein musste. Ich hatte zur damaligen Zeit nicht genug Wissen, um die Gegenfrage über andere wahre Propheten Gottes an ihn zu richten, die auch hingerichtet wurden. Unabhängig davon
war seine Logik einfach falsch.

Er behauptete, weil Jeschua die Folgen für einen falschen Propheten am eigenen Leib erfahren hatte, müsste er deshalb auch ein falscher Prophet gewesen sein. Natürlich war es nicht Jeschuas Tod an sich, mit der er sich in seinen Augen für die
Messianität disqualifizierte. Er hatte Jeschua aus ganz anderen Gründen zurückgewiesen. Soweit es ihn betraf,
war die Hinrichtung von Jeschua deshalb gerechtfertigt, weil er ein falscher Prophet war. Er hoffte wohl, seine falsche Logik würde mich beeindrucken. Dies geschah jedoch nicht.

Wir wissen, dass gemäß Psalm 22, Jesaja 53 und Sacharja 12 der Messias dazu bestimmt war, zu sterben. Das popularisierte Verständnis des Messias in der jüdischen Tradition, bei dem es ausschließlich um seinen siegreichen Triumph über das Böse und den Tod geht, berücksichtigt nicht das komplette Bild, das uns im Tenach (hebräische Bibel) gezeigt wird. Der Tod des Messias und seine Auferstehung am dritten Tag sind Schlüsselkomponenten seines Sieges für Israel und die ganze Welt.


Die Mangelhaftigkeit dieser falschen Logik, die mir damals präsentiert wurde, scheint vielleicht offensichtlich zu sein, wenn ich diese Geschichte erzähle, aber Fakt ist, dass diese Art von Denken weit mehr verbreitet ist, als wir uns das vielleicht
vorstellen können. Kenner der Bibel wissen, dass das Leben nicht eine sinnlose Ansammlung von zufälligen Umständen ist. Die Heilige Schriften lehrt uns, dass Gott das Leben lenkt und leitet – sowohl was den großen Plan der Dinge angeht, als auch die
ganz kleinen Details. Es gibt viele Theorien darüber, wie dieses Zusammenspiel funktioniert, und manchmal habe ich
das Gefühl, dass die Bibel gar nicht so viel dazu erklärt, aber trotzdem funktioniert es: Gott ist ganz eng in die Umstände
und Bedingungen unseres Lebens involviert.

Eigentlich ist es ganz einfach, diejenigen, die wirklich und wahrhaftig Gott und Seinen Wegen folgen, werden gesegnet sein, und diejenigen, die dies nicht tun, werden verflucht. Doch in welcher Weise dies tatsächlich funktioniert, darf
nicht falsch verstanden werden. Der Tod von Jeschua war kein Nachweis dafür, dass er kein wahrer Prophet Gottes wäre. Genauso können wir auch nicht aus dem augenblicklichen Zustand einer Person auf die Qualität seiner Beziehung zu Gott schließen, nur allein basierend auf seinen gegenwärtigen Lebensumständen.


Hiobs Freunde (siehe das Buch Hiob) hatten auch eine falsche Logik. Seit Hiob verflucht zu sein schien,
gingen sie zu Unrecht davon aus, dass er Gott sehr stark erzürnt haben müsste. Sie hätten damit nicht falscher liegen können. Der Grund für Hiobs Leiden war seine Gerechtigkeit, nicht seine Schuld. Die Auswirkung von Gottes Segen in Hiobs
Leben sollte erst langfristig sichtbar werden. Kurzfristig betrachtet hatten die Lebensumstände von Hiob keinerlei
Aussagekraft.


Was Jeschua zum Messias machte, war die Realität seines gesamten Lebens, und nicht der Zustand seiner
Lebensumstände zu einem bestimmten Zeitpunkt. Was macht einen falschen Propheten zu einem falschen Propheten? Es
ist seine Lehre und nicht seine Umstände.


Ergänzend ist zu sagen, dass jemand nicht von Gott abgefallen ist wegen der gegenwärtigen Lebensumstände,
genauso wie wir nicht darauf schließen können, dass äußerer Segen wie zum Beispiel Wohlstand irgendwie eine Rechtfertigung für ansonsten gottloses Verhalten ist.


Dies gilt nicht nur im Hinblick auf das Leben anderer, sondern auch hinsichtlich unseres eigenen Lebens. Während Gott
schwierige Lebensumstände dazu benutzen mag, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen oder uns eine bestimmte Lektion zu
lehren, sollten wir uns nicht mit einer falschen Logik falsche Bilder über uns selbst und unser Leben erschaffen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 09 Aug 2010, 11:11

Shofetim (Richter)
Für die Woche 14. August 2010 / 4 Elul 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 16:18 - 21:9
Haftarah: Jesaja 51:12 - 52:12

Wer bist du?

„Ich, ich bin euer Tröster. Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen und vergisst des HERRN, der dich gemacht hat, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet? Du aber fürchtest dich den ganzen Tag vor dem Grimm des Wüterichs, wenn er sich vornimmt zu verderben. Wo bleibt nun der Grimm des Wüterichs? Der Gefangene wird eilends losgegeben, dass er nicht hinsterbe zur Grube, auch keinen Mangel an Brot habe.“ (Jesaja 51:12-14)

Vor ein paar Monaten begann ein neuer Abschnitt in meinem geistlichen Leben. Es fing damit an, dass ich durch Jeschuas Worte in einer Synagoge stark angesprochen wurde. Jeschua befand sich in dieser Geschichte auf dem Weg, um die Tochter des Jairus zu heilen, aber sie starb, bevor er ankam. Als die traurige Botschaft bekannt gemacht wurde, sagte Jeschua zu ihm: "Fürchte dich nicht, glaube nur!" (Markus 5:36). Es hat mich überrascht zu lesen, dass das Haupthindernis für den Glauben und die Wiederherstellung Furcht war, und nicht etwa der Zweifel.

Furcht ist eine allgemeine, natürliche, menschliche Emotion, die auch mir persönlich sehr vertraut ist. Ich weiß, dass dies als Gläubiger im Messias eigentlich unnötig und nicht angemessen ist, aber als ich die Furcht in diesem Zusammenhang hier sah, konnte ich sie in einem neuen Licht sehen, und es hat mir geholfen, mich noch effektiver als bisher mit diesem Thema zu befassen.

Die Haftarah- Lesung dieser Woche gibt uns auch einen ganz anderen Blickwinkel, als die unangemessene Art von Furcht im Leben des Volkes Gottes. Die Formulierung und der Wortlaut an dieser Stelle haben mich überrascht. Vielleicht geht es ja auch nur mir so, aber die Art und Weise, wie Gott uns hier mit dem Thema Furcht konfrontiert, habe ich so eigentlich nicht erwartet. Im Gesamtzusammenhang des Textabschnittes geht es darum, dass das Volk Israel Angst vor "dem Zorn der Unterdrücker" hatte. Wenn Gott das Volk Israel mit dem Thema Furcht konfrontiert, dann könnte man erwarten, dass er in etwa sagen würde: "Wer ist dieser Unterdrücker, dass ihr solche Furcht habt?" Er sagte jedoch: "Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen fürchtest?"

Das Vorhandensein von Furcht war in diesem Fall nicht so sehr darauf bezogen, wie bedrohlich der Feind war, sondern es ging hier in erster Linie um einen Mangel an gesundem Selbstbewusstsein. Sie reagierten auf ihre Situation in der Weise, als ob sie das Vertrauen in Gott aufgegeben hätten, und deshalb Grund zur Furcht hätten. Sie hatten vergessen, wer sie waren, nämlich Gottes Kinder.

Ein richtiges Verständnis von Gott ist wichtig, damit wir auch ein richtiges Verständnis für unsere Beziehung zu Gott bekommen. Es reicht nicht aus zu wissen, wie groß und mächtig Gott ist, wenn wir nicht gleichzeitig erkennen, was es für uns bedeutet, Seine Kinder zu sein.

Als Nachfolger des Messias, können wir die Sicherheit haben, dass er gegenwärtig ist, dass er uns liebt und dass er uns versorgt. Und dennoch stellen wir immer wieder an uns selbst fest, dass wir von Furcht befallen und eingeschüchtert sind, wenn wir mit schwierigen Menschen oder Situationen konfrontiert werden. In solchen Zeiten mögen wir ja durchaus gute Gründe finden, um unsere Furcht zu rechtfertigen. Wir fühlen uns vielleicht wirklich bedroht. Wir versuchen vielleicht auch, uns bewusst zu machen, dass Gott in der Lage ist einzugreifen, aber aus irgendeinem Grund haben wir immer noch Angst. Vielleicht liegt ein Grund dafür auch darin, dass wir es noch nicht wirklich akzeptiert und verinnerlicht haben, was es bedeutet, Gott zu gehören und mit Ihm zu leben. Wir haben vergessen, wer wir sind. Dazu heißt es in den messianischen Schriften des Neuen Bundes:

„Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Römer 8,15)

Diese Schriftstelle deutet an, dass das, was Gott durch den Messias für uns getan hat, zu einem grundlegenden Wandel in unserem Herzen geführt hat. Doch einige von uns sind immer noch von Furcht befallen. Wenn dem so ist, dann sollten wir innehalten und uns die gleiche Frage stellen, die Gott seinerzeit Israel stellte durch seinen Propheten Jesaja: "Wer bist du?" Wenn wir noch keine Kinder Gottes sind, dann können wir zu Gotteskindern werden durch Buße, Umkehr und den Glauben an Jeschua, den Messias. Und dann, sobald wir erkennen, dass wir wirklich Gottes Kinder sind, beginnt die Angst, die uns einst so ausgefüllt hat, zu verschwinden.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 16 Aug 2010, 17:46

Ki Teze (Wenn du ausziehst)
Für die Woche 21. August 2010 / 11 Elul
5770 Torah: Devarim / 5. Moshe 21:10 - 25:19
Haftarah: Jesaja
54:1-10

Der Messias unter dem Fluch

„Und wenn bei einem Mann eine Sünde geschieht, auf die das Todesurteil steht,
und er wird getötet und du hängst ihn an ein Holz, dann darf seine Leiche nicht
über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn unbedingt am selben Tag
begraben. Denn ein Gehenkter ist ein Fluch Gottes. So sollst du dein Land nicht
unrein machen, das der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt.“ (Devarim / 5. Moshe 21:22-23)

Ich habe bereits vor zwei Wochen Bezug genommen auf diese Verse, weil ich, wie erwähnt, bereits vor Jahren der falschen Meinung und
Schlussfolgerung begegnet bin, dass Jeschua, weil er an einem Holzpfahl aufgehängt wurde um zu
sterben, er verflucht und verstoßen sei, weswegen er nicht der Messias sein könne. Damals erklärte ich, dass wir den Zustand
eines Menschen in seiner Stellung zu Gott nicht an den gegebenen Umständen oder Situationen festmachen oder feststellen können.

Es gibt nur einen einzigen Zusammenhang, wodurch Jeschua zum Fluch wurde - nicht wegen eines Fehlverhaltens oder Sünde von seiner Seite, sondern weil Er unsere Sünde auf sich nahm. Als Träger unserer Sünde erlitt er die Strafe für unsere Verfehlungen durch sein Sterben, durch einen schmachvollen und qualvollen Tod an unserer Statt.

Dass Jeschua zum Fluch wurde, wird eindeutig in den messianischen Schriften des Neuen Bundes gesagt:

Sha-ul schreibt:
„Der Messias hat uns losgekauft von dem Fluch in der Torah, indem er ein Fluch für uns geworden ist - denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!“ (Galater 3:13)

Auch wenn Jeschua selbst diesen Fluch niemals verdient hat, nahm er ihn bereitwillig auf sich, damit wir frei sein können von dem Zorn
Gottes.

Jeschuas eigene Erfüllung der Torah ist bewiesen und bezeugt in seinem Tod. In der Torah heißt es, dass diejenigen, die auf diese Weise gehenkt wurden, nicht über Nacht an dem Holzpfahl bleiben, damit das Land nicht unrein würde. Der römische Brauch der Kreuzigung war
bekannt dafür, dass er manchmal Tage andauern konnte. Aber Jeschua starb schneller als erwartet. Die Berichte über
seinen Tod machen ganz klar deutlich, dass er sich willentlich dem Tod hingab, weil es Gottes Bestimmung und Vorsehung für ihn war (siehe Matthäus 27:50, Lukas 23:44-46, Johannes 19:28-30).

Dies ermöglichte es ihm auch, am gleichen Tag begraben zu werden, wie die Torah es vorschreibt. Er erfüllte vollständig die Torah, und das nicht nur durch das Festhalten an den moralischen und religiösen Vorschriften, sondern auch, was das Aufnehmen des Fluches betrifft.

Die Vorstellung, dass jemand die Strafe auf sich nimmt, die ein anderer verdient hätte, mag seltsam erscheinen, aber nicht aus Gottes
Perspektive. Die Torah demonstriert dieses Prinzip anschaulich durch das Opfer-System. Unzählige unschuldige Opfertiere wurden verflucht und mussten sterben wegen der Sünde des Volkes. So seltsam, brutal oder unfair dies auch erscheinen mag, es ist so. Gott hatte für seinen Sohn bestimmt, für uns zum Fluch zu werden. Der Fluch über diesen Einen ist eine klare Bekräftigung dieser Realität durch das Opfer.


Der Fluch über den Messias ist jedoch nicht das letzte Wort. Dazu lesen wir in Mishlei (Sprüche):
"Wie der Sperling hin und her flattert, wie die Schwalbe wegfliegt, so ein unverdienter Fluch: er trifft nicht ein." (Mishlei / Sprüche 26:2).

Falls irgendein Fluch jemals unbegründet war, dann war es auf jeden Fall der Fluch, den der Messias auf sich nahm. Von daher konnte dieser Fluch nicht auf ihm bleiben, der Tod wurde besiegt und Er ist vom Tod auferstanden. Dadurch haben diejenigen, die an Ihn glauben und Ihm ganz vertrauen, auch die Möglichkeit, die Auferstehung vom Tod zu erfahren am Ende dieser Tage.

(Anmerkung des Übersetzers:
Das verwendete Wort Fluch mag uns heute zu krass erscheinen. Das englische Wort „cursed“, das im Originaltext der Auslegung steht, kann man aber eigentlich
nur mit verflucht oder geflucht übersetzen, allenfalls noch mit verwünscht,
aber das würde es auch nicht treffen. Gleichwohl besteht natürlich immer
die Gefahr, dass bestimmte Begriffe durch Übersetzungs- oder Übertragungsfehler
im Laufe der Zeit auch in den biblischen Schriften verändert wurden. Beispiele
dafür gibt es viele.
Im Jüdischen Neuen Testament von Stern heißt es jedoch im Galaterbrief 3:13 - 14:
„Der Messias erlöste uns von dem Fluch, der in der Torah ausgesprochen ist,
indem er selbst unsretwegen verflucht wurde; denn die Tenach sagt: Jeder, der an
einem Pfahl hängt, gerät unter einen Fluch. Jeschua, der Messias, tat das,
damit die Heiden in der Vereinigung mit ihm den Segen hätten, der Avraham
verkündigt wurde.........“)


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 22 Aug 2010, 07:42

Ki Tavo (Wenn du kommst)
Für die Woche 28. August 2010 / 18 Elul 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 26:1 - 29:8
Haftarah: Jesaja 60:1-22

Das Fundament der Verheißungen

„Und du sollst zu dem Priester kommen, der in jenen Tagen sein wird, und zu ihm sagen: Ich tue heute Jahwe, deinem Gott, kund, dass ich in das Land gekommen bin, welches Jahwe unseren Vätern geschworen hat, uns zu geben.“ (Devarim / 5. Moshe 26:3)

Der Torahabschnitt dieser Woche beschreibt, welche Worte das Volk Israel sagen sollte, als sie einige ihrer Erstlingsfrüchte darbrachten. Die entsprechende Person sollte Israels Geschichte von Abraham bis zur Einnahme des Landes mit Worten wiedergeben. Bevor die Person die Gaben darbrachte, sollte er zu dem Priester sagen: "Ich tue heute Jahwe, deinem Gott, kund, dass ich in das Land gekommen bin, welches Jahwe unseren Vätern geschworen hat, uns zu geben.“ Auf diese Weise proklamierte die Person immer wieder, dass der Segen, den er erhalten hatte, im Wesentlichen die Erfüllung der Verheißung Gottes gegenüber seinem Volk war.

Das Leben der Israeliten im Land Israels beruhte auf einer Verheißung - einer Verheißung von Gott gegeben – einer Verheißung, die von Gott erfüllt wurde. Es geschah nicht auf Grund ihrer eigenen Fähigkeit, sondern auf der Grundlage der Macht Gottes. Das Gebot, diese Erklärung bei der Darbringung der Früchte ihrer mühevollen Arbeit abzugeben, sollte nicht nur irgendwelche stolzen und falschen Gedanken im Volk korrigieren, sondern das Volk sollte auch daran erinnert werden, dass Gott wahrhaftig zu Seinem Wort steht.

Die Zuverlässigkeit und Wahrhaftigkeit des Wortes Gottes ist eines der grundlegendsten Konzepte in der kompletten Bibel. Das Problem war, dass unsere Urahnen im Garten Eden aus dieser Ordnung mit Gott herausfielen. Die Schlange hatte Zweifel darüber geschürt, was Gott Adam und Eva gesagt hatte (siehe Bereshit / 1. Moshe 3:1). Später würde Gott den Menschen kundtun, dass ihr Leben ganz von dem abhing, was er ihnen sagte (siehe Devarim / 5. Moshe 8:3: „Auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht“). Und so war es für die Leute entscheidend, öffentlich und laut zu erklären und zu bezeugen, dass sie dort waren, wo sie waren, weil Gott seine Verheißung erfüllte.

Leider ist es so, dass wir allzu leicht vergessen, wie oft Gott seine Verheißungen an uns erfüllt hat. Wir empfangen Segen über Segen aus seiner Hand, und doch nehmen wir uns nicht immer die Zeit zu erklären, was er für uns getan hat. Wir mögen uns vielleicht zeitnah für Sein Handeln bedanken, oder auch nicht, aber wie sieht es einige Jahre später aus? Die Person in unserem Torahabschnitt kann unmöglich Teil der Generation gewesen sein, die das Land eingenommen hatte. Er lebte vielleicht viele Jahrhunderte später, und trotzdem sollte er erklären, dass sein gegenwärtiger Segen auf der Erfüllung der Verheißung Gottes in der Vergangenheit beruhte.

Die erfüllten Verheißungen der Vergangenheit sind das Fundament, auf das unser Leben aufbaut. Tatsächlich beruht der ganze Segen in der Welt darauf, dass Gott wahrhaftig zu Seinem Wort steht. Dadurch, dass einzelne Menschen, Familien und Gemeinden ihr Vertrauen in die Verheißungen Gottes gesetzt haben, wurde Seine Güte auf der ganzen Erde ausgebreitet. Wenn wir erklären und bezeugen, dass unser gegenwärtiger Segen auf der Erfüllung der Verheißungen Gottes in der Vergangenheit beruht, dann sehen wir das Leben so, wie es wirklich ist.

Wenn Gott nicht das getan hätte, was er in der Vergangenheit getan hat, dann würde es auch keine Gegenwart für uns geben, um darin zu leben. Unsere technologisch und materiell ausgerichtete Gesellschaft möchte dies natürlich nicht anerkennen. Man wirft die angeblich altmodischen, gestrigen Leistungen über Bord zugunsten der heutigen so genannten größten Errungenschaften. Nur wenn wir uns die Zeit nehmen, uns nicht nur daran zu erinnern, sondern dies auch in geeigneter Weise mit Worten zu erklären und zu bezeugen, dass unser Segen heute auf den erfüllten Verheißungen Gottes in der Vergangenheit beruht, werden wir auch wirklich verstehen, wie gesegnet wir eigentlich sind.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 29 Aug 2010, 09:02

Nizzavim (Dastehende) & Va-Yelekh (Und ging hin)
Für die Woche 4. September 2010 / 25 Elul 5770
Torah: Devarim / 5. Moshe 29:9 - 31:30
Haftarah: Jesaja 61:10 - 63:9

Das Verborgene bei Gott

„Das Verborgene steht bei dem HERRN, unserm Gott; aber das Offenbare gilt uns und unsern Kindern für ewig, damit wir alle Worte der Torah befolgen.“ (Devarim / 5. Moshe 29:28)

Ich liebe die Bibel! Es ist kaum zu glauben, dass in dieser Woche 34 Jahre vergangen sind, seitdem ich das erste Mal zum lebendigen Glauben an Jeschua als Messias kam. Vielleicht ist meine Liebe zu den biblischen Schriften zumindest auch teilweise dadurch erklärbar, wie Gott sie gebrauchte, um sie mir selbst nahezubringen. Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen. Auch wenn ich damals wenig über die Bibel wusste, und ich in jedem Fall nicht sehr religiös war, so hätte ich mich niemals mit den messianischen Schriften des Neuen Bundes beschäftigt. Was auch immer mein Verständnis vom Judentum war, so meinte ich doch zu wissen, dass alles, was irgendwie mit diesem Jesus zu tun hatte, tabu war.


Ich wurde überwältigt, als mir zum ersten Mal die messianischen Prophetien im Tenach (die hebräische Bibeln / Altes Testament) gezeigt wurden. Einige Beispiele: Sacharja 12 und Psalm 22 sagen Sein Leiden am Kreuz voraus; Micha 5 sagt voraus, dass Bethlehem sein Geburtsort sein würde; Daniel 9 sagt die Ankunft des Messias vor der Zerstörung des zweiten Tempels voraus (was vor fast zweitausend Jahren geschah); und Jesaja 53 ist eine detaillierte Beschreibung seiner Verwerfung, seiner Sündlosigkeit, seines Opfers und Wiederauferstehens. All dies wurde Hunderte von Jahren vorausgesagt, bevor Jeschua kam.

Von dem Tag an, wo ich zum Glauben an Jeschua kam, ist die Bibel fundamentaler Bestandteil meines Lebens geworden. Ich bin so dankbar, dass ich immer wieder Gemeinschaft mit Menschen haben durfte, die sich der Wahrheit und Zuverlässigkeit der kompletten Bibel verpflichtet sahen. Was auch immer ich für Kämpfe im Laufe aller dieser Jahre ausgefochten habe, so hat sich das niedergeschriebene Wort Gottes dennoch immer als ein Anker und als ein Fundament erwiesen, das mich stabilisiert hat, ein Kompass, der mir Richtung gab, ein Schatz, der mein Leben bereichert hat, ein Licht im Dunkel, das mich davor bewahrt hat, zu straucheln.
Einige Menschen meinen, dass ich Freude daran habe, über das Wort Gottes zu debattieren, aber debattieren in diesem Sinne bedeutet ein Argument zu formulieren, um einen entsprechenden Punkt oder eine Meinung zu beweisen. Ich habe jedoch kein Interesse daran, Recht zu haben, weil ich weiß, dass nur Gott allein Recht hat. Während einige mich als streitlustig ansehen mögen, ist es vielmehr meine Art, die Wahrheit zu finden und zu ergreifen. Wenn mein Verständnis von etwas in der Bibel richtig ist, dann wird es auch einer genaueren Prüfung und Herausforderung standhalten. Die Bibel wird mit einem scharfen, zweischneidigen Schwert verglichen, ein Beurteiler oder Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens (Hebräer 4:12). Indem wir uns mit der Bibel auseinandersetzen, bekommen wir die Möglichkeit, klarer zu verstehen, was Gott uns sagen möchte.
Um die Lehre der Bibel zu verstehen, ist es für uns nicht allein notwendig, nur besser zu verstehen, was Gott uns sagt, sondern auch, was er nicht sagt. Gott hat uns bewusst offenbart, was er vorhatte zu tun. Das jedoch, was er uns nicht offenbart hat, ist aus Seiner Sicht genauso zielgerichtet und entschlossen. Wenn wir über die offenbarten Dinge nachdenken, dann kommen wir leicht an den Punkt, darüber nachzusinnen und zu spekulieren, was er uns nicht offenbart hat. Aber das Verborgene bei Gott können wir nicht ergründen, egal wie intensiv wir dies auch versuchen. Wie wir in dem Wort der Torah zu Beginn gelesen haben, sind wir verantwortlich, nach all dem zu leben, was Gott uns gesagt und offenbart hat. Aber im Hinblick auf das Verborgene bei Gott, jene Dinge also, die er bei sich selbst behalten hat, sie gehören ihm, und er macht sie nicht öffentlich.

Die Bibel ist kein Text- oder Erzählbuch mit zweckmäßigen Kapiteln. Sie befasst sich mit einer Vielzahl von Themen, die jeden Bereich unseres Lebens abdecken. Es fehlt nicht eine einzige wesentliche Zutat für ein erfolgreiches Glaubensleben. Und doch bringt die Wahrheit der Bibel uns häufig an den Punkt, Fragen zu stellen, auf die es mit unserer menschlich begrenzten Intelligenz keine befriedigenden Antworten gibt. Und wie viel Spaltung ist ausgelöst worden unter den Gläubigen an Gott über Dinge, die Gott nicht offenbar gemacht hat? Anstatt sich damit zufrieden zu geben, was Gott offenbart hat, setzen wir uns auseinander mit Auslegungen, die sich allein auf Spekulationen gründen über Dinge, die Gott verborgen gehalten hat. Das bedeutet nicht, dass wir keine ernsthaften Fragen stellen dürfen oder nicht intensiv über die Auslegungen der Lehren der Bibel nachdenken sollten. Aber wenn wir dies tun, müssen wir auch darauf achten, dass wir keine dogmatischen Auslegungen über Dinge formulieren, die bei Gott im Verborgenen sind.

Ich weiß, dass wir uns nicht immer bewusst sind, wenn wir das tun. Aber der einzige Weg, wie wir erkennen können, wo wir stehen ist, dass wir unsere eigene menschliche Erkenntnis der Bibel gegenüber dem tatsächlichen Wort Gottes sehr niedrig und in großer Demut ansetzen. Wir müssen bereit sein, Überzeugungen aufzugeben, die keine Basis haben in dem, was Gott wirklich offenbart hat. Wenn wir dazu bereit sind, dann werden die Worte der Bibel beginnen, zu uns zu sprechen mit einer Klarheit wie nie zuvor.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 06 Sep 2010, 07:45

Ha'azinu (Horcht auf) / Shuvah
Für die Woche 11. September 2010 / 3 Tishri 5771
Torah: Devarim / 5. Moshe 32:1-52
Haftarah: Hosea 14:2-10; Micha 7:18-20; Joel 2:15-17

Shuvah (Shabbat der Umkehr)

„Blast das Shofar auf Zion, und blaset Lärm auf meinem heiligen Berge! Beben sollen alle Bewohner des Landes; denn es kommt der Tag des Ewigen, denn er ist nahe.“ (Joel 2:1)

„Nehmet Worte mit euch und kehret um zu dem Ewigen; sprechet zu ihm: Vergib alle Ungerechtigkeit, und nimm an, was gut ist, dass wir die Frucht unserer Lippen als Schlachtopfer darbringen“. (Hosea 14:2)

„Wer ist ein Gott (El) wie du, der die Ungerechtigkeit (Missetat, Schuld) vergibt, und die Übertretung des Überrestes seines Erbteils übersieht. Er behält seinen Zorn nicht auf immer, denn er hat Gefallen an Güte“. (Micha 7:18)

Traditionell wird der Shabbat zwischen Rosh Hashanah und Yom Kippur Shabbat Shuvah genannt (der Shabbat der Umkehr oder Wiederherstellung). Dadurch wird eines der dominierenden Themen dieser Festtage hervorgehoben, nämlich die Buße und Umkehr zu Gott bzw. die Rückkehr zu Seinen Wegen und zu Seinem Willen.

Hinter diesem Konzept der Rückkehr oder der Umkehr verbirgt sich der Gedanke, dass unsere Taten in der Vergangenheit nicht unsere Zukunft bestimmen müssen und sollten. Wie kaputt unser Leben auch sein mag, Gott hat einen Weg der Heilung und Wiederherstellung bereitet. Es gibt keine Sünde, die zu groß wäre, dass Er sie nicht vergeben könnte. Mag das Herz auch zerbrochen sein, er ist in der Lage, es zu heilen. Kein Abgrund könnte zu tief sein, dass Er nicht in der Lage und willens wäre, um uns zu retten.

Weil Gott ausreichend Vorsorge für unsere Sünden getroffen hat, haben wir die Möglichkeit, zu ihm zurückzukehren. Diese Tatsache wird uns Jahr für Jahr durch den Klang des Shofarhornes an Rosh Hashanah in eindrücklicher Weise ins Gedächtnis gerufen, verbunden mit dem Aufruf, uns an Yom Kippur vor ihm zu beugen und zu demütigen.

Für einige Menschen mag die Idee, dass das Unrecht und die Verfehlungen, die wir in der Vergangenheit getan haben, jemals hinreichend aufgelöst werden können, außerhalb der Vorstellungskraft sein. Viele Dinge sind so schlecht geworden, dass alles, worauf wir eigentlich noch hoffen könnten darin besteht, dass wir die Folgen unserer Sünden und Verfehlungen zu tragen haben. Aber die frohe Botschaft besteht darin, dass durch den Tod und das Wiederauferstehen des Messias, wie es vorausgesagt ist im Tenach (Jüdische Bibel/Altes Testament), die Auswirkungen der menschlichen Schwäche und des Bösen für ungültig erklärt worden sind.

Auf eine Art und Weise, wie wir sie menschlich gar nicht vollständig begreifen können, dürfen wir die Güte Gottes erfahren, unabhängig davon, was wir getan haben oder was auch immer mit uns geschehen ist, wenn wir denn an Jeschua glauben und ihm ganz vertrauen. Wer auch immer wir sind, wenn wir Jeschua folgen, können wir die Gewissheit des ewigen Lebens haben, und wir können bereits jetzt und hier Anteil haben an dieser wunderbaren Zukunft, die uns erwartet.

Für andere Menschen mag es durchaus nicht so sein, dass sie glauben, dass unser Unrecht größer ist, als die Fähigkeit Gottes, sich damit zu befassen. Vielmehr ist es so, dass wir glauben, dass unsere Handlungen keine echten Folgen haben. Da wir einfach das Produkt einer Möglichkeit von vielen bzw. eines zufälligen Entwicklungsprozesses sind, hat das Leben keine Bedeutung. Deshalb geschehen Dinge einfach so, man kann sich dran gewöhnen.

Aber sogar diejenigen Menschen, die die Welt und das Leben auf diese Weise betrachten, wissen tief im Inneren, dass diese Denkweise nicht wahr ist. Die Tiefe des Schmerzes, den wir wegen unserer inneren Zerrissenheit erfahren, zeugt davon, dass wir für unsere Taten verantwortlich sind. Das Leben wurde ursprünglich nicht dazu geschaffen, um erfüllt zu sein mit Leid, Durcheinander, Entfremdung und Zerstörung, wie es heute allgemein üblich ist. Die menschlichen Erfahrungen, obwohl weit davon entfernt, eine verbindliche Widerspiegelung der Wahrheit zu sein, erinnern uns ständig daran, dass das Leben wirklich von Bedeutung ist, und dass unsere Taten Folgen haben. Aber ohne Gott und seine Verheißung der Wiederherstellung, führt dies nur zu Verzweiflung, wenn wir mit der Realität in der Welt und mit dem Zustand unseres eigenen Lebens konfrontiert werden.

Und dennoch brauchen wir nicht zu verzweifeln. Wegen der Gnade und des Erbarmens unseres liebenden Gottes können wir umkehren. Wir brauchen uns nicht mit der angeblichen Unvermeidlichkeit unserer Lebenssituationen abzufinden. Egal, wie weit weg wir uns vielleicht von Gott entfernt haben, in dem Moment, wo wir umkehren hin zu Ihm, setzt er uns augenblicklich wieder in die rechte Stellung und Beziehung mit ihm ein. Er hat bereits alles Notwendige vollbracht, um dies möglich zu machen.

Shuvah!

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 13 Sep 2010, 18:01

Jom Kippur
Für die Woche 18. September 2010 / 10 Tishri 5771
Torah: Vayikra / 3. Moshe 16:1-34; Bemidbar / 4. Moshe 29:7-11
Haftarah: Jesaja 57:14-58:14

Wo wohnt Gott?

“Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.“ (Jesaja 57:15)


Dieser Vers ist entnommen aus der besonderen Prophetenlesung für Jom Kippur (Deutsch: Versöhnungstag), der in diesem Jahr am Freitagabend, 17. September, beginnt. Eines der wichtigsten Besonderheiten dieses Heiligen Tages ist der Aufruf zu ganz konkreter Demütigung von uns selbst vor Gott. Traditionell wird dies begleitet durch einen vollen Tag des kompletten Verzichts auf Speisen und Getränke sowie gewisser Annehmlichkeiten und Vergnügungen. Die Hinweise auf Demut und Fasten im weiteren Verlauf der Prophetenlesung machen diesen Text sehr passend für diesen Anlass.

Die Notwendigkeit, uns vor Gott zu demütigen, ist nicht nur eine religiöse Vorschrift, um den Ritualen eines religiösen Feiertages zu entsprechen. Gemäß dem oben zitierten Vers ist Demut ein wesentlicher Bestandteil, um die rechte Beziehung und Gemeinschaft mit Gott zu erfahren.

Entsprechend diesem Vers gibt es zwei Orte, an denen Gott seine Wohnstatt nimmt. Die erste liegt völlig außerhalb jeglicher menschlicher Vorstellungskraft und Erfahrung. Nach Jesaja wohnt er „in der Höhe und im Heiligen“, und das bedeutet ganz klar abseits von der irdischen Sphäre menschlichen Lebens. Es ist Seine Autorität, die über dem ganzen Universum steht. "Der in Ewigkeit wohnt“, was bedeutet, dass seine Existenz von der unendlichen Vergangenheit bis zur unendlichen Zukunft reicht. Er ist keinerlei zeitlicher Beschränkung unterworfen, wie wir. "Sein Name ist der Heilige", das bedeutet, dass sein Wesen absolut moralisch rein und vollkommen ist. Er offenbart sich selbst und kann durch niemanden beeinflusst werden, als nur durch Ihn selbst.

Aber Gott wohnt eben nicht nur außerhalb unserer Reichweite, sondern er sagt durch den Propheten Jesaja, dass er auch bei denen wohnt "die zerschlagenen und gebeugten Geistes sind". Während die Rituale von Jom-Kippur daraufhin ausgelegt sind, in einen Zustand zu kommen, der hier mit einem „zerschlagenen, reuevollen und gebeugten Geistes" bezeichnet ist, basiert die Wohnung Gottes bei uns nicht etwa auf einer einmaligen Leistung bzw. Anstrengung unsererseits an diesem Feiertag, sondern auf einer fortdauernden inneren Haltung unseres Herzens und unseres Lebens.

Was bedeutet es, einen „zerschlagenen, reuevollen und gebeugten Geist“ zu haben. Das hebräische Wort für zerschlagen und reuevoll ist "da-ka" und bedeutet "zerdrückt oder zermalmt“ werden." "Gebeugt oder demütig" bedeutet im Hebräischen "shefal", und bezieht sich auf etwas, das niedriger ist als alles andere. "Geist" bedeutet im Hebräischen "ru'-ach" und bezieht sich auf "Geist", "Wind" oder "Atem" als eine Quelle des Lebens. Ein "zerschlagener und gebeugter Geist" bedeutet daher, zu akzeptieren, dass wir kein selbst tragendes Wesen sind, sondern dass wir Geschöpfe sind, die der Hilfe Gottes bedürfen. Nur Gott allein ist in sich selbst tragend, er ist hoch und erhabenen, perfekt und rein. Wir sind von ihm abhängig und haben Ihm Rechenschaft zu geben.

Diejenigen, die einen zerschlagenen und gebeugten Geist haben, sind zu der grundlegenden Erkenntnis in ihrem Leben gekommen, dass sie andauernd und ständig die Hilfe Gottes und Seine Wegweisung brauchen. Indem sie nicht mehr allein auf sich selbst bauen, wird die Demut und Ergebenheit in ihrem Leben deutlich in ihrer andauernden Offenheit gegenüber Gott und seinem Wort.

Dies bedeutet nicht, dass diejenigen, die einen zerschlagenen und gebeugten Geist haben, Schwächlinge sind, passiv oder depressiv, weil, wie wir gelesen haben, Gott ihren Geist belebt. Das hebräische Wort für "Beleben" ist "cha-jah" – Leben spenden. Ohne die Gegenwart Gottes sind wir leblos. Aber wenn er in uns wohnt, können wir wirklich leben. Damit er jedoch in uns seine Wohnstatt nehmen kann, müssen wir aufhören, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu führen und zulassen, dass Gott unser Leben nach seinem Willen bestimmen kann.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 20 Sep 2010, 08:55

Sukkot
Für die Woche 25. September 2010 / 17 Tishri 5771
Torah: Shemot / 2. Moshe 33:12 - 34:26;
Bemidbar / 4. Moshe 29:17-22
Haftarah: Hesekiel 38:18 - 39:16

Verbindliche Vereinbarungen

“Hüte dich, mit den Bewohnern des Landes, in das du kommen wirst, einen Bund zu schließen, damit sie nicht zur Falle werden in deiner Mitte!“ (Shemot / 2. Moshe 34:12)

In dieser Woche gibt es spezielle Bibellesungen, weil wir das Fest Sukkot (Laubhüttenfest oder Fest der Hütten) feiern. Sukkot ist ein einwöchiges Erntedankfest, das sich anschließt an zwei Wochen intensiver geistlicher Vorbereitung durch Rosch Haschana (auch genannt Fest des Schofarblasens oder gemeinhin als das Neujahrsfest bekannt) und Jom Kippur (Versöhnungstag). Die Aufforderung, sich an Sukkot zu freuen und zu danken führt uns zu einigen sehr grundlegenden Aspekten in unserer Beziehung zu Gott.

Das historische Ereignis im Zusammenhang mit Sukkot erinnert an die 40 Jahre, in denen das Volk Israel durch die Wüste zog, also die Zeit zwischen dem Auszug aus Ägypten und der Einnahme des Gelobten Landes. In diesen 40 Jahren hatte das Volk die Gegenwart und die Realität Gottes wie kaum in einer anderen Zeit erlebt. Dazu gehörten die Führung und Bewahrung durch die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes in einer Wolkensäule und im Feuer, das tatsächliche Hören der Stimme Gottes am Berg Sinai, und die übernatürliche Versorgung mit Nahrung und Wasser.

Diese Erfahrung der greifbaren Realität Gottes war eine wichtige Basis für die Entwicklung und Zurüstung der Nation, so dass von dem Zeitpunkt an, wo die Menschen das Land besiedelt, sie sich daran erinnern konnten, wer Gott ist und ihr Leben danach ausrichten. Auch wenn sie dann im verheißenen Land nicht mehr in dem Maße den Elementen der Natur ausgeliefert waren und von den Früchten ihrer eigenen Arbeit leben konnten, bedeutete dies nicht, dass sie deshalb Gott weniger brauchten. Gott ist unser Versorger und Bewahrer, unabhängig davon, ob er Brot (Manna) vom Himmel fallen lässt, oder ob wir eine regelmäßige Lohnzahlung bekommen. Gott ist unser Bewahrer und Beschützer, ob wir nun in Zelten oder in Eigentumswohnungen leben. Die Früchte unserer Hände Arbeit und der Wohlstand, den wir uns selbst erarbeiten, kann mitunter unser Verständnis von Gottes Eingreifen in unserem Leben verwässern, aber die Wahrheit ist, dass wir ohne die ständige Fürsorge Gottes in große Schwierigkeiten geraten würden.

Ein Teil dieser Lebensperspektive, für die das Leben in den Jahren der Wüstenwanderung eine wichtige Zurüstung war, um die Menschen stark und wachsam werden zu lassen, besteht in der Warnung vor Bündnissen mit den vorhandenen Bewohnern des verheißenen Landes. Ein Bund ist eine offizielle, verbindliche Vereinbarung, wie ein Vertrag oder ein Abkommen. Das Wesen und das Verhalten der Völker des Landes waren solcherart, dass ein verbindlicher Bund oder eine Vereinbarung mit ihnen dazu geführt hätte, dass das einzigartige Verhältnis Israels zu ihrem Gott untergraben würde. Somit ging es nicht nur darum, keine Bündnisse mit ihnen einzugehen, sondern auch die Religionen dieser Menschen vollständig aus dem Land auszurotten.

Es ist wichtig festzustellen, dass Gott das Volk Israel niemals ausgesendet hat zu Kampfeinsätzen außerhalb des Landes, um andere Religionen zu zerschlagen. Diese drastische Haltung gegenüber anderen religiösen und geistlichen Einflüssen war nur innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen ein Problem. Viele Jahrhunderte später, als Gott sein Volk über ihre eigenen Grenzen hinaus aussandte, um die Wahrheit über sich selbst zu den Nationen zu bringen, waren die alleinigen Werkzeuge dafür nur Sein Wort und Sein Geist durch Lehren, Predigen und Heilen (Siehe Matth. 28,18-20; Johannes 20:21; Apostelgeschichte 1: 8 ).

Wenn die Realität Gottes durch die Verkündigung des Messias hinausgetragen wird in die ganze Welt, ist es ebenso notwendig, wachsam und vorsichtig zu sein, was Bündnisse oder Vereinbarungen mit den Menschen um uns herum betrifft, die Gott nicht kennen. Die Kulturen, in denen wir leben, können durchaus eine große Anziehungskraft haben. Die Welt offeriert uns Wohlstand, Erfolg und Ansehen, aber wenn diese Dinge nicht in Gottes Wahrheit gegründet sind, werden sie für uns zum Fallstrick, genau wie bei den alten Israeliten.

Die Vereinbarungen, die wir mit der Welt eingehen, mögen vielleicht nicht von offiziellen Zeremonien, oder von der Unterzeichnung entsprechender Dokumente begleitet werden, aber sie sind deshalb trotzdem genauso bindend. Die Menschen in der Welt versuchen uns dahingehen zu überzeugen, dass wenn wir zu einer Vereinbarung mit ihnen kommen durch die Verinnerlichung und das Annehmen ihrer Wertmaßstäbe, dann würden sie auch uns akzeptieren und uns möglicherweise Gehör schenken. Aber es wird nicht lange dauern, bis sie fordern, dass wir unser Verständnis von Gott der Allgemeinheit anpassen, und dann arbeiten sie daran, um letztlich alles zu zerschlagen.

Die einzige Hoffnung für diese Welt besteht darin, dass wir festhalten an der Wahrheit und an unserem Bund mit Gott. Nur allein dadurch, dass wir Ihn und sein Wort immer besser kennen und Ihn allein über unser Leben bestimmen lassen, können wir am effektivsten den Menschen in unserem Umfeld helfen, damit sie Ihn auch erkennen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 27 Sep 2010, 08:59

Bereshit
Für die Woche 2. Oktober 2010 / 24 Tischri 5771
Torah: Bereschit / 1. Moshe 1:1 - 6:8
Haftarah: Jesaja 42:5 - 43:11

Grundlagen

„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ (Bereschit / 1. Moshe 1:1)

In einem Gebäude kann man die Wichtigkeit eines guten und tragfähigen Fundamentes gar nicht hoch genug einschätzen. Egal, wie mächtig ein Gebäude auch sein mag, wenn das Fundament zu schwach ist, wird es dieses Gebäude nicht tragen können. Was in diesem natürlichen Bereich eine unumstößliche Wahrheit ist, gilt letztlich auch im geistlichen und im philosophischen Bereich. Die am besten klingenden Argumente und die allseits beliebtesten Sichtweisen im Hinblick auf das Leben werden wie ein Kartenhaus zusammenfallen, wenn sie nicht auf der Realität und auf der absoluten Wahrheit gegründet sind.

Die Fragen der absoluten Wahrheit gelten natürlich insbesondere für den biblischen Bereich. Die ersten Kapitel der Torah geben uns das Fundament für alles weitere, was wir im weiteren Verlauf der Bibel entdecken können bzw. uns offenbart wird. Es sollte natürlich klar sein, dass ohne die Schöpfung nichts anderes existieren würde. Es liegt in der Schöpfung als Grundlage, insbesondere natürlich auf der Erde, dass die Umsetzung von Gottes Plänen und Absichten geschieht. Das Wirken Gottes, soweit es sich auf die Menschheit bezieht, ist nicht etwas, das in erster Linie in der unsichtbaren Welt geschieht, sondern es vollzieht sich zwischen den Menschen auf der Erde. Auch dann, wenn Gott alle Dinge wiederherstellt, wird er dies durch eine erneuerte Schöpfung tun – durch den neuen Himmel und eine neue Erde, wo Gott König sein wird über die ganze Menschheit auf der neuen Erde (siehe Jesaja 65:17-25; Offenbarung 21:1 -4).

Natürlich sind auch die anderen Elemente der Bibel wesentlich und unverzichtbar, aber der Bericht in der Torah über die Schöpfung ist die Grundlage. Diese Bedeutung und die Stellung innerhalb der Schrift zu vernachlässigen würde bedeuten, die Schrift selbst zu untergraben. Denn wenn das Universum nicht geschaffen und Gott nicht der Schöpfer wäre, dann gäbe es keine Grundlage bzw. kein Fundament, auf dem der Rest der Bibel aufbaut.

In den ersten Kapiteln der Torah erfahren wir, dass Gott existierte, bevor das Universum geschaffen wurde. Das Universum war seine Idee und er erschuf es durch Sein Wort. Jeder umfassende Teil des Lebens ist das Ergebnis des direkten Wirkens Gottes durch sein Wort, womit jegliche Theorie einer Makro-Evolution ausgeschlossen ist. Geschlechtsspezifische Unterschiede und Rollen sind Ergebnis dieses Schöpfungskonzeptes und nicht die Ergebnisse sozialer Entwicklungen. Die Vorrangstellung und die Verantwortlichkeiten der Menschen innerhalb der Schöpfung sind von Gott bestimmt und geschaffen. Unsere Pflicht zur Arbeit geschieht durch seine Anweisung, während unsere Kämpfe bei unserer Reaktion auf unsere Arbeit als Grundlage die Rebellion der ersten Menschen gegen Gott haben. Die Ehe ist eine göttliche Einrichtung und Kinder sind das Ergebnis von Gottes Segen. Genauso wie Gott derjenige ist, der das Leben erschaffen hat, so ist Er es auch, der die Richtlinien und Parameter festlegt, wie wir unser Leben führen sollen. Somit müssen wir Ihm auch allesamt Rechenschaft abgeben.

Es hat natürlich seinen Grund, dass der Schöpfungsbericht in der Torah im Laufe der Zeit so bösartig angegriffen und angezweifelt wurde. Wissentlich oder unwissentlich, getarnt als Befürworter der objektiven Wissenschaft, haben Atheisten Unmengen an Zeit und Geld investiert, um alle möglichen Fakten von angeblichen Beweisen gegen den Begriff der Schöpfung zu präsentieren, vor allem gegen den Schöpfungsbericht, wie ihn die Tora beschreibt. Leider gibt es zu viele Menschen, die ansonsten offen sind gegenüber der Bibel, jedoch dem Ansturm der Gottesverleugner vertraut und die biblische Offenbarung damit insgesamt gefährdet haben.

Die Wissenschaft ist nicht in der Lage, die Herkunft bzw. den Ursprung zu beweisen. Wissenschaftliche Theorien, egal, ob sie die Lehre der Torah unterstützen oder nicht, basieren letztlich nur auf der Analyse des Menschen. Sie mögen richtig sein oder auch nicht, trotzdem unterliegen sie der Einseitigkeit und Beschränktheit. Wissenschaftliche Theorien kommen und gehen, neue Entdeckungen werden gemacht und weitere Analysen werden durchgeführt, und wieder andere Schlussfolgerungen werden gezogen.

Jeder Versuch, die Evolutionswissenschaft mit den ersten drei Kapiteln der Torah in Einklang zu bringen, widerspricht nicht nur diesen Kapiteln der Torah, sondern untergräbt wegen der grundlegenden Stellung des Schöpfungsberichtes innerhalb der Bibel die Heilige Schrift insgesamt. Die Ursprünge des Universums können nur durch die Offenbarung von Gott erkannt werden. Die Torah ist diese Offenbarung.
Durch diesen Schöpfungsbericht bekommen wir ein grundlegendes Verständnis davon, wer Gott ist, und wie unsere Stellung als Menschen in diesem Universum ist, das Er geschaffen hat.

Bei all dem, was wir sonst noch im weiteren Verlauf der Bibel über Gott und das Leben lernen und erkennen dürfen, um in diesen Tagen der großen geistlichen Verführungen und Irrlehren standhaft zu bleiben, müssen wir fest auf dem Fundament der Schöpfung stehen.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 04 Okt 2010, 09:47

No'ah
Für die Woche 9. Oktober 2010 / 1 Cheschwan 5771
Torah: Bereschit / 1. Moshe 6:9 bis 11:32
Bemidbar / 4. Moshe 28:9-15
Haftarah: Jesaja 66:1-24

Eine einzige Rasse und Herkunft

“Und die Söhne Noahs, die aus der Arche gingen, waren Sem und Ham und Jafet. Und Ham, das ist der Vater Kanaans. Diese drei sind die Söhne Noahs, und von ihnen ist die ganze Erde bevölkert worden." (Bereschit / 1. Moshe 9.18 - 19).

Meistens ist uns die Art und Weise, wie wir das Leben betrachten oder wie wir beeinflusst werden, gar nicht bewusst. Tag für Tag nehmen wir normalerweise nicht bewusst wahr, dass wir selbst beeinflusst werden und wiederum andere beeinflussen durch verschiedenste Situationen und durch die Welt, die auf einer Vielzahl von Theorien und Überzeugungen basiert, was man dann als Weltanschauung bezeichnet.

Es ist unsere Weltanschauung, mit der wir zu definieren versuchen, was der Sinn unseres Lebens ist, vorausgesetzt, dass wir überhaupt daran glauben, dass das Leben einen Sinn hat. Dieses Weltbild, das jeder Mensch sich zurechtlegt, definiert, was wir von uns selbst und anderen erwarten, ob richtig oder falsch, ob Schuld oder Schande. Es definiert Erfolg und Misserfolg. Es steuert, wie wir die Vergangenheit bewerten und wie wir in die Zukunft schauen. Und natürlich bestimmt es, ob wir an Gott und an geistliche Dinge glauben und in welcher Beziehung wir dazu stehen.

Nur wenige Menschen entwickeln ganz bewusst ihre Weltanschauung. Die meisten von uns lernen unbewusst vom Leben der Menschen um uns herum. Dies kann unsere Familie sein, unsere Lehrer bis hin zur Popkultur, die uns umgibt. Aber es gibt auch Ausnahmen, denn es gibt Menschen, die, nachdem sie die Probleme oder Schwachpunkte in der Weltanschauung auf der Grundlage ihrer Erziehung oder durch ihr Umfeld erkannt haben, sich entschließen, diesen Sichtweisen und Einstellungen des Lebens aus dem Weg zu gehen, auch wenn dies nicht sehr weit verbreitet ist. Uns allen sind wohl schon Menschen begegnet, deren Weltanschauung sich abhebt von der Masse aller anderen Menschen, die wir kennen. Vielleicht gehören sie auch zu diesen Menschen? Ich denke, dass ich selbst wohl auch ein stückweit zu diesen Menschen zähle.

Wenn wir Menschen sind, die verbindlich den Lehren der Bibel folgen, dann ist, davon bin ich überzeugt, unsere Weltanschauung ganz und gar verschieden zur Masse der Menschen um uns herum. Einige dieser Unterschiede sind ganz offensichtlich. Ich glaube an Gott, nicht an irgendeinen exemplarischen Pseudo-Gott, sondern an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich glaube, dass Jeschua der Messias ist, und dass sowohl die Schriften des Alten wie des Neuen Bundes die Bibel, das Wort Gottes, ausmachen. Ich versuche auch, zu einem biblischen Verständnis von Moral, Geschichte, der Zukunft und anderer Aspekte des Lebens zu kommen.

Das bedeutet auch, dass ich immer wieder erstaunt darüber bin, wenn ich entdecke, dass es noch so viele andere Möglichkeiten gibt, mit denen ich die Dinge dieser Welt sehen kann, die dann jedoch mehr darauf basieren, was irgendwie aus meiner Erziehung heraus kommt oder was gemeinhin populäres Denken ist, und weniger aus dem, was die Bibel lehrt. Ich würde nicht behaupten, dass ich die Bibel vollkommen verstehe oder dass ich komplett erkannt habe, wie man in jedem Bereich des Lebens ein Leben nach den Maßstäben der Bibel führt. In der Tat bin ich davon überzeugt, dass ich noch so viel zu lernen habe bzw. noch viel Erkenntnis brauche. Gleichzeitig hält mich das aber auch demütig, zu sehen, in welchen Situationen die Wahrheit der Schrift von meinen persönlichen menschlichen Annahmen abweicht.

Ein Autor, der mir dabei geholfen hat zu erkennen, dass ich noch zu viel an diesen persönliche Annahmen festhalte, als ich selbst dachte, ist G.K. Chesterton (1874-1936). Nachdem ich bereits vor längerer Zeit von ihm gehört hatte, las ich einige seiner eher bekannten Bücher:
„Orthodoxy“ (1908 http://www.gutenberg.org/ebooks/130 ) und „Heretics“ (1905
http://www.gutenberg.org/ebooks/470 ).

In diesen beiden Büchern stellt er ganz praktisch heraus, dass die meisten von uns den Weg der Welt unbewusst übernehmen, obwohl dieser im Grunde nur das Produkt rein menschlicher Vorstellungen ist.

So gibt es zum Beispiel im Buch "Heretics" ein Kapitel mit dem Titel "Celts and Celtophiles", wo er unter anderem das Konzept der Rassenzuordnung kritisiert. Chesterton schreibt: "Und in allen Fällen, in denen die Wissenschaft oder Pseudo-Wissenschaft der Rettung und des Machterhaltes der Reichen und Törichten diente, ist kein Punkt so bemerkenswert, wie die Erfindung der Theorie der Rassenlehre." Nun, vielleicht war es ihnen schon bekannt, aber ich wusste nicht, dass das Konzept, den Menschen in verschiedene ethnische Gruppen oder Rassen einzuteilen, eine Erfindung des neunzehnten Jahrhunderts ist. Wenn Sie mir nicht glauben, dann forschen sie entsprechend nach. Es existieren eben noch andere Lehren neben der Meinung von Chesterton, wonach es zwar verschiedene Nationen gibt, aber keine verschiedenen Rassen.

Wenn wir an die Wahrheit der Bibel glauben, dann sollten wir das eigentlich bereits wissen. Wir sind alle Nachkommen von Noah und seiner Frau. Die Behandlung der drei Söhne von Noah, als wenn sie die Vorfahren drei verschiedener Rassen wären, ergibt biblisch keinen Sinn, sondern ist vielmehr Ergebnis des Versuches, die Bibel irgendwie an das 19. Jahrhundert und an die evolutionäre Pseudowissenschaft anzupassen.

Gemäß der Bibel gibt es nur eine Rasse, die menschliche Rasse. Auch wenn man nicht an die Wahrheit der Bibel glaubt, so ist es doch eine unbestrittene Tatsache, dass das Erbgut aller Menschen so geartet ist, dass wir alle von einer Art sind. Es gibt keine besonderen oder hervorgehobenen Rassen unter den Menschen. Unsere äußeren körperlichen Unterschiede sind nur durch Vermischungen auf Grund von Migration entstanden. Und dennoch sind die meisten Menschen heutzutage, Bibel-Gläubige eingeschlossen, der Lüge verfallen, andere Menschen durch die Brille der Rassenzuordnung zu sehen. Das ist eine Sichtweise, die alle möglichen Arten von Chaos und Verwüstung im letzten Jahrhundert und darüber hinaus geschaffen hat.

Eine biblische Weltanschauung setzt voraus, dass wir grundsätzlich alle Menschen, egal wer sie sind, wo sie herkommen oder wie sie aussehen, nur als das sehen, was sie sind, als Menschen.

Unanhängig davon, was für Unterschiede zwischen uns bestehen, wir werden andere nur dann sehen, wie es sein sollte, wenn wir sie als das sehen, was sie wirklich sind: Menschen, geschaffen nach dem Bilde Gottes.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 11 Okt 2010, 08:54

Lekh Lekha (Geh aus)
Für die Woche 16. Oktober 2010 / 16 Heshvan 5771
Torah: Bereshit / 1. Moshe 12:1-17:27
Haftarah: Jesaja 40:27 - 41:16


Der Schlüssel zu einer biblischen Weltanschauung

“Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ (Bereschit / 1. Moshe 15:6)

In den Torahbytes der vergangenen Woche habe ich erläutert, wie die Art und Weise unserer Sicht auf das Leben und auf die Welt insgesamt auch uns selbst stark beeinflusst und verändert. Selbst wir, die unser Weltbild aus einer objektiven Quelle wie der Bibel ableiten, sind mitunter dadurch gekennzeichnet, oftmals unbewusst unsere Überzeugungen zu relativieren oder durch eine „gefilterte Brille“ zu sehen. Wir bemerken dabei nicht, dass diese „Brille“ bzw. diese verschobene Sichtweise schon fast eine Garantie dafür ist, dass wir zu einem falschen Verständnis des Lebens und der Weltanschauung kommen.

Einige sagen, weil wir das Leben nur auf der Grundlage unserer eigenen Wahrnehmungen betrachten, können wir nie an den Punkt gelangen, die Welt oder auch Gott so zu sehen, wie er wirklich sind. Jeder, der auch nur einen Funken Demut in sich trägt muss zugeben, dass, egal wie genau oder intellektuell gegründet ein Mensch etwas versteht, unsere menschlichen Grenzen uns dennoch daran hindern, jemals wirklich die Gesamtheit des Lebens, oder auch nur die Gesamtheit eines einzigen Bereiches des Lebens zu erfassen.

Es gibt eine berühmte Geschichte mit dem Titel "Die blinden Männer und ein Elefant", in der eine Gruppe von Blinden die verschiedene Teilen eines Elefanten ertasten, und dabei zu sehr unterschiedlichen Schlussfolgerungen hinsichtlich seiner Art kommen. Sie stützen ihre ungenauen Rückschlüsse auf die einzelnen Körperteile, die jeder von ihnen ertastet hat. Die Geschichte macht deutlich, wie töricht es ist, ungenaue Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen zu treffen auf der Grundlage unserer eigenen sehr begrenzten Erfahrungen. Die unterschiedliche Art und Weise, wie die Menschen die Welt und das Leben betrachten, ist nichts anderes als der schwache Versuch der Menschen, das Leben zu verstehen. Wir sollten daher aufhören, unsere Unterschiede zu bestreiten, drum herum zu reden oder Wortklauberei zu betreiben.

Es gibt einige interessante Aspekte in dieser Geschichte, und die Lehre für uns besteht darin, die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung zu akzeptieren. Aber es gibt auch erhebliche Mängel und Grenzen in dieser Gleichnisgeschichte, denn sie offenbart letztlich die unbiblische Weltanschauung. Zum einen fühlt oder tastet jede Person nur ein Körperteil des Elefanten. Es hätte nicht viel gebraucht um zu erkennen, dass es mehr gibt an diesem Elefanten, als nur ein Körperteil. Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Menschen beim Hören der unterschiedlichen Ansichten der anderen, anstatt zu streiten oder zu diskutieren, zunächst innehalten würden, bevor sie voreilige Schlüsse ziehen. Ja, es gibt aber wohl etliche Menschen, die so sind wie die Blinden in der Geschichte, aber die daraus resultierende Annahme, dass jeder so ist wie sie, und dass wir deshalb alle Hoffnung aufgeben müssten, die wahre Art des Elefanten zu erkennen- oder die Sicht des Leben - oder das Wesen Gottes, ist ganz sicher unbiblisch.

Was wirklich biblisch ist, sehen wir vielmehr in einer anderen Geschichte - eine Geschichte, die wirklich geschehen ist. Es ist die Geschichte von Abraham. Durch Abraham sehen wir, dass wir das Wesen Gott durchaus erfassen und erkennen können. Wir können ihn erkennen, nicht deshalb, weil Menschen wie Abraham irgendwie eine gute Auffassungsgabe oder Intelligenz hätten, sondern weil Gott selbst sich uns offenbart. Ebenso wichtig ist zu wissen, wie wir Gott erkennen können. Im Gegensatz zu den Dingen, nach denen viele Menschen streben, wie intellektuelle Fähigkeiten, moralische Einstellung, asketische Lebensweise oder rituelle Bräuche kann Gott nur durch den Glauben erkannt werden.

Der biblische Glaube ist kein unangemessenes Wunschdenken oder eine unbegründete Hoffnung auf ein gewisses Maß an Güte und Erbarmen, sondern eine Antwort und Reaktion aus dem Vertrauen heraus gegenüber dem Gott, der sich selbst bekannt gemacht hat. Dies ist es, was Abraham als Vorbild des wahren biblischen Glaubens auszeichnet. Als Gott ihn konfrontiert mit seinen vorgefassten Denkweisen – mit seinem vom menschlichen Denken beeinflussten Weltbild – vertraute Abraham ganz auf Gott und nahm damit gleichzeitig Gottes Weltsicht in sich auf.

Gott im Glauben zu erkennen bedeutet, dass die Art und Weise, wie wir die Welt, das Leben und Gott selbst sehen, ständig hinterfragt und an den Maßstäben Gottes ausgerichtet werden muss. Das bedeutet nicht, dass Gott nicht erfassbar oder erkennbar ist, sondern vielmehr, dass wir bereit sind, die Realität unserer eigenen begrenzten Wahrnehmung zu akzeptieren.

Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass wir wie die Blinden in der Geschichte mit dem Elefanten werden. Allerdings sollten wir deshalb nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Gott nicht erkannt werden kann. Wir können ihn allerdings nur erkennen, wenn wir unser Vertrauen und unseren Glauben ganz in Ihn gründen.

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