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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 24 Jan 2011, 07:27

Mishpatim (Rechtsbestimmungen)

Für die Woche 29. Januar 2011 / 24 Shevat 5771

Torah: Shemot / 2. Moshe 21:1 - 24:18

Haftarah: Jeremia 34:8-22; 33:25, 26


Haftung und Verantwortung


Wenn Männer miteinander streiten und einer den andern mit einem Stein oder mit einer Hacke schlägt, so dass er zwar nicht stirbt, aber bettlägerig wird: falls er aufsteht und draußen an seinem Stab umhergeht, soll der Schläger straffrei bleiben. Nur muss er ihn für die Zeit seines Daheimsitzens entschädigen und für seine völlige Heilung sorgen.“ (Shemot / 2. Moshe 21:18- 19)

Die Weisheit Gottes in Bezug auf die Haftung bei körperlichen Auseinandersetzungen ist eindeutig: Der Übeltäter ist nicht für mehr verantwortlich zu machen, als für den angerichteten Schaden, wobei darin sowohl das entgangene Einkommen des Geschädigten, als auch die Kosten für die vollständige Heilung enthalten sind. Wenn die Menschen in diesen und ähnlichen Angelegenheiten Gottes Maßstäben folgen, dann trägt das zu einer gesunden und lebenswerten Gesellschaft bei.

Manche Menschen sind vielleicht geneigt, die Frage der Haftung zu ignorieren und eher die Frage in den Vordergrund stellen, dass ein solcher Kampf bzw. eine Auseinandersetzung in dieser Form grundsätzlich falsch ist. Andere wiederum pochen vielleicht darauf, dass der grundsätzliche Ansatz im Neue Bund der Torah in diesem Punkt angeblich widerspricht, und dass das Opfer der Kriminalität die Last der Opferrolle annehmen müsse. Ich bin mir natürlich bewusst, dass der Messias gelehrt hat, "auch die andere Wange hinzuhalten", und auch Sha-ul wandte sich gegen Rechtsstreitigkeiten:

Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtshändel miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? Sondern ihr selbst tut unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber!“ (1. Korinther 6:7- 8 )

Was der Messias und Sha-ul hier gelehrt haben, betrifft jedoch eher den Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten im persönlichen Umfeld, und hat nichts zu tun mit der Einrichtung der göttlichen Gesetze einer kompletten Gesellschaft bzw. eines ganzen Volkes. Leider ist es eine Tatsache, dass Menschen Unrecht tun gegenüber anderen Menschen, und wir werden keineswegs immer Gerechtigkeit erfahren bei unseren persönlichen Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich hier auf der Erde. Der Messias zeigt uns durch sein Leben, seine Lehre, seinen Tod und durch seine Auferstehung, wie wir mit Unrecht umgehen können, das uns widerfährt. Sha-ul bezieht sich auf die Lehre von Jeschua und wendet es beispielhaft an auf das Leben einer zerrütteten Gemeinde in der antiken griechischen Stadt Korinth.

Die Notwendigkeit zu lernen, Unrecht zu erdulden und auszuhalten bedeutet nicht etwa den gesellschaftlichen Anspruch, dass Übeltätern und Kriminellen freie Hand gelassen wird. Auch wenn der Messias lehrt, "die andere Wange hinzuhalten",
bedeutet dies keineswegs, dass wir das Unrecht nicht klar beim Namen nennen und uns nicht verteidigen sollen (alles andere dürfte auch kaum das Ziel dieses Wortes von Jeschua gewesen sein). Auch kann dies keine Richtlinie sein für die Menschen in den Behörden und staatlichen Autoritäten, um diesen Gedanken ihrem Volk aufzuerlegen, unabhängig, ob diese Autoritäten aus Regierungsbeamten, Gemeindeleitern oder Eltern besteht.



Wenn eines unserer Kinder seinen kleinen Bruder oder seine Schwester schlägt, wird Jeschua kaum erwarten, dass wir die beiden gewähren lassen, damit die das „Hinhalten der anderen Wange“ praktizieren.



Gleichzeitig ist dies natürlich auch eine Gelegenheit, um Vergebung zu erfahren (das ist wieder ein anderes Thema), und es ist auch eine Möglichkeit für die Übeltäter, den Grundsatz der Haftung zu erlernen. Sowohl Gemeindeleiter als auch Regierungsbeamte bzw. Politiker tun gut daran, Gottes Wegen und Richtlinien zu folgen und die Unschuldigen und Opfer zu schützen, indem sichergestellt wird, dass die Täter die Verantwortung ihres Handelns tragen und die Haftung übernehmen.





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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 31 Jan 2011, 11:14

Terumah (Opfergabe) & Rosh Hodes


Für die Woche 5.
Februar 2011 / 1 Adar 5771
Torah: 2. Moshe 25:1 - 27:19 &
Bemidbar / 4. Moshe 28: 9-15
Haf
arah: Jesaja 66:1-24

Der Schlüssel zum geistlichen Reichtum



So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes? Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und alles dies ist geworden, spricht der HERR. Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort.“ (Jesaja 66:1, 2; ESV)

Als Salomo den Tempel in Jerusalem weihte, betete er:


Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, die Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe! Doch wende dich zu dem Gebet deines Knechtes und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, dass du hörst auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir betet, dass deine Augen Nacht und Tag geöffnet seien über dieses Haus hin, über die Stätte, von der du gesagt hast: Mein Name soll dort sein, dass du hörst auf das Gebet, das dein Knecht zu dieser Stätte hin betet. Und höre auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, das sie zu dieser Stätte hin richten werden. Du selbst mögest es hören an der Stätte, wo du thronst, im Himmel, ja, höre und vergib!“ (1. Melachim / 1. Könige 8:27-30)

Salomo hatte damals verstanden, was Gott viele Jahre später durch den Propheten Jesaja bekräftigte, dass Gott nicht durch ein von Menschen gebautes Haus erfasst werden kann. Während der Tempel eine zentrale Bedeutung für das Leben der Nation Israel bekam und letztlich auch zu einer Quelle des Stolzes wurde, ist letztlich die eigentliche Wohnstatt Gottes im Geist und im Herzen der Menschen. Von daher verstand Salomo seine ihm selbst zugedachte Funktion als Vertreter von Gottes Gegenwart unter den Menschen.

Jedoch drohte der Tempel zu einer Quelle des Stolzes zu werden, und so war es notwendig, dass Gott durch seinen Propheten Jesaja das Volk daran erinnern musste, dass die Existenz des Tempels eben nicht der positive Beweis dafür war, dass ihre Beziehung zu Ihm in Ordnung war. Gottes Aufmerksamkeit gegenüber den Menschen beschränkte sich nicht auf den Tempelberg, sondern es ging letztlich um ihre Beziehung zu Ihm - eine Beziehung, die auf einer entsprechenden Herzenshaltung basiert. Diese Menschen werden bei Jesaja so beschrieben als
: „Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort.“


Diese Beschreibung erinnert an die eigenen Erfahrungen Jesajas, als Gott ihm erschien, wie zu Beginn seines Buches beschrieben (vgl. Jesaja 6). Als er in den Kreis der himmlischen Zeugen Gottes berufen wurde, war er ein gebrochener, zerschlagener Mann - ein Mann, der absolut ungeeignet schien, um Gottes Wort zu den Menschen zu sprechen. Nur weil er demütig genug war, die Realität seines Zustandes vor Gott anzuerkennen, konnte Gott ihn berufen und ausrüsten, in seinem Namen zu sprechen.

Die Beschreibung dieses Typs von Mensch, die Gott besonders beachtet, würde von meisten Menschen abgelehnt werden. Was hier mit "
dem Elenden und dem mit einem zerschlagenen Geist" übersetzt wird, ist normalerweise die übliche Art, um die Armen, die Bedürftigen und die Leidgeprüften zu beschreiben. Es sind diejenigen, die ihrer Situation, ihren Unterdrückern und ihrer Umgebung ausgeliefert und auf Gnade angewiesen sind. Sie haben keine Macht und keinen Einfluss, und es gibt nichts, was sie aus eigener Kraft dagegen tun können.



Der Passus "mit einem zerschlagenen Geist" könnte allerdings auch darauf hindeuten, dass diese Menschen nicht nur im natürlichen Bereich betroffen sind, obwohl das natürlich auch möglich sein kann. Es ist eine Beschreibung von Menschen, die in ihrem Herzen zerschlagen sind, Menschen, die ihre größten Defizite im geistlichen Bereich sehen, so wie Jesaja. Es sind diejenigen, die vor Gottes Wort erzittern.

Die Menschen, die Gott beruft, sind diejenigen, die in vollem Maße erkannt haben, dass sie ständig ganz abhängig von Ihm sind. Unabhängig davon, wie sicher sie sich ihrer persönlichen Beziehung zu ihm sein können, so wird dieses Vertrauen niemals durchkreuzt von Selbstsicherheit, sondern dieses Vertrauen zeigt sich in der ständigen Abhängigkeit von Ihm und in der ständigen Offenheit für Seine Korrektur und für Seine Lehre.

Es ist so einfach für uns, das Werk Gottes in unserem Leben zu „verkirchlichen“ wie einen „Tempel“, es wie ein festes Bauwerk nach unseren Vorstellungen zu sehen hinsichtlich dessen, was wir in der Vergangenheit als sein letztes Wort gelernt haben, und worauf wir dann unser Leben konzentrieren. Unsere Herzen sind nicht mehr empfänglich und werden verschlossen in unseren eigenen konkreten Empfindungen und Wahrnehmungen, und Trost finden wir in berechenbaren und leicht (oder nicht so leicht) zu definieren Formeln und Lebensregeln.


Um in diesen Zustand wie Jesaja zu kommen, müssen wir nicht nur unsere eigene Gottesvorstellung ablegen, sondern die menschlichen Vorstellungen von Gott insgesamt. So wie der Tempel damals den Schöpfer des Universums niemals aufnehmen konnte, müssen auch wir erkennen, dass unsere Vorstellungen von Gott, egal wie gut, richtig und hilfreich sie sein mögen, Ihn nie vollständig erfassen können.




Egal, wie gut wir im geistlichen Bereich dastehen, im Vergleich zu Seinem Reichtum und zu Seiner Fülle sind wir alle nur geistlich arm, und wir brauchen es, von Ihm gefüllt zu werden. Sobald wir bereit und in der Lage sind wirklich anzuerkennen, wie geistlich arm und bedürftig wir wirklich sind, werden wir verwandelt in einen Zustand, der uns fähig macht, Gott in einer Weise zu erkennen, wie niemals zuvor.



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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 07 Feb 2011, 17:58

Tezavveh (Du sollst gebieten)

Für die Woche 12. Februar 2011/ 8 Adar 5771
Torah: Shemot / 2. Moshe 27:20- 30:10
Haftarah: Hesekiel 43:10-27

Kein MSG

„Du sollst auchein Stirnblatt machen aus feinem Golde und darauf eingraben, wie man Siegel eingräbt: »Heilig dem HERRN«. Und du sollst es heften an eine Schnur von blauem Purpur vorn an den Kopfbund. Und es soll sein auf der Stirn Aarons, damit Aaron bei allen ihren Opfern alle Sünde trage, die an den heiligen Gaben der
Israeliten haftet. Und es soll allezeit an seiner Stirn sein, dass sie
wohlgefällig seien vor dem HERRN.“
(Shemot / 2. Moshe 28:36-38)

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem Arbeitskollegen, der Andeutungen dahingehend machte, dass er sich auf seine ganz eigene Weise mit seinen
Mitmenschen befasst, indem er sagt: "Kein MSG". Er meinte damit nicht etwa den berüchtigten Geschmacksverstärker, sondern vielmehr meinte er: "Manipulation, Shame
or Guilt - Manipulation, Scham oder Schuld". Ich weiß nicht, wie es bei ihnen war, aber als ich vor vielen Jahren aufwuchs, war "MSG" (nicht der Geschmacksverstärker)
ein Grundnahrungsmittel, und es verstärkte nichts! Einer der Gründe dafür, dass
diese Art von MSG wirkte, war die Tatsache, dass es so alltäglich und selbstverständlich war. Es mag nicht bei ihnen gewirkt haben, aber wo ich herkomme, war es erfolgreich.

Einige Menschen behaupten, dass Scham und Schuld nur eine Illusion sind, nichts weiter als eine Gemütsverfassung, eine psychologische Einbildung, die von den Mächtigen in der Gesellschaft ausgeheckt werden. Es könnte natürlich dann ein Stück Wahrheit in dieser Auffassung liegen, wenn wir jemanden fälschlicherweise mit Schuld
und Scham richten. Es gibt alle möglichen Menschen, die aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen unnötigerweise unter der Last der
Schuld und der Scham leiden, aber das bedeutet nicht, dass echte Schuld und Scham nicht existieren.

Das hebräische Wort für "Schuld" in den Versen, die ich oben zu Beginn zitierte, ist
"av-on“, und es wird häufig übersetzt mit "Ungerechtigkeit". Dies entstand aus dem Gedanken heraus, dass wir verdorben wurden oder gescheitert sind. Im Zusammenhang mit dieser Stelle aus der Torah bestand die Schuld der Menschen darin, ihre Verpflichtungen gegenüber Gott nicht richtig zu erfüllen. Infolgedessen waren sie in einem verdorbenen, gestörten Zustand, was ihre Beziehung mit
Gott betraf. Eine bessere Möglichkeit, es in der heutigen Sprache zu formulieren, wäre vielleicht: "Nicht ganz auf der Höhe sein – nicht gut drauf – nicht in Ordnung usw."

Echte Schuld ist ein personenbezogener Zustand, und nicht ein
rein psychologischer oder gefühlsmäßiger Zustand. Wahre Schuld
kann natürlich durchaus durch das Gefühl von Schuld begleitet werden, muss es aber nicht in jedem Fall. Wenn sie zum Beispiel eine Verkehrsübertretung
begehen, und die staatlichen Behörden bzw. die Polizei beschließen, dass sie unrecht und gesetzeswidrig gehandelt haben, dann sind sie schuldig, ob es im Einzelfall gerechtfertigt sein mag oder nicht, und sie müssen die Strafe bezahlen. Sie sind
schuldig und müssen die Strafe begleichen, damit die rechte Beziehung zu den Behörden wieder völlig hergestellt werden kann. Welche Gefühle sie in einer solchen Situation haben, ist ohne Belang.

Im Gegensatz zu den unvollkommenen Entscheidungen menschlicher Institutionen sind die Entscheidungen Gottes absolut vollkommen. Wenn er entscheidet, dass wir schuldig sind, dann sind wir auch wirklich schuldig. Aber genau wie bei meinem Beispiel mit der Verkehrsübertretung, kann die Entscheidung Gottes im Zusammenhang mit der Schuld in einigen Fällen Schuldgefühle hervorrufen, muss es aber nicht. Wenn wir vor Gott schuldig geworden sind, dann ist unsere Beziehung zu Ihm gestört, und der Beweis dafür findet sich auf vielerlei Weise in unserem Leben.

Die Geschichte des Volkes Israels wurde von Gott in dieser Weise geführt, um diese Wirklichkeit und Wahrheit gegenüber der Welt zu offenbaren. Durch das Opfersystem können wir das Verlangen Gottes erkennen, eine persönliche Beziehung mit den Menschen, Seinen Geschöpfen, zu haben, aber gleichzeitig sehen wir, dass die Beziehung der Menschen zu Gott gestört ist, und dass sie nicht fähig sind, aus eigenem Antrieb in der rechten Beziehung mit Ihm zu leben. Und so setzte Gott Priester ein (Hebräisch: Cohanim), um stellvertretend die Schuld der Menschen vor Ihn zu bringen. Das priesterliche Amt machte den Tempeldienst
erst möglich, auch wenn dadurch das Problem der Schuld nicht völlig
ausgeräumt wurde. Das sollte sich dann erst beim Kommen des Messias ändern.

Bevor wir die Freiheit von der Schuld wirklich erfahren können, die in Jeschua für uns
verfügbar ist, müssen wir die Realität der Schuld in unserem Leben zunächst einmal anerkennen. Verwechseln sie das nicht mit MSG. Wir sollten uns nicht täuschen lassen
durch ein falsches Gefühl von Scham und Schuld. Vielmehr sollten wir in diesem
Zusammenhang bestimmt werden von echter Scham und Schulderkenntnis. Dieser Realität ins Gesicht zu sehen und sich ihr zu stellen hat absolut nichts mit
Manipulation und Falschheit zu tun.

Auch wenn es nicht angenehm ist, der Schuld ins Gesicht zu sehen und sich dieser Tatsache zu stellen, so ist dies doch der erste und wichtige Schritt zur wahren Freiheit im Leben. Wir können nur dann frei von Schuld sein, wenn wir zugeben und
eingestehen können, dass unsere Beziehung zu Gott auf vielerlei Weise gestört ist. Die Freiheit von MSG ist möglich, aber nur, wenn wir vor Gott unsere Schuld
bekennen und die Erlösungstat des Messias für diese Schuld annehmen.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 13 Feb 2011, 12:48

Ki Tissa (Wenn du zählst)

Für die Woche 19. Februar 2011 / 15 Adar 5771

Torah: Shemot / 2. Moshe 30:11- 34:35
Haftarah: 1 Melachim / 1. Könige 18:1-39

Das Vermeiden der philosophischen Falle

Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“(Shemot / 2. Moshe 32:14)

Ich schätze das Studium der Theologie. Wenn wir in unserem Verständnis der Bibel wachsen, haben
wir die Möglichkeit, Gott besser kennen zu lernen und besser ausgerüstet zu werden, damit wir ein Leben führen können, wie Gott es sich erdacht hatte. Jedoch stelle ich fest, dass manchmal anstelle der Theologie das Bibelstudium nichts anderes ist als Philosophie. Damit ist nicht gesagt, dass die Philosophie für sich nutzlos ist, oder dass wir uns mit einigen schwierigen philosophischen Problemen nie auseinandersetzen sollten, die sich aus der Bibel
ergeben. Allerdings ist es so, dass philosophische Fragen manchmal der Weisheit Gottes im Wege stehen können, die Er in seinem Wort für uns bereithält.

So enthält zum Beispiel der Torahabschnitt dieser Woche einen philosophischen Fallstrick. Bei dem Vorfall mit dem goldenen Kalb war Moshe mit Gott auf dem Berg Sinai für mehr als einen Monat. Die Ungeduld der Menschen führte sie zum Götzenkult und zu einem grässlichen sündigen Verhalten. Gott sagte Moshe, dass er geplante hatte, das Volk zu vernichten und mit Moshe eine neue Nation zu schaffen. Als Reaktion darauf bat Moshe Gott im Auftrag des Volkes flehentlich, es sich anders zu überlegen, was er auch tat.

Aber wie konnte es sein, dass der allwissende Gott es sich anders überlegen konnte? Wenn Gott doch alles weiß, und er beschließt, etwas zu tun, warum sollte er dann die Richtung seiner Handlung ändern? Wusste Gott nicht,
dass Moshe intervenieren und in dieser Weise, wie er es getan hatte, für sein Volk eintreten würde? Wenn dem so ist, war dann seine ursprüngliche Absicht einfach nur ein Trick, um Moshe zu veranlassen, das zu tun, was er tat, damit Gott es sich anders überlegen konnte, bzw. damit er Abstand nehmen konnte von seiner ursprünglichen Absicht, das Volk zu vernichten?

Andere wiederum schauen auf Schriftstellen wie diese hier und kommen zu dem Schluss, dass Gott wohl doch nicht allwissend ist, ja, dass er vielleicht nur einer von vielen Akteuren in der Geschichte ist, wenngleich ein relativ starker und bedeutender. Sie behaupten, dass die Ziele und Bestimmungen Gottes abhängig sind von den Angelegenheiten der Menschheit und vom Zeitgeschehen. Das Problem bei dieser Sichtweise besteht darin, dass sie im Hinblick auf das Gesamtbild Gottes in der Bibel nicht standhält. Die Behauptung, dass Gott in irgendeiner Weise beschränkt sein könnte, mag einigen Menschen eine gewisse philosophische Befriedigung bereiten, aber sie löst letztlich nicht die Spannung, die sich aus dem Studium der Bibel im Gesamtzusammenhang ergibt.

Die wirkliche Schwierigkeit bei einer Schriftstelle wie dieser ergibt sich nicht aus dem, was wir über Gott wissen, sondern es geht darum, dass wir einfach nicht erkennen, was wir alles nicht über Gott wissen. Wenn
wir davon ausgehen, dass die Bibel in ihrer Offenbarung Gottes erschöpfend und vollständig ist, dann könnten wir vermuten, dass die Auflösung philosophischer Probleme wie dieses hier nur eine Sache des andauernden und intensiven Studiums sein müsste. Aber die Bibel ist durchaus nicht erschöpfend und vollständig in dem, was sie über Gott lehrt; sie lehrt uns vielmehr in ausreichendem Maße das, was wir Menschen über Gott in der Lage sind zu erfassen. Während die Bibel uns alles zur Verfügung stellt, was wir über ihn wissen müssen, ist der unendliche und grenzenlose Herr des Universums weit mehr als das, was wir jemals erfassen könnten. Tatsache ist, dass die Bibel uns durchaus nicht alle Informationen gibt, die notwendig wären, um einige dieser philosophischen Fragen und Probleme zu lösen.

Aber Gott gab uns die Bibel ja auch nicht, um unsere philosophischen Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Er gab uns Sein Wort, um uns zu helfen, die Menschen zu sein oder zu werden, die er sich erdacht hat. Das ist die Absicht, die hinter einer Schriftstelle wie dieser steht, und so sollten wir sie auch verstehen. Wir haben hier das Beispiel von Moshe - einem Mann, der Gott wirklich als den allumfassenden und allwissenden Gott kannte. Aber als Moshe mit einer der tragischsten Situationen des Gerichtes Gottes über sein Volk konfrontiert wurde, haderte er nicht mit einem philosophischen Fallstrick, sondern er rief Gott an um Gnade für das Volk. Weil Moshe wirklich um die Macht und die Treue Gottes wusste, war er mit Erfolg in der Lage, Gott im Gebet um Vergebung und Gnade
anzurufen.

Gott kennen zu lernen und zu wissen, wie man nach Seinem Willen lebt, bedeutet nicht, ihn
berechenbar zu machen. Das bedeutet wiederum nicht, dass wir nicht auch unsere eigenen Gedanken hier mit einbringen können – weit gefehlt! Aber wenn wir unsere eigenen Gedanken und Meinungen so ansetzen, dass wir mit der Bibel hadern, dann sollten wir aufhören zu versuchen, dies mit Philosophie zu kompensieren. Stattdessen müssen wir es einfach zulassen, dass die große Komplexität und Vielschichtigkeit der biblischen Wahrheit, einschließlich der philosophischen Fragen, ihr göttliches Werk in unserem Herzen und in unserem Leben tun kann.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 20 Feb 2011, 21:30

Va-Yakhel (Und er versammelte)

Für die Woche 26. February 2011 / 22 Adar 5771
Torah: Shemot / 2. Moshe 35:1 - 38:20
Haftarah: 1 Melachim / 1. Könige 7:40-50

Sie sind ein Künstler


„So sollen denn arbeiten Bezalel und Oholiab und alle Künstler, denen der HERR
Weisheit und Verstand gegeben hat zu wissen, wie sie alle Arbeit ausführen
sollen zum Dienst des Heiligtums, ganz nach dem Gebot des HERRN.“
(Shemot / 2. Moshe 36:1)

Vor einigen Jahren nahm ich an einem geschäftlichen Treffen teil, bei der eine Präsentation gezeigt wurde von einer Gesellschaft, die sich mit Kunst beschäftigt.
An einem Punkt während dieses Treffens sollte sich jeder selbst vorstellen und etwas sagen über die eigenen künstlerischen Fähigkeiten. Ich war überrascht, wie viele Menschen mit den Worten begannen, dass sie eigentlich
nicht künstlerisch begabt wären, aber sie liebten Gartenarbeit oder waren Ingenieur oder Softwareentwickler. Fast jede der anwesenden Personen schien etwas verlegen zu sein, weil sie kein Künstler in der klassischen Bedeutung des Wortes waren, aber sie besaßen ganz eindeutig auch kreative Fähigkeiten.

Als bewusst geschaffener Teil der kreativen Schöpfung sollten Menschen es annehmen, alle möglichen Arten
von kreativen Gaben und Fähigkeiten in sich selbst zu finden. Beginnend mit unserer ersten Aufgabe als Gärtner im Garten Eden wurden die Menschen von Gott berufen und beauftragt, auf kreative
Weise das eigene Umfeld zu gestalten. Wir müssen nicht Maler, Tänzer, oder Musiker sein, um künstlerisch zu sein. Von der Erziehung bis zur Errichtung von Bauwerken, von der Arbeit am Montageband bis
zum Management und sogar in der Politik verlangt das Leben die Fähigkeit des Künstlers, um die vielfältige und riesengroße Zahl von Aufgaben effektiv durchzuführen, mit denen wir überall in unseren Leben
konfrontiert werden.

Der Torahabschnitt dieser Woche hilft uns, unsere künstlerische Fähigkeit gemäß der Schöpfung und Vorsehung
Gottes zu verstehen. Gott gab Moshe ausführliche und detailierte Anweisungen im Hinblick auf den Bau der
Stiftshütte (Mishkan). Die Stiftshütte sollte der zentrale Ort für das Opfersystem des Volkes Israel sein. Wir lesen,
dass die Menschen, die an diesem Projekt beteiligt werden sollten, Handwerker waren und "….Künstler, denen der HERR Weisheit und Verstand gegeben hat zu wissen, wie sie alle Arbeit ausführen sollen zum Dienst des
Heiligtums
."

Der wichtigste Aspekt bezüglich der menschlichen künstlerischen Fähigkeit ist darin zu finden,
dass sie von Gott kommt. Gläubige an Gott mögen hier ohne Zögern zustimmen, aber
bringen wir wirklich unsere Begabungen und kreativen Anlagen mit dieser
Tatsache in Verbindung? Wir mögen unsere Talente als „Gaben“ oder „Geschenke“ bezeichnen,
aber akzeptieren wir wirklich, dass sie ihre Wurzel allein in Gott haben, und
nicht in uns selbst? Sehen wir unsere Begabungen, kreativen Talente und Anlagen wirklich allein als Geschenk von
unserem himmlischen Vater? Oder beziehen wir diese Dinge (oder vielleicht auch den Mangel daran) nur auf uns selbst, auf unseren eigenen Lebensweg, auf das, was uns selbst ausmacht? Die Torah stellt klar: Gaben und Fähigkeiten sind etwas, was Gott in uns hineingelegt hat.

Sobald wir das begriffen und angenommen haben, können wir damit beginnen, unsere künstlerischen,
kreativen und geistigen Anlagen als die Geschenke zu betrachten, die sie sind: Gaben, die man hegen und pflegen sollte, Gaben, an denen man arbeiten und die man entwickeln sollte. Wenn unsere Gaben und Fähigkeiten uns anvertraut worden sind von Gott, dann ist es auch leichter, den zweiten Aspekt zu akzeptieren, den wir
in unserem Vers aus der Torah finden. Die Handwerker und Künstler sollten alle Arbeiten ausführen "ganz nach dem Gebot des HERRN." Die künstlerischen Gaben und Fähigkeiten, die uns gegeben worden sind, sollen nicht für alles
Mögliche verwendet werden, was uns gerade gefällt, sondern sie sollen vielmehr den Bestimmungen und Zielen Gottes dienen.

Vielfach kommt menschliche Kreativität heutzutage als Selbsterfüllung zum Ausdruck. Die eigene Wahrheitsfindung und die Suche nach dem eigenen Ich bei allem, was die Menschen tun, sind zum höchsten Wertmaßstab
geworden. Die eigenen Gaben und Fähigkeiten dienen den Menschen dazu, die eigenen Wünsche und Ziele zu befriedigen. Sogar die Gegenleistung für die Unterstützung Anderer wird häufig begleitet mit dem
Gefühl der eigenen Befriedigung oder Genugtuung. Und wenn meine Gaben und Fähigkeiten mir noch jede Menge Geld
einbringen, umso besser!

Das ist weit entfernt von der Perspektive unseres Schöpfers. Gott schuf uns, um für seine Ziele
und Bestimmungen kreativ zu sein. Seine Weisung an uns, das anzuwenden, was er
uns innerhalb der Grenzen seines Willens anvertraut hat, ist kein Ausdruck
seiner eigenen Ichbezogenheit, als ob er, genau wie wir, einfach nur noch größer oder bedeutender werden müsste. Es geht für uns vielmehr darum, denjenigen wahrhaftig widerzuspiegeln, in dessen Bild wir geschaffen wurden. Wir sollten unsere Kreativität und unsere Fähigkeiten mit derselben Großzügigkeit, Einstellung des
Dienstes und mit der moralischen Integrität wie Er zum Ausdruck bringen.

Eine Anmerkung zu dieser künstlerischen Herausforderung: Wenn wir begreifen, dass Kreativität
wirklich ein Geschenk vom Gott ist, müssen wir nicht mehr unsere eigene Sicht
(oder die Sicht der anderen) bezüglich unserer Gaben und Fähigkeiten annehmen. Wir brauchen nur allein den kreativen, schöpferischen Gott zu sehen, der hinter diesen kreativen Gaben steht. Sie
werden vielleicht angenehm überrascht sein, wenn sie entdecken, was Er alles in uns hineingelegt hat.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am So 27 Feb 2011, 16:56

Pekudei (Kostenberechnung) & Shekalim

Für die Woche 5. März 2011 / 29 Adar 5771
Torah: Shemot / 2. Moshe 38:21 - 40:38; 30:11-16
Haftarah: 2 Melachim / 2. Könige
12:1-17; 1. Samuel 20:18-42

Die Sichtbarkeit Gottes

„Denn die Wolke des HERRN war bei Tag auf der Wohnung (Stiftshütte), und bei Nacht war ein Feuer in der Wolke vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange sie auf der Wanderung waren.“ (Shemot / 2. Moshe 40:38)

Der Torahabschnitt lehrt uns zwei wesentliche Faktoren über das Wesen Gottes. Erstens ist Gott irdisch. Er ist nicht
aus den natürlichen Elementen entstanden, wie die Schöpfung. Das ist auch ein Grund dafür, warum er nicht
als Götzenbild dargestellt werden soll. Jeder hilflose Versuch des Menschen, Gott durch künstliche Dinge darzustellen, ist sinnlos, weil seine ganze Fülle durch unsere menschlichen Sinne niemals erfasst werden kann.


Der zweite wesentliche Faktor ist die Tatsache, dass Gott zwar selbst nicht irdisch ist, dass er sich jedoch innerhalb der irdischen Welt offenbart hat. Auch wenn er selbst unsichtbar ist, so kann Er an Seinem Wirken klar erkannt werden. Die Schöpfung ist der wohl
wichtigste Beweis für seine Existenz. Die Schaffung des Weltalls vom kleinsten Partikel bis hin zur Weite des Weltraumes künden von der Realität des Schöpfers. Darüber hinaus offenbart sich Gott auch durch Sein übernatürliches Eingreifen auf der Grundlage Seiner Kraft. Die Rettung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten durch das Eingreifen Gottes ist nur ein Beispiel
dafür. Die zehn Plagen waren keine Naturkatastrophen. Sie waren vom Gott beabsichtigt, um sich gegenüber Israel, Ägypten und der ganzen Welt als der Starke und Mächtige zu erweisen, aber auch als derjenige, der absolut treu ist.

Während der vierzigjährigen Wüstenwanderung des Volkes Israel offenbarte Gott sich auch durch verschiedene Wunder der Bewahrung, der Versorgung, jedoch auch der Strafe. Israel sollte erkennen, dass Gott nicht einfach nur ein Konzept oder eine Macht war, die man nach Belieben manipulieren konnte. Obwohl er selbst nicht sichtbar ist, und kein Bildnis von Ihm erstellt werden konnte, das ihn angemessen darstellt, war und ist er dennoch absolut real.


Eine andere Weise, wie Gott sich offenbarte und sichtbar wurde, war eine Wolke, die bei ihnen blieb während ihrer Jahre in der Wüste. Die Wolke schützte das Volk und führte es auf ihrer Wanderung. Die Wolke selbst war jedoch nicht Gott. Sie beteten die Wolke nicht an. Und doch war die Wolke eine sichtbare Darstellung seiner Gegenwart.

Wie wunderbar wäre es doch, wenn wir solch eine sichtbare Darstellung der Realität und Gegenwart Gottes auch heute unter uns haben könnten! Wie sicher wären wir dann doch hinsichtlich der Existenz Gottes, sowie Seiner Liebe und Seiner Führung!
Aber, wäre das wirklich so? Die Sichtbarkeit Gottes durch die Wolke machte bei der Mehrheit unter dem Volk Israel keinen wirklichen Unterschied. Alle Erwachsenen, die aus Ägypten auf übernatürliche Weise befreit wurden, mussten von Gott für ihre Untreue gerichtet werden. Sie starben, ohne jemals in das verheißene Land einzugehen. All diese sichtbaren Manifestationen der
Realität Gottes machten keinen Unterschied in ihren Leben.


Das Versagen der Menschen im Hinblick auf ihre Treue gegenüber Gott ist in keiner Weise zurückzuführen auf eine verminderte
Realität der Sichtbarkeit Gottes. Vielmehr zeigt dieser Mangel nur die Tiefe der Entfremdung des Menschen von Gott. Für diejenigen, die Gott treu waren, war seine Sichtbarkeit ein großer Trost und eine große Hilfe. Die Sichtbarkeit Gottes allein bewirkt jedoch keine echte und persönliche Beziehung zu Ihm. Aber gegenüber denjenigen, die wirklich auf Ihn vertrauen, offenbart sich Gott auf ganz unterschiedliche Weise, und das macht dann auch den grundlegenden Unterschied aus.


Damit ist nicht gesagt, dass die Erkenntnis Gottes lediglich eine persönliche, subjektive Erfahrung ist, als ob die Sichtbarkeit
Gottes vom Glauben abhängig wäre. Genau, wie das ganze Volk Israel die Wolke sah und ihren Nutzen daraus zog, so offenbart sich Gott auch heute auf ganz unterschiedliche und vielfältige Weise. Der Unterschied, der sich aus dem Vertrauen Ihm gegenüber ergibt, hat zu tun mit den Auswirkungen Seiner Sichtbarkeit auf unser Leben. Wenn wir in einer wahrhaften und persönlichen Beziehung mit ihm stehen, dann kann die Art und Weise, wie er sich offenbart, diese Beziehung nur noch weiter vertiefen.


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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 07 März 2011, 07:50

Vayikra (Und er rief)

Für die Woche 12. März 2011 / 6 Adar 2 5771

Torah: Vayikra / 3. Moshe 1:1 - 5:26

Haftarah: Jesaja 43:21 - 44:23



Das Volk Gottes


Dieser wird sagen: Ich gehöre dem HERRN! Und jener wird sich mit dem Namen Jakob nennen. Und jener wird auf seine Hand schreiben: Dem HERRN eigen! und wird mit dem Namen Israel genannt werden.“ (Jesaja 44:5)

Der rote Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht, beinhaltet Gottes Plan, die rechte Beziehung zu den Menschen wiederherzustellen. Nachdem Gott zu Beginn der Schöpfung sagen konnte, dass es "sehr gut" war, wiesen unsere Urahnen Gottes Wort ab und hörten auf den Versucher, was die Menschheit in einen Zustand der Entfremdung von unserem Schöpfer brachte. Bereits von diesem Tage an hatte Gott beschlossen, unser zerbrochenes Verhältnis zu ihm wiederherzustellen (siehe Bereschit / 1. Moshe 3:15). Man könnte sich fragen, warum Gott den Schaden nicht sofort bereinigt hat. Warum hat sich die Versöhnung der Menschheit mit Gott als so langwierig, schwierig und komplex erwiesen? Die Komplexität dieser Lösung deutet natürlich die Komplexität dieses Problems an. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, wie schrecklich unser abtrünniger und rebellischer Zustand wirklich ist. Gottes Lösung für dieses Problem ist absolut angemessen, und es ist die effektivste Lösung.

Es sollten noch Jahrhunderte vergehen zwischen Gottes Verheißung der Wiederherstellung im Garten Eden und dem tatsächlichen Beginn der Umsetzung seines Planes der Wiederherstellung. Dies geschah, als Gott der ganzen Welt durch den Samen Abrahams Segen verheißen hatte. Während der Schwerpunkt in den hebräischen Schriften ganz stark auf Israel selbst und deren Angelegenheiten liegt, erkennen wir, wie Gottes Wirken in und durch Israel letztlich zu einem großem Nutzen und Segen für alle Völker und die ganze Schöpfung wird.


Ein Beispiel hierfür findet sich in der
Haftarah- Lesung dieser Woche. Durch den Mund des Propheten Jesaja spricht Gott von einer Zeit, wo er das eigensinnige und abtrünnige Israel wieder herstellt zur Gemeinschaft mit Ihm. Dies schließt auch diejenigen mit ein, die ursprünglich nicht zum Volk Israel gehörten, sich jedoch als dazugehörig fühlen und sich als Kind des Gottes Israels betrachten.

Die Hinwendung von nichtjüdischen Nationen zum Gott Israels ist letztlich die Erfüllung der Verheißung an Abraham – sowie die Erfüllung der Verheißung Gottes im Garten Eden. Israel wurde nicht nur als ein heiliges Volk für sich selbst auserwählt, sondern zu einem Segen für die ganze Welt.

Wie dies funktionieren sollte, war eine der großen Herausforderungen für die frühen Anhänger von Jeschua. Unter der ersten Generation der jüdischen Gläubigen brauchte es eine Weile, um Gottes Vorhaben zu akzeptieren und anzunehmen, sich auch gegenüber den nichtjüdischen Nationen bekannt zu machen. Als dann immer mehr Nicht-Juden begannen, an den Messias zu glauben, kam es zum Streit darüber, wie man die Stellung der Nicht-Juden innerhalb der Gemeinde der Gläubigen angemessen verstehen sollte. Mit der Zeit wurden nichtjüdische Gläubigen dann als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft der Gläubigen des Neuen Bundes angenommen.

Durch Jeschua sind alle Menschen, jüdische und nichtjüdische gleichermaßen, wiederhergestellt zu einer rechten Beziehung mit Gott. Demgemäß können alle Gläubigen gleichermaßen als Teil des Volkes Gottes betrachtet werden. Gott ist der Vater für all diejenigen, die mit Ihm versöhnt und zu Ihm hin wiederhergestellt sind, durch den Glauben an den Messias. Wir alle haben den gleichen Zugang zu Ihm. Bei Gott gibt es keine Favoriten. Wie viel der Einzelne von seiner Beziehung zu Gott und seiner besonderen Berufung und Begabung profitieren kann, ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Dennoch sind alle Gläubigen gleichermaßen ohne Unterschied Teil der Familie Gottes.

Die Einrichtung der Gemeinschaft des Neuen Bundes als multinationale Gemeinschaft von Menschen, die an den Messias glauben, sollte allerdings nicht vermischt werden mit den besonderen und ganz speziellen Plänen und Zielen Gottes für das Volk Israel. Während die verbreitete Tendenz in Israel, sich als alleinige Empfänger und Wohltäter von Gottes Segen zu sehen, mitunter auch ein Hindernis war für die Erkenntnis der Berufung Gottes, dass sie letztlich auch ein Instrument waren, um diesen Segen an alle Völker weiterzugeben, untergräbt die Einbeziehung der Nationen als Teil des Volkes Gottes in keiner Weise den besonderen und speziellen Aspekt von Gottes Plan, der insbesondere Israel allein betrifft.

Dieses "sowohl - als auch", das einerseits das messianische Volk Gottes betrifft und fortdauernd natürlich auch Gottes Treue zu Seinem Bundesvolk, den Nachkommen Abrahams durch Isaak und Jakob, ist ein wesentliches Element der biblischen Wahrheit. Wenn wir die Bedeutung dieser beiden wesentlichen Aspekte des gesamten Plan Gottes zur Versöhnung und Wiederherstellung nicht erkennen, dann schließen wir uns damit selbst aus von der vollen Teilhabe an diesem Plan Gottes.

Israel bekam die Berufung und den Auftrag, Gottes Instrument des Segens für die ganze Welt zu sein. Entgegen der landläufigen Denkweise konnte dies umgesetzt werden durch den jüdischen Messias und seine ersten jüdischen Nachfolger.




Die Schriften des Neuen Bundes (Neues Testament) sind das Erbe Israels für die ganze Welt. Das vorläufige Scheitern der Mehrheit des Volkes Israel, seine messianische Berufung in Jeschua anzunehmen, untergräbt in keiner Weise den Plan Gottes für die Welt oder Israels eigenes Schicksal, denn Gott wird seine Verheißungen ihnen gegenüber noch erfüllen.



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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 14 März 2011, 07:35

Zav & Zakhor

Für die Woche 19. März 2011 / 13 Adar 2 5771

Torah: Vayikra / 3. Moshe 6:1 - 8:36;

Devarim / 5. Moshe 25:17-19

Haftarah: 1. Samuel 15:2-34



Was ist Sünde?


Und der HERR redete zu Moshe: Wenn jemand sündigt und Untreue gegen den HERRN begeht, dass er seinem Nächsten ein anvertrautes Gut ableugnet oder ein Darlehn oder etwas Geraubtes, oder er hat von seinem Nächsten etwas erpresst, oder er hat Verlorenes gefunden und leugnet es ab, und er schwört falsch oder irgend etwas von allem, was ein Mensch tun mag, sich darin zu versündigen:“

(Wajikra / 3. Moshe 5:20-22).



Dieser Abschnitt aus dem dritten Buch der Thora enthält Anweisungen darüber, was zu tun ist, wenn eine Person in irgendeiner Weise Unrecht getan hat gegenüber einer anderen Person. Man beachte, dass in den oben zitierten Versen solche Dinge als Sünde gegen den Herrn bezeichnet werden, und eben nicht nur als Sünde gegenüber dem direkt Betroffenen. Die Torah rückt auf diese Weise unser Verhalten in die richtige Perspektive. Wenn wir anderen Menschen etwas Schlechtes antun, dann beeinflusst das unsere Beziehung zu Gott.

Einige mögen vielleicht meinen, wenn Gott hier Bezug nimmt auf das menschliche Verhalten, dann sei dies einfach nur ein Weg, um das Verhalten und das Miteinander unter den Menschen zu regeln. Letztlich ist die Torah jedoch ein geistliches Buch. Natürlich nimmt Gott Bezug auf die allermeisten Dinge im Leben der Menschen. Aber der Gott der Torah ist eben nicht nur ein unpersönlicher Herrscher, der alles regelt. Es macht keinen Sinn, Seine Gebote nur als Regelwerk für unser Verhalten zu sehen. Die Moral in der Torah ist tief verwurzelt in der Realität eines Gottes, der die enge Beziehung zu uns Menschen sucht.


Gott errettete das Volk Israel aus einer schrecklichen Situation in Ägypten. Diese Erlösung und Befreiung aus der Knechtschaft schuf eine einzigartige ewige Bindung zwischen den Menschen und Gott.
Daraus ergibt sich, dass ihr Leben das Wesen und den Charakter Gottes widerspiegelt. Wenn wir hierin scheitern, dann geschieht das, war wir "Sünde" nennen. Die Sünde ist nicht etwa die Abkehr von einer willkürlichen oder gar tyrannischen Herrschaft, sondern es ist die Leugnung dieser persönlichen Beziehung zu uns oder der Versuch, diese Beziehung zu zerstören.




Sünde ist nicht zu vergleichen mit einer schlechten Note oder Fehlern in einer Examensprüfung, wo immer etliche letztlich mit der Abschlussnote "mangelhaft" dastehen können. Vielmehr ist die Sünde jene schlechte Frucht, die aus dem Zustand eines Menschen erwächst, der nicht im Einklang mit dem steht, wozu wir bestimmt sind, nämlich zu einer persönlichen Beziehung zum Herrn. Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Respekt vor dem Besitz und Ehrlichkeit sind wesentliche Aspekte des Wesens Gottes. Diese Dinge zu ignorieren bedeutet letztlich die Abkehr von Gott. Einem anderen Menschen Unrecht zu tun zerstört nicht nur die Beziehung zu diesem Menschen, sondern die Beziehung zu Gott, mit anderen Worten, es ist Sünde.

Nur wenn wir erkennen, dass unsere Missetaten untereinander in erster Linie ein Affront gegen Gott sind, der uns geschaffen hat, werden wir uns auch erfolgreich von diesen Missetaten abwenden können. Philosophie, Psychologie und alle möglichen Formen von Religionen versuchen, das Problem des menschlichen Versagens zu lösen, aber kein noch so großes Maß an Selbsterkenntnis, persönlicher Bemühungen der Besserung, psychologischer Spielereien oder der Verhaltenstechniken kann jemals unsere Unfähigkeit auflösen, uns gegenüber unserem Nächsten immer richtig zu verhalten, ganz zu schweigen von unserer Unfähigkeit, die rechte Beziehung zu unserem Schöpfer herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Nur, wenn wir unsere Missetaten als das anerkennen, was sie wirklich sind, nämlich Sünden gegen Gott, werden wir beginnen, nicht nur die Art der Beziehung zu Gott zu begreifen, zu der wir geschaffen sind, sondern wir werden auch beginnen, die Art von Beziehung zu unserem Nächsten zu erfahren, nach der wir uns schon so lange verzweifelt gesehnt haben.




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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 21 März 2011, 06:39

Shemini & Parah
Für die Woche 26. März 2011 / 20 Adar 2 5771
Torah: Vayikra / 3. Moshe 9:1 - 11:47 &
Bemidbar / 4. Moshe 19:1-22
Haftarah: Hesekiel 36:16-38

Wenn sich schlecht zu fühlen gut ist


„Und ihr werdet an eure bösen Wege denken und an eure Taten, die nicht gut waren, und werdet an euch selbst Ekel empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Greuel. Nicht um euretwillen tue ich es, spricht der Herr, HERR, das sollt ihr wissen. Schämt euch und werdet beschämt vor euren Wegen, Haus Israel!“ (Hesekiel 36:31, 32)

Die Haftarah- Lesung dieser Woche (Lesung aus den Propheten) beinhaltet unter anderem eine der biblischen Prophezeiungen über die physische und geistliche Wiederherstellung des Volkes Israel. Diese Schriftstellen machen deutlich, dass auch wenn Israel ernsthaft die Folgen für die Zurückweisung Gottes und seiner Wege tragen muss, Gott sie dennoch nicht für immer verwerfen wird, sondern dass Er Sein Volk vielmehr zu sich selbst und zu ihrem Land wieder herstellen wird. Diese Wiederherstellung wird nicht einfach nur ein Zurückversetzen sein zu dem Zustand, wie er einmal war, sondern sie geschieht vielmehr in einer Art und Weise, wie Gott es seit jeher vorherbestimmt hat, und wie sie es so noch nie erfahren haben.

Dies wird sich erfüllen, weil Gott derjenige ist, der handelt. Aus der Art und Weise, wie diese Bibelstellen das Werk Gottes beschreiben, sehen wir, dass es hier nicht um eine poetische Beschreibung oder um eine Schilderung im übertragenen Sinne geht. Diese Worte gehen über das rein menschliche Niveau hinaus. Wenn wir zum Beispiel lesen, So spricht Gott der Herr: An dem Tag, da ich euch von all euren Sünden reinige, da werde ich die Städte bewohnt sein lassen, und die Trümmerstätten sollen aufgebaut werden.“ (Hesekiel 36:33), dann wird Gott das auch wirklich tun.

Aber die Tatsache, dass Gott derjenige ist, der solche Dinge bewirkt, bedeutet nicht, dass es dabei nicht auch einen menschlichen Faktor gibt. Die Wiederherstellung Israels ist keine Sache, die einfach nur mit dem Volk geschieht ohne deren Zutun. Weil Gott so handelt wie er handelt, können die Menschen darauf reagieren und antworten. Tatsächlich besteht die Realität der Wiederherstellung darin, dass die Menschen auf Sein Wirken reagieren, und auf eine sehr besondere und spezielle Weise antworten.

Ein Aspekt dieser Antwort findet sich in dem Bibelvers zu Beginn dieser Betrachtung: "Und ihr werdet an eure bösen Wege denken und an eure Taten, die nicht gut waren, und werdet an euch selbst Ekel empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Greuel." (Hesekiel 36:31).

Wenn Gott die verheißene Herzänderung in den Menschen bewirkt, dann werden sie auf ihr schlechtes Verhalten schauen und sich schrecklich dabei fühlen. Und so sagt Gott zu ihnen: "Schämt euch und werdet beschämt vor euren Wegen, Haus Israel!" (Hesekiel 36:32). Um die Wiederherstellung Gottes zu erfahren, müssen die Menschen zuerst beschämt werden im Angesicht ihres eigenen Handelns.

Das ist nicht die Art von Botschaft und Verkündigung, die ich heutzutage höre. Was ich in den meisten Fällen höre ist, dass Gott möchte, dass wir uns selbst gut fühlen. Uns wird gesagt, dass das menschliche Problem ein zu geringes Selbstwertgefühl ist, und wenn wir nur erkennen würden, wie Gott über uns empfindet, wäre alles o.k. (oder zumindest viel besser, als es jetzt ist). Unser Problem besteht angeblich darin, dass wir es nicht gelernt haben, uns selbst zu akzeptieren und anzunehmen. Wenn also, gemäß dieser Denkweise, Gott uns in dieser Weise akzeptiert, dann sollten wir es ebenso tun.

Aber Gott akzeptiert uns nicht in der Weise, wie wir es tun. Der Grund, warum die menschliche Situation eben so schlecht ist, wie sie ist, besteht darin, dass Gott uns in dem Zustand, in dem wir uns befinden, eigentlich zurückweisen muss. Unser Angenommen sein beruht vielmehr auf seiner Gnade und Seiner Opfertat für uns. Die frohe Botschaft ist, dass jeder, der nach Seinen Bedingungen zu Gott umkehren möchte auch angenommen wird. Aber es muss nach Seinen Bedingungen geschehen, und dazu gehört auch die Abscheu und Scham gegenüber unserer eigenen Ungerechtigkeit und Sünde. Nur wenn wir unsere Sünde als das ansehen, was sie wirklich ist, werden wir Vergebung erfahren, die notwendig ist, um zu Gott hin wieder hergestellt zu werden. Wie könnte uns vergeben werden, wenn wir der Meinung sind, dass es bei uns nichts gibt, was der Vergebung bedarf? Wenn wir für uns in Anspruch nehmen, am Opfer des Messias teilzuhaben, aber das eigentliche Ziel dieses Opfers bestreiten, dann weisen wir dadurch dieses Opfer letztlich zurück.

Gott möchte natürlich nicht, dass wir nun den Rest unseres Lebens damit zubringen, uns selbst schlecht zu fühlen oder uns selbst zu verachten. Vielmehr geht es darum, dass die Erkenntnis unserer eigenen Ungerechtigkeit und unseres falschen Handelns von der Perspektive Gottes her ein notwendiger Teil ist, damit die rechte Beziehung mit Ihm wieder hergestellt werden kann. Sobald wir die Wahrheit über die Natur des Bösen zulassen, das unsere Leben durchdringt und bestimmt, kommen wir hinein in eine Position, wo wir Seine Vergebung erfahren und von Ihm angenommen werden.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 28 März 2011, 08:24

Tazri'a & Hahodesh
Für die Woche 2.
April 2011 / 27 Adar 2 5771
Torah: Vayikra / 3. Moshe 12:1 - 13:59;
Shemot / 2. Moshe 12:1-20
Haftarah: Hesekiel 45:16-46


Die Geburt ist keine Krankheit

Und wenn die Tage ihrer Reinigung für einen Sohn oder eine Tochter erfüllt sind, soll sie ein einjähriges Lamm zum Brandopfer bringen und eine junge Taube oder eine Turteltaube zum Sündopfer, zum Priester an den Eingang des Zeltes der Begegnung. Und er soll es vor dem HERRN darbringen und Sühnung für sie erwirken, und sie wird rein sein vom Fluss ihres Blutes. Das ist das Gesetz der Gebärenden bei einem männlichen oder bei einem weiblichen Kind.“ (Wajikra / 3. Moshe 12:6, 7; ELB.)

Die Torah ist weit mehr als eine Auflistung von Regeln und Vorschriften. Durch das Studium der Torah werden wir in die Lage versetzt, das Leben aus Gottes Perspektive zu sehen.


Die Menschen haben ein bestimmtes Konzept oder eine Theorie, der gängige Begriff dafür ist "Weltanschauung". Die meisten von uns sind sich nicht der Tatsache bewusst, dass unser Leben, welches wir führen, auf einer bestimmten Weltanschauung basiert, aber die Art und Weise, wie wir die Zusammenhänge in der Welt sehen, beeinflusst nun mal auch die Art, wie wir leben. Eine Weltanschauung gründet sich hauptsächlich auf unseren eigenen Erfahrungen oder auf dem, was wir gerade aufgeschnappt haben bzw. wodurch wir geprägt wurden, und weniger auf die Lehre. Die Art und Weise, wie wir die Welt und das Leben in dieser Welt betrachten, wird unbewusst unter anderem auch abgeleitet von unseren Familien bzw. von unserer Herkunft und den unausgesprochenen Werten der Kulturen, in denen wir leben.

Die Torah hingegen ist ein Ausdruck von Gottes Weltanschauung. Die eindeutigen Aussagen, mit denen wir in der Torah konfrontiert werden, zeigen uns Gottes Sicht vom Leben
. Diese Sicht Gottes, die ich als die einzige wahre Realität anerkenne, kann nicht immer erklärt werden, sondern es ist eine Tatsache. Der Grund für etwas ist eben nicht immer gegeben. Gott hat es nicht nötig, sich zu erklären, Er ist der Schöpfer und Herr des Universums. Wenn er eine Richtlinie vorgesehen hat, dann basiert sie auf Seiner Sicht des Lebens als Schöpfer des Lebens. Aber wenn wir genau hinschauen, was Er uns sagt, können wir ein stückweit Seine Perspektive erkennen und aufgreifen. Wenn wir das tun, wird unser Verständnis und unsere Sicht vom Leben bereichert, was wiederum dazu führt, dass Seine Weisungen und Richtlinien in den rechten Kontext gerückt werden, so dass wir sie in der Weise befolgen können, wie Gott es vorgesehen hat.

Bevor wir uns ein spezielles Beispiel ansehen, möchte ich darauf hinweisen, dass der Gesamtzusammenhang, in dem wir Gottes Anweisungen am besten verstehen, aus der Tatsache entspringt, dass wir in der messianischen Zeit leben. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Empfängern der Worte aus der Torah, die noch auf das Kommen des Messias warteten, erleben wir heute Gottes Richtlinien aus der Perspektive der messianischen Erfüllung. Das Kommen von Jeschua und die Zerstörung des Tempels haben die Art und Weise verändert, wie die Gläubigen ihr Leben führen. Doch die tiefgreifenden Unterschiede zwischen dem Alten und dem Neuen Bund sollten uns nicht grundsätzlich von Gottes Lebensperspektive abbringen, mit der wir überall in der Heiligen Schrift konfrontiert werden.


Nun zu unserem Beispiel, durch das uns die Torah Gottes Weltanschauung und Seine Sicht vom Leben nahebringt. Der Torahabschnitt dieser Woche beginnt mit einem Abschnitt über die Reinigungsvorschriften nach der Geburt eines Kindes, der so genannten Verordnung für die Wöchnerinnern. Darauf folgt dann ein längerer Abschnitt über infektiöse Hauterkrankungen bzw. Aussatz. Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden Abschnitten. Diesen beiden Abschnitten gemeinsam ist die Tatsache, dass ein besonderes Augenmerk auf die Bedingungen und Umstände sowie sich daraus ergebende bestimmte Verhaltensregeln gelegt ist, wenn die Bedingungen geklärt waren.

Der Zustand, unrein zu sein, versetzte die Person jeweils in eine ganz spezielle Beziehung zu den Angelegenheiten Gottes und der Gemeinschaft. Dies wurde vorgesehen, um die Gemeinschaft insgesamt sowie den Einzelnen während der Zeit der rituellen Unreinheit zu schützen. Allerdings stellen der Geburtsvorgang und die Tage danach ja keine Gefahr für die Allgemeinheit dar, wie etwa eine ansteckende Hautkrankheit bzw. der Aussatz. Wenn festgestellt wurde, dass eine Person wirklich eine ansteckende Hautkrankheit hatte, dann wurde sie in Isolation gebracht. Eine vergleichbare Situation war für den angegebenen Zeitraum nach der Entbindung nicht gegeben. Während sowohl die Mutter nach der Geburt, als auch die Person mit Aussatz als "unrein" beschrieben werden, so muss man feststellen, unabhängig davon, was hier mit unrein gemeint war, dass eine Geburt keine Krankheit ist.

Dass die Geburt eines Kindes selbstverständlich keine Krankheit ist, gründet sich auch auf die Gesamtperspektive Gottes in Bezug auf Kinder, wonach Kinder ein Segen und eine Belohnung sind (siehe Bereschit / 1. Moshe 1:28; Devarim / 5. Moshe 7:4; Tehillim / Psalm 127:3; Matthäus 19:14).


Doch obwohl viele Kulturen den Unterschied zwischen diesen beiden Lebensumständen richtig einordnen, und niemand auf den Gedanken käme, die Geburt als eine Krankheit zu bezeichnen, zeugen doch die intensiven und zeitaufwendigen Bemühungen vieler Menschen, die Geburt von Kindern zu verhindern, von einem Weltbild, das sich fundamental unterscheidet von der Sichtweise Gottes in der Torah.

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Re: Torahbytes

Beitrag von Reinhard am Mo 04 Apr 2011, 08:48

Mezora (Aussätziger)
Für die Woche 9. April 2011 / 5 Nisan 5771
Torah: Vayikra / 3. Moshe 14:1 - 15:33
Haftarah: 1 Melachim / 2. Könige 7:3-20


Was hörst du?

„Denn der Herr hatte das Heerlager Arams (Syrer) ein Getöse von Wagen und ein Getöse von Pferden hören lassen, das Getöse einer großen Heeresmacht……..“ (2 Melachim / 2. Könige 7:6; ELB.)

Wir leben im Informationszeitalter. Es ist sicher legitim zu sagen, dass wir heute mit mehr Informationen und Nachrichten versorgt oder mitunter auch überschwemmt werden, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wir sind das Ziel von noch mehr Daten, noch mehr Meinungen und Ansprüchen in einem Ausmaß, wie in keiner Generation, die jemals gelebt hat.

Hier in Kanada stehen wir derzeit mitten im Bundestagswahlkampf. Wir werden geradezu bombardiert von allen möglichen Versprechungen, Kritik und Kommentaren, und alle wetteifern um unsere Aufmerksamkeit. Ich habe den Eindruck, dass für viele, wenn nicht sogar für die Masse der Kanadier, die politische Rhetorik, insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen, nichts weiter als leere Effekthascherei ist, um die Öffentlichkeit zu manipulieren und um Stimmen sowie finanzielle Zuwendungen zu sammeln.

Diese Politische Effekthascherei ist nur ein Beispiel für den möglichen Widerspruch zwischen der Bereitstellung von Informationen und dem, was wir tatsächlich hören. Die Experten auf dem Gebiet der Informationsweitergabe verstehen ihr Handwerk. Sie wissen, dass die Menschen nicht unbedingt das hören, was gesagt wird. Also versuchen sie, die entsprechende Information geschickt zu verpacken und so zu präsentieren, dass eine gewünschte Reaktion erreicht wird, unabhängig vom tatsächlichen Informationsgehalt. Deshalb ist bei einer effektiven Kommunikation die Frage, wie man etwas präsentiert, genauso wichtig wie das, was man tatsächlich ausspricht.

Der Haf
arah- Abschnitt dieser Woche zeigt einen weiteren Aspekt der Dynamik im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Informationen. Die vorliegende Geschichte handelt von der Hungersnot in Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches Israel. Grund war die Belagerung durch die syrische Armee. Vier israelitische Männer, die an Aussatz erkrankt waren, dachten bei sich, dass sie wohl nichts zu verlieren hätten, wenn sie sich in die Hände der Syrer begeben. Aber als sie im syrischen Heerlager eintrafen, fanden sie es verlassen vor. Gott hatte die Syrer die Geräusche einer aufziehenden großen Streitmacht hören lassen. Sie gingen davon aus, dass Israel andere Nationen angeheuert hätte, um ihnen zu Hilfe zu kommen. So ergriffen sie voller Angst die Flucht und verließen das Heerlager.

Nun würde ich nicht behaupten wollen, dass Ereignisse wie diese immer wieder geschehen könnten. Aber diese Geschichte ist auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass Gott Menschen dazu bringen kann, etwas zu hören, was nicht wirklich real ist, um eine gewünschte Reaktion hervorzurufen. Dies sollte uns Anlass sein, einmal innezuhalten im Hinblick auf die Frage, wie wir auf das reagieren, was wir hören. Neben den Fragen der Kommunikation von solchen Dingen wie Hintergedanken, Gerüchten, Missverständnissen und unverblümten Lügen, welche die Richtigkeit dessen verzerren, was wir hören, erkennen wir hier also, dass auch Gott, der Schöpfer des Universums, an der Weitergabe von Informationen beteiligt sein kann. Somit müssen wir sehr aufmerksam sein im Hinblick darauf, wie wir hören.

Man beachte, dass die syrische Armee nicht etwa Stimmen hörte, die sagten, dass sie angegriffen würden. Sie hörten lediglich den Klang oder die Geräusche einer aufziehenden großen Armee. Der Grund, warum sie glaubten, sie würden angegriffen, war die Tatsache, dass sie Feinde Israels und Feinde Gottes waren. Wenn Israel den gleichen Klang gehört hätte, dann wären sie sicher davon ausgegangen, dass eine Armee ihnen zu Hilfe kommt.



Die Art und Weise, wie wir hören, ergibt sich nicht in erster Linie aus der Informationen selbst, sondern aus dem Verständnis unserer Beziehung zu Gott.


Wenn wir die Gewissheit haben, dass wir bei Ihm in guten Händen sind, dass er uns liebt, und dass er immer nur das Beste für uns will, dann wird dieses Wissen gleichzeitig zum Filter im Hinblick darauf, wie wir das aufnehmen und verarbeiten, was wir alles Tag für Tag hören. Wir werden nicht mehr länger zum Opfer von denen, die uns durch ihre Worte manipulieren wollen. Wir bekommen die Fähigkeit, geduldig zu sein gegenüber den Menschen, die nicht in der Lage sind, effektiv zu kommunizieren. Wir werden nicht mehr in Schrecken versetzt durch die Nachrichten von schrecklichen Gräueltaten, die überall in der Welt geschehen. Und wenn wir das „Donnern“ oder das deutliche Reden von Gott selbst hören, dann werden wir die Gewissheit haben, dass er nicht kommt, um uns anzugreifen, sondern um uns zu helfen.

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